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Entspannter tanken Öl könnte bald billiger werden

Öl & Gas Foto: © FauxCaster / istockphoto.com

Teures Öl hat das Tanken wieder zu einem kostspieligen Vergnügen gemacht. Doch bald dürften die Preise nachgeben. Denn die Notierungen für das schwarze Gold passen nicht zur schwachen Weltkonjunktur.


Beim Preis von 2,05 Euro für den Liter Super 95 war die Schmerzgrenze erreicht: Für drei Monate senkte die französische Regierung unter dem Sozialisten Hollande die Benzinsteuer. Auch die Ölkonzerne erklärten sich bereit, „die Regierung bei ihrer Anstrengung zu unterstützen“. Das Ergebnis für die Autofahrer: Bis zu sechs Cent pro Liter können sie seitdem billiger tanken. Was Frankreichs linke Regierung ins Preisgeschehen eingreifen ließ, ist auch hierzulande ein Aufreger: Sprit ist teuer. Bei Preisen jenseits von 1,70 Euro für den Liter Superbenzin werden auch in Deutschland die Rufe nach staatlicher Deckelung laut. Doch keine Entwarnung für Autofahrer von staatlicher Seite: „Wir glauben nicht daran, dass eine Steuersenkung einen dauerhaft senkenden Effekt hätte“, entgegnete Regierungssprecher Steffen Seibert etwaigen Spekulationen. Selbst der ADAC hält nichts von Benzinpreissubventionen und sähe lieber eine Erhöhung der Pendlerpauschale. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Benzinpreis von selbst fallen wird. Der Ölmarkt wird aller Voraussicht nach in den kommenden Monaten für eine Entspannung an den Zapfsäulen sorgen. Er ist es, der in Kombination mit einem schwachen Euro die Preise für Benzin und Diesel nach oben trieb. Kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Mitte Juni noch weniger als 90 US-Dollar, bewegt sich der Preis derzeit um die 114 Dollar — ein Plus von fast 27 Prozent in nur drei Monaten. Warum stiegen die Ölnotierungen so kräftig?

Kurzzeitig knappes Nordseeöl
Den Preisanstieg, insbesondere bei der europäischen Sorte Brent, die für den deutschen Benzinpreis maßgeblich ist, führen die Rohstoffanalysten der Commerzbank auf vorübergehende Faktoren zurück. So beeinträchtigte im Sommer ein mehrwöchiger Streik in der norwegischen Ölindustrie das Angebot. Nachdem dieser Mitte Juli durch eine Intervention der Regierung beendet worden war, kündigten die Ölgesellschaften umfangreiche Wartungsarbeiten in mehreren Ölfeldern an. Unter anderem wird auch Buzzard, das größte Ölfeld Großbritanniens, gewartet, das eine entscheidende Rolle bei der Preisfindung für Brent-Öl spielt. Kurzum: Das Angebot von Nordseeöl ist in diesen Wochen knapper, als es normal zu dieser Jahreszeit der Fall wäre. Hinzu kommen die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die Sorgen um Lieferunterbrechungen nähren. Der Bürgerkrieg in Syrien hat einen größeren Konflikt wahrscheinlicher gemacht. Denn es mehren sich die Zeichen, dass der Iran den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nicht nur diplomatisch, sondern auch militärisch stützt. Das schürt Ängste in Israel, dem schärfsten Gegner des umstrittenen iranischen Atomprogramms. Der Iran treibt dieses unbeirrt voran. Alle Gespräche mit der Internationalen Atomenergiebehörde, die weiterhin Zugang zu Informationen und Anlagen fordert, verliefen bisher ergebnislos.

