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Boom-Segment wird erwachsen Mittelstandsanleihen

Markt Foto: © Bim / istockphoto.com

Mittelstandsanleihen versprechen unkomplizierten Liquiditätsnachschub für Unternehmen und vorzeigbare Zinsen für die Anleger. Um diesen Erwartungen gerecht zu werden, muss sich das noch junge Segement allerdings professionalisieren.


Rund 254 Millionen Euro in zwei Stunden – die Platzierung der Valensina-Anleihe im April 2011 war rekordverdächtig. Zu den Käufern zählten insbesondere institutionelle Investoren und Vermögensberater, doch auch viele private Sparer ließen sich von einem jährlichen Zinssatz von 7,375 Prozent bei nur fünf Jahren Laufzeit anlocken. Nicht zuletzt dürfte der solide Ruf des Mönchengladbacher Fruchtsaftherstellers ausschlaggebend für das enorme Interesse gewesen sein: Ein geordneter Ausbau des erfolgreichen Marken- und Produktgeschäfts und die Erschließung neuer, chancenreicher Märkte im Ausland – das klingt überzeugend. Auch das Familienunternehmen Underberg konnte seine Anleihe innerhalb kürzester Zeit und fünffach überzeichnet in den Börsenhandel geben. Die Liste prominenter Markennamen ließe sich fortsetzen. Katjes, Air Berlin, Seidensticker oder Bastei-Lübbe: Immer mehr Mittelständler nutzen Schuldverschreibungen als Finanzierungsinstrument. Und der Markt ist noch jung. Das Handelssegment ist erst seit etwa zwei Jahren an den Börsen vertreten, bislang wurden insgesamt 52 Mittelstands-Bonds begeben.

Ausschlaggebend für den Anleihen-Boom aus dem deutschen Mittelstand dürften in erster Linie die mit dem Reformpaket Basel III verschärften Liquiditätsanforderungen für Banken sein. Insbesondere Mittelständler werden notwendige Investitionen künftig schwerer über klassische Bankkredite finanzieren können. Die Folge: Expansionspläne können nicht umgesetzt werden, die Produkt- und Markenentwicklung stagniert, wichtige Absatzmärkte und Wachstumschancen bleiben ungenutzt. Um die Kreditklemme zu umgehen, sind deshalb alternative Modelle gefragt. Die von der Börse Stuttgart in Auftrag gegebene Studie „Mittelstandsfinanzierung in Deutschland“ bestätigt diesen Trend. Demnach sind 83 Prozent der befragten Unternehmen der Meinung, dass Unternehmensanleihen künftig an Bedeutung gewinnen werden, rund 69 Prozent sehen darin einen entscheidenden ersten Schritt für eine stärkere Kapitalmarktorientierung mittelständischer Unternehmen. Für Familienunternehmen hat dieses Finanzierungsmodell zusätzlich den Vorteil, dass keine Änderung der Beteiligungsstruktur vorgenommen werden muss.

Risiken nicht unterschätzen
Das neue Finanzierungsvehikel scheint also allen zugute zu kommen: Unternehmen erhalten auf unkomplizierte Weise das so dringend benötigte Kapital, das Geld bleibt im eigenen Land und stützt den Mittelstand als wichtigen Wirtschafts- und Jobmotor, während hohe Zinskupons, überschaubare Laufzeiten und die mit Anleihen oft assoziierte Sicherheit privaten Anlegern attraktive Investment-Alternativen eröffnen. Doch am deutschen Anleihenhimmel ziehen erste Wolken auf. Bereits im März dieses Jahres musste der Windanlagenbauer Siag Insolvenz anmelden, im Juni folgte der Insolvenzantrag des Solarmodulherstellers Solarwatt. Die jeweils begebenen Mittelstandsanleihen wurden vom Handel ausgesetzt. Ob die Gläubiger des inzwischen ebenfalls zahlungsunfähigen Biogasanlagen-Betreibers BKN Biostrom noch bedient werden können, ist derzeit ebenfalls ungewiss. Weitere Unternehmen – vorwiegend aus dem Bereich der erneuerbaren Energien – mussten Einbrüche in den Anleihenkursen verzeichnen. Damit wird auch das mit Corporate Bonds verbundene Risikopotenzial deutlich – denn eine Mittelstandsanleihe ist immer nur so gut, wie das Unternehmen, das dahinter steht. Gerät der Emittent in finanzielle Schieflage, haben die Anleger das Nachsehen. Dass sich in diesem Handelssegment auch Unternehmen mit eher schwacher Bonität tummeln, ist unter anderem der großzügig gehandhabten Rating-Praxis geschuldet. Zwar müssen die Mittelständler ein Rating vorweisen, aus Kostengründen greifen viele jedoch auf die Dienste der Auskunftei Creditreform zurück. Zu laxe Bewertungsmaßstäbe können hier zu einer trügerischen Sicherheit führen. Sich auf bekannte Marken- oder Firmennamen zu verlassen, ist nach Ansicht von Experten kein hinreichendes Auswahlkriterium. Klaus Nieding von der DSW – Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. empfiehlt stattdessen, sich sorgfältig über die Geschäftszahlen der vergangenen Jahre zu informieren.

