Service-Telefon täglich von 8 bis 22 Uhr:   030 2757764-00

Suche: WKN/ISIN, Beteiligungen, Gesellschaften

Aufsteiger aus Fernost Ein Blick auf die Rentenmärkte

Börse Foto: © Creativeye99 / istockphoto.com

Die Eurokrise hat den Bondmarkt zwar gehörig durcheinandergewirbelt, lukrative Nischen finden sich jedoch nach wie vor. Vor allem die asiatischen Schwellenländer bieten interessante Chancen.


Wer sich für den Kauf einer Anleihe entscheidet, sucht in der Regel nach Sicherheit und verlässlichen Erträgen. Zwar sind die Rentenmärkte weniger volatil als das ständig schwankende Aktiengeschäft – die anhaltende Schulden- und Eurokrise hat aber auch in den eher konservativen Rentenmarkt Bewegung gebracht. Wie unterschiedlich sich die Märkte derzeit darstellen und wie stark die Kurse teilweise unter Druck stehen, zeigt ein Blick auf die Euro-Länder.

Erstes Beispiel: Italien. Goldman Sachs, eine der mächtigsten Banken der Welt, hatte ihr Volumen an Italien-Anleihen noch zu Beginn dieses Jahres kräftig ausgebaut. Doch Renditen von zuletzt um die sieben Prozent veranlassten die Banker zu einem radikalen Kurswechsel – denn solche Zinssätze deuten auf erhöhte Marktrisiken hin. Unterm Strich reduzierte Goldman Sachs den Bestand an italienischen Staatsanleihen deshalb im zweiten Quartal 2012 um 92 Prozent. Als ähnlich riskant gelten die Länder Spanien, Irland, Portugal und – natürlich – Griechenland. Das Kreditrisiko, also das Risiko eines möglichen Zahlungsausfalls des Emittenten, stieg in diesen Ländern insgesamt von 2,52 Milliarden Dollar Ende März auf 3,35 Milliarden im Juni an, vor allem Spanien hat an Kreditwürdigkeit verloren. Die Folge: Ausländische Investoren halten sich von solchen Bonds fern. Stattdessen werden spanische und italienische Anleihen zurzeit in erster Linie von den dort ansässigen Banken gekauft – finanziert mit billigem Geld von der EZB. Zwar konnte der klar ausgesprochene Euro-Rettungskurs von EZB-Präsident Mario Draghi die Renditehöhenflüge in den Peripheriestaaten etwas abmildern, das Zinsniveau ist dennoch überhitzt.

Genau das Gegenteil ist hierzulande der Fall. Bundesanleihen stehen hoch in der Gunst der Anleger, Deutschland kann sich vor Investoren kaum retten. Denn das Investitionsumfeld gilt trotz Konjunktureintrübungen immer noch als äußerst stabil. Die Spitzenbonitätsnoten haben jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie schaffen ein Niedrigzinsniveau, das sich kaum noch rechnet. Mittlerweile fangen Bundeswertpapiere nicht einmal mehr den Kaufkraftverlust auf. Und es geht noch kurioser: Jüngst konnte eine zweijährige Bundesanleihe mit negativer Nominalrendite platziert werden. Das heißt, dass Deutschland zwei Jahre lang mit Zinsen für aufgenommene Kredite belohnt wird, anstatt selbst Zinsen bezahlen zu müssen. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Österreich, Finnland oder auch in den Niederlanden: Die Renditen von zweijährigen Anleihen sind unter null gesunken, der Ertrag schrumpfte von 2,9 Prozent in den vergangenen fünf Jahren auf 1,4 Prozent. Professionelle Vermögensverwalter schauen sich deshalb bereits nach ertragreicheren Alternativen zu den beliebten Bonds um. Große Pensionsfonds etwa diversifizieren ihr Portfolio mit Immobilieninvestments oder Infrastrukturprojekten. Staatsanleihen werden hier allerdings weiterhin die Hauptrolle spielen, denn: „Sicherheit ist in diesem Umfeld wichtiger als Gewinnmaximierung, da man kein Geld verlieren will“, heißt es etwa bei der London Pensions Fund Authority.

Europa zwischen Schuldenkrise und Niedrigzinsen - und die USA?
Die europäischen Anleihenmärkte stellen sich also zweigeteilt dar. Einerseits versuchen sich die Schuldenstaaten mit hochverzinsten Anleihen das so dringend benötigte Kapital zu beschaffen, auf der anderen Seite gibt es die vielbeschworenen „sicheren Häfen“, in denen das Zinsniveau jedoch kaum mehr für den reinen Kapitalerhalt ausreicht. Und in den USA? Der US-Rentenmarkt ist immerhin das weltweit größte Kapitalmarktsegment, hier versorgt sich die Weltmacht mit Liquidität. Probleme hat sie damit zurzeit nicht – US-Wertpapiere sind gefragt wie nie. Und das, obwohl das Zinsniveau bei US-Anleihen ähnlich wie in den starken Euroländern alles andere als animierend ist. Die Rendite zehnjähriger Treasuries lag Ende Juli mit 1,379 Prozent sogar auf Rekordtief. Auch die Wirtschaftsdaten dürften keinen Investitionsanreiz auslösen, da sich die aktuelle Lage allenfalls als „durchwachsen“ beschreiben ließe. Industrieproduktion und Immobiliensektor liefern zwar insgesamt recht zuversichtliche Zahlen, am Arbeitsmarkt und im Einzelhandel ist die Stimmung jedoch eher verhalten. Schleppende Ökonomie, hohe Verschuldung, die vor einem Jahr herabgestufte Bonitätsnote – und doch kann sich die US-Regierung problemlos mit günstigem Anlegerkapital eindecken.