Zudem schüren verbale Attacken des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gegen Israel die Furcht vor einem militärischen Konflikt. Beim Ölpreis sorgen diese Ängste für eine erhöhte Risikoprämie. Für Frank Klumpp, Rohstoffanalyst der Landesbank Baden-Württemberg, ist ein möglicher militärischer Konflikt in den aktuellen Ölnotierungen nur zum Teil eingepreist. Er hofft jedoch, dass der Konflikt in den nächsten Monaten nicht eskaliert. „Wenn Israel einen Militärschlag durchführen will, müsste das Land dies ohne die Hilfe der USA tun. Denn im Umfeld der anstehenden Präsidentschaftswahlen dürfte Amerika nicht in einen weiteren Krieg ziehen“, so Klumpp. Im Hinblick auf das Ölembargo gegen den Iran geht der Analyst davon aus, dass „der Höhepunkt der Sanktionswirkung erreicht ist. Das Land hat mittlerweile Wege gefunden, um sein Öl an den Mann zu bringen.“ Unter anderem importiere Südkorea wieder iranisches Öl, nachdem Teheran die Versicherung der Tanker übernommen hat. Sicher, wenn es zum offenen Krieg zwischen dem Iran und Israel kommen sollte, schießt der Ölpreis durch die Decke. Aber ansonsten sind Streiks in Norwegen und Spannungen in Nahost Nachrichten, die den Ölpreis natürlich kurzfristig treiben. Es sind aber keine Faktoren, die die fundamentalen Kräfte von Nachfrage und Angebot aushebeln. Und hier sieht es für Autofahrer gut aus. „Auf dem Markt gibt es ein Überangebot an Öl“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Die Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) produzieren derzeit knapp 32 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Diese Menge übertrifft den täglichen Bedarf um rund eine Million Barrel. Aber auch Russland nutzt die hohen Preise und dreht den Ölhahn auf: So hat das Land im August mehr als zehn Millionen Barrel pro Tag gefördert und damit so viel wie noch nie seit dem Ende der Sowjetunion. Wie eine Angebotsausweitung wirkt, ist in den USA zu beobachten. Im Juli erreichte die Ölförderung dort den höchsten Stand seit 1999. Die Lager sind gut gefüllt. Und der Förderboom bei Schiefergas hat für eine andere günstige Energiequelle gesorgt. Die Folge: Die US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) wird rund 18 US-Dollar günstiger gehandelt als das europäische Brent.

Fragezeichen bei der Konjunktur
Doch nicht nur das Angebot der OPEC und aus Russland spricht für fallende Öl- und Benzinpreise. Es ist vor allem die Nachfrageseite, die bald für Entspannung an den Zapfsäulen sorgen dürfte. Denn weltweit stehen die Zeichen auf Konjunktureintrübung. Zum einen verliert die Wachstumslokomotive China an Dampf. Das bestätigten die am Montag veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für die Industrie. Bereits den zehnten Monat in Folge verharren sie unterhalb der wichtigen Schwelle von 50  Punkten, ab der Wachstum angezeigt wird. China ist der zweitgrößte Verbraucher von Rohöl — hinter den USA. Auch dort stottert der Konjunkturmotor. In Europa hat nun auch die Wachstumslokomotive Deutschland an Fahrt verloren. Wegen schlechterer Aussichten der Unternehmen ging das wichtigste Konjunkturbarometer, der Ifo-Index, im August bereits das vierte Mal in Folge zurück. In normalen Zeiten bremsen solche Anzeichen für weniger globales Wachstum den konjunktursensiblen Ölpreis. Doch wir sind eben nicht in normalen Zeiten. Als „paradoxe Situation“ beschreibt es Commerzbank-Analyst Fritsch: „Wir konnten zuletzt des Öfteren beobachten, dass der Ölpreis nach oben ging, obwohl schwache Konjunkturdaten veröffentlicht wurden. Denn diese nährten an den Märkten die Hoffnung, dass die Notenbanken bald wieder eingreifen.“ Zumindest die Europäische Zentralbank (EZB) tat dies am Donnerstag, als sie ein weiteres Anleihekaufprogramm ankündigte. In den USA äußerte sich Notenbankchef Ben Bernanke beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole vor einer Woche nicht dazu, ob und wann die US-Notenbank die Geldschleusen noch einmal öffnet. Die Möglichkeit dazu ließ er sich aber ganz klar offen.

Wenig Wirkung
Die bisherigen Geldspritzen haben neben den Aktienmärkten auch stets die Rohstoffmärkte steigen lassen. Dass der Ölpreis dank frischem Zentralbankgeld allerdings viel weiter steigt, ist unwahrscheinlich. Nicht nur LBBW-Analyst Frank Klumpp findet, dass „der Effekt von geldpolitischen Maßnahmen erlahmt“. Aus fundamentaler Sicht hält er einen Ölpreis von 100 Dollar für angemessen. Auch die Analysten der UBS sehen Korrekturbedarf. Als untere Handelsspanne für Brent-Öl geben sie einen Preis von 85 Dollar an. Auf dieses Niveau könnten die Notierungen für Brent-Öl bis Jahresende zurückgehen. Sollte die Eurokrise eskalieren oder China noch langsamer wachsen, werden die Analysten ihre Schätzungen schnell nach unten korrigieren. Davon würden zum einen Unternehmen profitieren, für die Öl oder Ölprodukte einen großen Kostenblock darstellen. Ein Chance für Anleger. Zum anderen würden sich natürlich Autofahrer freuen, wenn sie an der Zapfsäule nicht mehr ganz so tief ins Portemonnaie greifen müssten. Unglücklich wäre dagegen wohl Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici. Der müsste auf noch mehr Benzinsteuern verzichten.
14.09.2012,

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