Anleger profitieren von mehr Transparenz
Höhere Standards in Sachen Transparenz und Verlässlichkeit werden inzwischen auch von den Börsen eingefordert. In München etwa wurde das im Vergleich zu allen anderen Börsen höchste Mindestrating BB+ eingeführt. Zusätzlich müssen sich die Emittenten jährlich auf einer Analystenveranstaltung präsentieren. Frankfurt schreibt dagegen vor, dass die Mittelständler ständig über ein Rating verfügen. Dadurch sollen Fälle wie beim insolventen Windanlagenhersteller Siag vermieden werden – das Rating wurde kurz nach der Emission aberkannt, ohne dass die Anleger darüber informiert wurden. Eine weitere Neuerung sieht vor, dass die Unternehmen Auskunft über das tatsächlich platzierte Volumen der Anleihen geben – dies kann unter anderem Hinweise auf die Handelbarkeit liefern – und regelmäßig ihre Verschuldungskennzahlen veröffentlichen. Weitere Börsenplätze ziehen mit verschärften Regeln und dem Ruf nach verlässlicheren Kennzahlen nach. Denn ihre Einnahmen hängen an stetigen Transaktionen, ein Einbruch des so vielversprechend gestarteten Segments wäre nicht gut fürs Geschäft. Aber auch die Anleger können von einer Professionalisierung des Marktes nur profitieren – denn höhere Maßstäbe und mehr Regulierung erhöhen die Qualität der auf dem Markt angebotenen Anleihen.

Fonds sorgen für breite Streuung und Risikoreduzierung
Kleinanlegern, denen das Risiko oder auch der erforderliche Analyse-Aufwand bei einer Einzel-Anleihe zu hoch ist, finden mittlerweile eine wachsende Palette an entsprechenden Fonds: Hier wird das Anlegerkapital breit gestreut und in verschiedene Anleihen investiert. Zwar ist die Gebührenbelastung bei einem Fonds etwas höher als bei einem Direkteinstieg, dafür sorgt die Diversifikation für eine Begrenzung der Ausfallrisiken und damit für mehr Sicherheit. Zudem ist die Auswahl solider Unternehmen einem professionellen Management überlassen. Fallstricke in den Produktprospekten, etwa vorzeitige Kündigungsrechte seitens des Emittenten, erkennt ein erfahrener Fondsmanager sofort. Ein weiteres Kriterium bei der professionellen Titelauswahl ist die Liquidität, denn Papiere, denen ein Wertverlust droht, sollten möglichst schnell abgestoßen werden können.

Fazit: Ob nun als direkte Schuldverschreibung oder in Form eines Investmentfonds: Der Mittelstand bietet gute, oft traditionsreiche Geschäftsmodelle, im Vergleich zu anonymen Großkonzernen viel Identifikationsfläche und nicht zuletzt auch ansehnliche Renditepotenziale. Wer sich hier engagieren möchte, kommt um eine sorgfältige Prüfung der Angebote jedoch nicht umhin – kühlen Rechnern bleiben (finanzielle) Enttäuschungen eher erspart.

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04.12.2012,

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