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Nach den Anschlägen Frankreich zeigt Stärke

Nach den Anschlägen Foto: © / Patrick Linden, Managing Director bei Rouvier Associés

Bei der französischen Investmentgesellschaft Rouvier Associés herrschen nach den Attentaten Trauer und Betroffenheit. Wir haben Managing Director Patrick Linden um ein kurzes Stimmungsbild und eine Einschätzung der ökonomischen Fakten gebeten.


FondsDISCOUNT.de: Herr Linden, Rouvier Associés wurde 1986 in Paris gegründet, Ihre Gesellschaft ist also bestens mit dem französischen Markt vertraut. Sie selbst kommen gerade von einer Dienstreise aus Paris zurück. Wie ist derzeit die Stimmung vor Ort und wie gehen Sie und Ihre Kollegen mit den Attentaten vom 13. November um?
Patrick Linden: Am vergangenen Wochenende war die Stimmung gespenstisch. Ich habe die Straßen von Paris nie so menschenleer erlebt. Die Betroffenheit der Menschen ist allgegenwärtig zu spüren. Allerdings ist der Franzose an sich ein stolzer und kämpferischer Volksmann, der sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Die Streit- und Demonstrationskultur der Franzosen ist uns allen wohlbekannt. Und daher blicken die Franzosen weiter nach vorne, wenngleich alle der Opfern gedenken. Die Restaurants und Bistros waren Montag und Dienstag Mittag nahezu gefüllt wie an anderen Tagen auch, aber natürlich gab es bei Tisch nur ein Thema über das diskutiert wurde.

Welche Folgen erwarten Sie für die Finanzmärkte durch die Terroranschläge? Bisher zeigten sich die Aktienmärkte erstaunlich robust…
Die französische Wirtschaft, allen voran der CAC40, zeichnen sich durch große, international agierende Firmen aus den Sektoren Luxus, Konsum, Industrie und Finanzen aus, die von lokalen Events wie den letzten Terroranschlägen nicht unmittelbar betroffen sind. Daher erwarte ich keinen unmittelbaren negativen Einfluss auf die grundlegenden positiven Chancen, die wir bei vielen Firmen in Europa und allen voran in Frankreich heute sehen können. Die Gewinnerwartungen französischer Firmen liegen für 2016 oberhalb derer für Firmen aus Deutschland oder Großbritannien. Aktuell und natürlich auch zukünftig leidet aber der Pariser Tourismus. Mein Hotel war bis Freitag voll ausgebucht. Am Samstag früh verzeichnete das Hotel 70 Prozent Zimmerstornierungen für das Wochenende und 40 Prozent für die restliche Woche. Sollten sich die Attentatsserien fortsetzen, wird diese Branche wohl leiden.

Dank günstigem Euro und billigen Öl-Preisen geht es den europäischen Unternehmen derzeit gut, auch der Binnenkonsum kommt wieder in Schwung. Wie sieht Ihre Prognose für die kommenden Monate aus?
Diese positiven Einfluss-Faktoren werden sich sogar noch weiter verstärken und die Gewinne der Unternehmen exponentiell steigern. Dieser Effekt hat gerade erst begonnen. Das Zinsdifferential zwischen USA und Europa wird zwangsweise zu einem weiteren Dollaranstieg führen, da institutionelle Investoren auf der Suche nach Rendite US-Bonds kaufen werden. Mit einem stärkeren US-Dollar werden Waren von europäischen Firmen in Zukunft noch günstiger auf den internationalen Handelsmärkten werden. Diese werden heute immer noch zu 80 Prozent in US-Dollar abgewickelt. Die Rohstoffpreise sehen wir bis auf Weiteres auf den günstigen Niveaus verharren, da ein neuer großer Nachfrager wie China in den Jahren von 2002 bis 2008 aktuell nicht in Sicht ist und zudem das Öl-Angebot größer ist als die Nachfrage nach Öl und neue Technologien sowie eine ökologische Orientierung einen Nachfrageanstieg zusätzlich bremsen. Für europäische Firmen heißt das in der Konsequenz: Höhere Exporte und Umsätze auf der einen Seite und gleichzeitig geringere Produktionskosten auf der anderen Seite und somit eine signifikante Margenerhöhung.

Mit Ihren Aktienfonds Rouvier Valeurs und Rouvier Europe bieten Sie renditeorientierten Anlegern Zugang zu erfolgreichen europäischen Unternehmen. Wie sieht die jeweilige Anlagestrategie der beiden Fonds aus, worauf legen Sie bei der Titelauswahl besonderen Wert?
Wir nennen unsere Aktienauswahl „Quality & Value Investing“. Das soll heißen: „Kaufe nur Qualität, aber noch wichtiger, achte auf den Preis!“ Ein relativ einfaches Prinzip, was aber einen gewissen Aufwand bedeutet, wenn sie als Investor einschätzen können wollen, ob ein Unternehmen nun günstig oder teuer an der Börse bewertet ist. Und vor allen Dingen wollen wir verstehen, wie die Wachstumsaussichten eines Unternehmens einzuschätzen sind, wenn es gerade günstig bewertet ist. Dafür muss es ja Gründe geben. Rouvier Valeurs zielt vor diesem Hintergrund darauf ab, eher einen vermögensverwaltenden, langfristig orientierten Ansatz zu verfolgen. D.h. wir reduzieren auch einmal die Aktienquote, wenn sich aktuell keinen lohnenden Investitionen finden. Derzeit haben wir z.B. eine Cash-Quote von 15 Prozent in Rouvier Valeurs und haben dennoch ein attraktives Performancepotenzial von 11 Prozent p.a. im Fonds.

Rouvier Europe zielt total auf Performance ab und geht dafür auf kurzfristig taktische Investitionen ein, aber immer mit Bedacht auf „Quality & Value“ und tendenziell voll investiert. Mit diesem Ansatz konnten wir seit November 2011, also in einem Krisen-Zeitraum in dem der Euro nachhaltig mehrfach bedroht war und niemand auf Europa gesetzt hat, eine Performance von +80 Prozent erzielen. Das entspricht einer jährlichen Performance von 15,8 Prozent. Aus heutiger Sicht haben wir strukturell immer noch ähnliche Performancepotenziale in den Fonds. Diese liegen aufgrund hoher Unterbewertung und starker Eigenkapitalrentabilität der ausgewählten Firmen derzeit bei ca. 14,5 Prozent p.a. für Rouvier Europe. Allerdings sollte man sich bewusst sein, und das gilt für beide Aktienfonds, dass dieses Performancepotenziale nur gegen Volatilitäten von ca. 10 bis 12 Prozent p.a. zu haben sind.

Herr Linden, vielen Dank für dieses Gespräch!
19.11.2015,

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