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China-Crash ‚Gefahr für globale Aktienmärkte unbegründet‘

China-Crash Foto: © / jamdesign / FotoliaWie sind die Entwicklungen in China einzuschätzen?

Wie sind die Marktentwicklungen in China zu bewerten? Matthew Sutherland, Kapitalmarktstratege bei Fidelity, zeichnet ein differenziertes Bild und warnt davor, die starken Schwankungen auf Schwächen der chinesischen Wirtschaft zurückzuführen.


Aufgrund massiver Einbrüche des chinesischen Leitindex CSI300 wurde der Aktienhandel in China bereits zweimal in der ersten Woche des neuen Jahres vorzeitig beendet. Denn Ende 2015 wurde die Regel eingeführt, den Aktienhandel für 15 Minuten auszusetzen, wenn der CSI 300 Index an einem Tag um mehr als fünf Prozent fällt. Wenn der Markt danach um weitere zwei Prozent fällt, wird der Handel für einen ganzen Tag ausgesetzt. Von diesen Turbulenzen wurde auch der deutsche Leitindex in Mitleidenschaft gezogen – Anleger reagierten entsprechend verunsichert. Doch was steckt hinter dieser Entwicklung? Ein Marktkommentar, der von der Investmentgesellschaft Fidelity veröffentlicht wurde, warnt vor Panikreaktionen.

„Von den Schwankungen an den chinesischen A-Aktienmärkten in Shanghai und Shenzhen geht ein Ansteckungseffekt für die globalen Aktienmärkte aus – obwohl das eigentlich unbegründet ist“, schreibt Matthew Sutherland, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International in Hongkong, in seinem Bericht. Denn, so seine Argumentation: Der A-Aktienmarkt sei im Wesentlichen ein innerchinesischer Markt, der von Privatanlegern genutzt werde. Daher würde er sehr stark von deren Stimmungen getrieben – und weniger von wirtschaftlichen Fundamentaldaten. Zur Erklärung: Der Begriff A-Aktien der Shanghai Stock Exchange oder der Shenzhen Stock Exchange bezieht sich auf Papiere von Unternehmen, die in Renminbi gehandelt werden. Sogenannte B-Aktien werden in ausländischen Währungen gehandelt.
Wie ist es nun aber um den chinesischen A-Aktienmarkt bestellt? Sutherland erklärt, dass sich hier bereits im ersten Halbjahr 2015 eine Blase gebildet habe, die vorrangig von der Erwartung auf Kapitalzuflüsse internationaler Investoren getrieben wurde. „Gegen Ende des Jahres ist bereits Luft aus dieser Blase gewichen. Allerdings haben staatliche Eingriffe verhindert, dass die Luft bereits komplett entweichen konnte“, so der Experte.

Die neu eingeführte Regel, den Handel bei bestimmten Verlusten zu beenden, sieht Sutherland kritisch. Denn diese Maßnahme habe den Effekt, die Marktschwankungen zu beschleunigen: Weil die Investoren nach einem kurzzeitigen Aussetzen befürchteten, dass der Markt bald für den ganzen Tag geschlossen wird, beeilten sie sich, ihre Positionen zu verkaufen. „Damit ist praktisch vorherbestimmt, dass der Markt auch die Sieben-Prozent-Marke reißt und dann für den Rest des Tages nicht mehr gehandelt werden kann. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die chinesische Regulierungsbehörde diese Regelung überdenkt“, erläutert der Kapitalmarktstratege.

Schwankungen nicht durch schwache Wirtschaftsdaten begründet
Einen Zusammenhang zwischen den Börsen-Turbulenzen und der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas will Sutherland nicht herstellen: „In der aktuellen Situation sollten Anleger und Kommentatoren einen Fehler vermeiden: Annehmen, dass die starken Schwankungen am chinesischen A-Aktienmarkt von einer neu erkannten Schwäche der chinesischen Wirtschaft getrieben ist. Denn das ist meiner Meinung nach nicht der Fall. Hat umgekehrt ernsthaft jemand geglaubt, dass die Kursverdopplung am A-Aktienmarkt im vergangenen Jahr auf einer entsprechend fantastischen Verbesserung der Fundamentaldaten der chinesischen Wirtschaft beruhte?“

Weiter erwartet Sutherland eine Angleichung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse chinesischer Indizes. Denn aus der Spekulationsblase am A-Aktienmarkt sei die Luft noch nicht vollständig entwichen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien des CSI300 Index liege momentan bei 11,3, wohingegen der Wert für das Offshore MSCI China-Universum bei 9,5 notiere – am Ende der Korrekturphase könnten sie gleichauf liegen.

Insgesamt bewertet der Kapitalmarktexperte das aktuelle Geschehen in der chinesischen Wirtschaft als „nicht dramatisch“ und differenziert: Es gäbe in der Tat einige schwache Branchen, wie etwa das produzierende Gewerbe, aber auch starke Sektoren wie Dienstleistungen und Einzelhandel, denn China befinde sich im Übergang zu einer stärker konsumorientierten Wirtschaft . In Asien gebe es rund 17.000 gelistete Unternehmen, mehr als in den USA und Europa zusammen. „Viele dieser Unternehmen sind künftige Stars und werden sich hervorragend entwickeln – unabhängig von der Markt- oder makroökonomischen Umgebung.“

Ein weiterer Aspekt, der in den vergangenen Tagen von Marktbeobachtern kritisch betrachtet wurde, ist der schwache Renminbi. Auch Sutherland schließt eine weitere Abwertung der chinesischen Währung nicht aus, „aber ich bin mir nicht sicher, ob sie von der Regierung ganz bewusst herbeigeführt wird. Ich denke, die Regierung bewegt sich klar in Richtung einer marktgehandelten Währung. Sie wird aber versuchen, die Hochs und Tiefs oder Spitzen, die von spekulativem Handeln verursacht werden, durch Marktinterventionen abzuschwächen. Und ich sehe tatsächlich keinen Grund, warum eine moderate Schwäche des Renminbi besonders gefährlich für die Volkswirtschaft oder den Markt sein sollte.“
Grundsätzlich sei es in der gegenwärtigen Situation sinnvoll, Aktienpositionen aufzubauen. Die Unsicherheiten am Aktienmarkt böten eine gute Kaufgelegenheit für langfristig orientierte Anleger. In den vergangenen beiden Wochen habe sich daran nichts geändert – außer, dass der Markt nun dazu bereit sei, Aktien zu einem weitaus niedrigeren Preis zu verkaufen, so Sutherland.

Zusammenfassung: Bei Fidelity werden die gegenwärtigen Entwicklungen als Einstiegskurse betrachtet – Anleger sollten die Kursrutsche des chinesischen Leitindex nicht mit der chinesischen Wirtschaft per se verwechseln. Insofern warnt der Fidelity-Kapitalmarktexperte vor „zu viel Dramatik“ bei den Beobachtern. Doch die Einschätzungen bezüglich China gehen derzeit weit auseinander. Börsenexperten wie zum Beispiel Dirk Müller bezeichnen China ganz deutlich als ein „Riesenproblem“. Die Frage sei nicht, ob, sondern vielmehr wann „uns der Laden um die Ohren fliegt“. Mehr hierzu erfahren Sie im Video-Interview mit Dirk Müller.
08.01.2016,

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