„Man kann der Fed kaum vorwerfen, dass sie den Markt mit ihrer Entscheidung, die Zinsen zu erhöhen, überrascht hat. Rund 75 Prozent der Marktbeobachter haben diesen Schritt erwartet, nicht zuletzt aufgrund der guten US-Arbeitsmarktdaten im Dezember“, kommentiert etwa Nick Peters, Fondsmanager bei Fidelity International, die US-Zinserhöhung. In den kommenden Monaten, so Peters, werde die Fed genau beobachten, wie die Wirtschaft und die Märkte reagieren werden. „Ein entscheidender Faktor wird die Reaktion des US-Dollar sein. Viele Beobachter erwarten, dass höhere Zinsen zu einem festeren Dollar führen. Diese Einschätzung teile ich nicht unbedingt: Sollten wir 2016 nur wenige, beispielsweise zwei, Zinsschritte sehen, gehe ich von einem schwächeren US-Dollar aus.“

Sein Kollege, Kevin O’Nolan, ebenfalls Fondsmanager bei Fidelity, weist nochmals auf die Tragweite der Entscheidung hin: „Die Zinserhöhung ist so bedeutend, weil sie den Beginn des ersten Zinserhöhungszyklus seit zehn Jahren markiert und nicht wegen ihrer unmittelbaren wirtschaftlichen Wirkung. Für Investoren wird der Ausblick der kommenden zwölf Monate vor allem von der Geschwindigkeit abhängen, mit der die Fed die geldpolitischen Zügel straffen wird. Es ist durchaus möglich, dass die Fed die Zinsen 2016 schneller anhebt als erwartet, weil sie sich schon sehr stark der Erfüllung ihres doppelten Auftrags – Wachstum und Beschäftigung sowie Preisstabilität – genähert hat.“

Für Christian Heger, Chief Investment Officer bei HSBC Global Asset Management (Deutschland), stellt die damit eingeleutete geldpolitische Wende eine wichtige Zäsur dar. Zwar habe die Fed nur einen graduellen Ausstieg aus der Nullzinspolitik vorgenommen, aber selbst der im Konsens erwartete Anstieg auf ein Prozent 2016 bedeute eine nicht unerhebliche Renditeverbesserung kurzlaufender US-Anleihen. Für einen Trendwechsel an den Aktienmärkten sei es jedoch noch zu früh. „Wir nutzen daher die aktuelle Kurskorrektur, um antizyklisch unsere untergewichtete Position in den Aktienmärkten der Emerging Markets zu erhöhen. Gleichzeitig bleibt die alte Übergewichtung unserer Favoriten, Euroland und Japan, bestehen. Beide Regionen profitieren von einer lockeren Geldpolitik und sind unverändert nicht überbewertet“, so Heger in einem aktuellen Marktkommentar.

Was die Zinserhöhung für die Anleihemärkte bedeuten könnte, fasst Peter Dreide, Geschäftsführer der TBF Global Asset Management folgendermaßen zusammen: „Die Aussage seitens der Fed, dass über die Zeit entsprechend der wirtschaftlichen und inflationären Entwicklung die Zinsen moderat Stück für Stück nach oben angepasst werden, gibt dem Bondmarkt die Sicherheit, dass hier kein Bond-Crash ins Haus steht. Für uns sind die Zinsanstiege gerade bei US-Corporates im Investment- und Non-Investment-Grade-Bereich auf dem jetzt erreichten Niveau ein klarer Kauf. Grund hierfür ist die überhöhte eingepreiste Zinsangst und die Gewissheit einer soliden wenn auch nicht überschäumenden US-Konjunktur, die ebenfalls solide Unternehmensgewinne bedeutet. Für den Unternehmensanleihen-Bond-Markt bedeutet das: nicht zu viel Wirtschaftswachstum, um Angst haben zu müssen vor noch weiter steigenden Renditen – und nicht zu wenig Wachstum, um eine Rezession in Unternehmensgewinnen erwarten zu müssen.“

Wie die Reaktionen der Börse auf die Fed-Entscheidung zu erklären sind und was dies für Dax und Euro bedeutet, erfahren Sie in diesem Video-Beitrag:

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