Asien-Anleihen bieten Chancen
Hintergrund für die vermehrte Nachfrage nach US-Bonds dürfte neben der anhaltenden Staatsschuldenkrise in Europa auch die Konjunkturabkühlung in China sein. Dort waren die Ausfuhren im Juli weniger stark gestiegen als erwartet, das Gros der Investoren zieht deshalb bewährte Anlageregionen vor. Denn Asien-Bonds gelten immer noch als exotisch. Dabei bieten gerade fernöstliche Länder und Unternehmen gute Zinsen und auch die Bonitätsbewertungen haben dazu gewonnen: Seit 2003 stufte Standard & Poor’s sechs von zwölf asiatischen Staaten nach oben. Dies zeigt, dass Länder wie Indonesien, die Philippinen, Malaysia oder Taiwan ihre Hausaufgaben gemacht haben. Der wirtschaftliche (Wieder-)Aufschwung wurde konsequent zum Schuldenabbau genutzt und auch die Abhängigkeit von Fremdwährungen konnte erfolgreich reduziert werden. Seit dem Jahr 2000, nach den damals starken Exporteinbrüchen, wurde ein Anleihenmarkt in lokalen Währungen etabliert, der mittlerweile über fünf Billionen Euro umfasst und die Kapitalbasis der jeweiligen Länder stärkt. Auch zahlreiche bonitätsstarke asiatische Unternehmen leihen sich mittlerweile Geld in Form von Rentenpapieren. Doch Namen wie ICBC, Petro China, Sinopec oder Hon Hai sind hierzulande kaum bekannt. Hohe Wachstumsraten, robuster Binnenkonsum und ein geringer Verschuldungsgrad schaffen interessante Investitionsumfelder – die sich anders als in Deutschland oder in den USA auch wirklich lohnen: Asiatische Staatsanleihen werden im Durchschnitt mit 4,2 Prozent im Jahr verzinst, hochwertige Unternehmensanleihen bringen es sogar auf 5,8 Prozent Zinsen. In den sieben führenden Industrienationen (G7-Staaten) müssen sich Anleger dagegen mit 2,4 bzw. 3,5 Prozent Verzinsung zufrieden geben. Wer bereits Anfang dieses Jahres in den asiatischen Markt eingestiegen ist, konnte sich zusammen mit Währungsgewinnen attraktive zweistellige Renditen sichern. Dass Asien-Bonds immer noch als „Geheimtipp“ gelten liegt auch daran, dass Einzel-Anleihen in diesen Regionen für deutsche Privatanleger kaum zu bekommen sind. Zugang zu den neuen Märkten ist derzeit nur über Fonds möglich. Hier lassen sich grundsätzlich Hart- und Lokalwährungsanleihen unterscheiden. Fonds, die in Hartwährungsbonds investieren, notieren in Euro, US-Dollar oder Yen, Fremdwährungsrisiken können also ausgeschlossen werden. Allerdings fällt im Gegenzug auch die Rendite etwas geringer aus. Beispiel: Mit einer indischen oder indonesischen Staatsanleihe in Euro kann man gut fünf Prozent Rendite erzielen. Notieren die Papiere dagegen in Rupiah bzw. Rupie, sind bis zu neun Prozent möglich. Zwar muss vor dem Hintergrund der Eurokrise auch bei Asien-Anleihen künftig mit stärkeren Kursschwankungen gerechnet werden – denn ein hoher Anteil des vor Ort investierten Kapitals stammt aus den westlichen Ländern – als Beimischung zum Portfolio könnten sich die zinsstarken Papiere jedoch lohnen.
20.08.2012,

Bei Fragen und Anregungen zu diesem Artikel schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an die redaktion@fondsdiscount.de oder rufen uns unter der Service-Nummer 030 2757764-00 an. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.


Ähnliche Artikel finden

» » » Aufsteiger aus Fernost - Ein Blick auf die Rentenmärkte


Mehr aus dem Bereich Märkte & Strategien

Robert Halver im Interview Robert Halver im Interview - „Die Notenbanken haben eine ganze Anlageklasse geklaut“ Für Kapitalmarktanalyst Robert Halver ist klar: Es wird weltweit nie wieder eine normale Geldpolitik geben. Warum Mario Draghi dennoch nicht der Schuldige ist, erklärt er im Interview an der mehr...

Börsenweisheiten Börsenweisheiten - Kennen Sie die Halloween-Strategie? Sollte man jetzt in den Aktienmarkt einsteigen? Thomas Hupp, Experte für saisonale Börsenanomalien, erklärt im Video-Interview die sogenannte Halloween-Strategie vor dem Hintergrund aktueller mehr...

Rentenfonds Rentenfonds - Was geschieht bei einer Zinswende? Mit der heutigen EZB-Sitzung könnte ein Ende der ultralockeren Geldpolitik eingeläutet werden. Dreht Draghi an der Zinsschraube, wäre dies erfreulich für klassische Sparer – für mehr...

Unser Newsletter

... informiert Sie über aktuelle Kapitalanlagen & Marktentwicklungen

Anzeige

Kontakt

Service-Telefon
täglich von 8 bis 22 Uhr

030 2757764-00

Wir rufen Sie gern zurück! Nutzen Sie unseren kostenlosen Rückrufservice.

E-Mail: info@fondsdiscount.de
social media