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Windige Versprechungen? Prokon-Investment genau prüfen

Windkraft Foto: © PhotographyByMK / Fotolia.com

Ökologische Geldanlagen liegen im Trend. Windkraft-Spezialist Prokon gerät mit seinem Genussrechte-Konzept jedoch zunehmend in Kritik.


Als Postwurfsendung, auf Flyern und Plakaten, in der U-Bahn – die Werbung der Itzehoer Unternehmensgruppe Prokon ist omnipräsent und besticht durch eingängige Slogans und Illustrationen. Motto: Prokon ist anders, Prokon ist unabhängig, die Zeit ist reif für zukunftsorientierte und gleichzeitig sichere Kapitalanlagen. Anleger werden aufgefordert, Genussrechte an einer Prokon-Gesellschaft zu zeichnen, welche dafür Kredite an andere Unternehmen der Gruppe vergibt. Aus den Zinsen dieser Kredite werden die Genussrechte-Inhaber bedient. Der innovative Auftritt, der Verweis auf Transparenz und die Nachhaltigkeit eines solchen Investments scheinen zu überzeugen. Die Prokon-Firmen weisen ihr operatives Betriebsergebnis mit 83,1 Millionen Euro für 2011 aus, rund 50.000 Anleger haben bereits mehr als 860 Millionen Euro investiert. Was viele Sparer jedoch nicht bedenken: Genussscheine sind eine riskante Form der Geldanlage. Entscheidend für die Ausschüttung ist der wirtschaftliche Erfolg der Windkraft-Projekte sowie die Entwicklung des Unternehmens selbst – und dies kann eben nicht mit Sicherheit vorhergesehen werden. Die Verzinsung kann daher niedriger als prospektiert ausfallen. Im ungünstigsten Fall droht dem Anleger der Totalverlust. Doch davon ist in den großzügig verteilten Werbemitteln nichts zu lesen. Die einseitig positive Darstellung der Windkraft-Investments wurde bereits mehrfach von Verbraucherzentralen und Branchenkennern angemahnt – die Zeitschrift „Finanztest“ setzte Prokon aufgrund „unseriöser und irreführender Werbeaussagen“ letztes Jahr auf ihre Warnliste.

Interne Geschäfte statt Stromproduktion
Michael Olbrich, Professor am Institut für Wirtschaftsprüfung der Universität des Saarlandes, geht sogar einen deutlichen Schritt weiter und kommt in einem vom Finanzmagazin „Capital“ in Auftrag gegebenen Gutachten zum Geschäftsbericht 2010 der Prokon-Gruppe zu der Aussage, er hege „Zweifel, dass es sich bei der Prokon um ein seriöses Unternehmen handelt.“ Seines Erachtens gelänge es Prokon nicht, nachzuweisen, dass die Verzinsung des Genussrechtekapitals in Höhe von derzeit acht Prozent operativ erwirtschaftet werde. Im Klartext: Die derzeit 38 Windparks und die Herstellung von Biokraftstoff könnten gar nicht so viel abwerfen – und doch würden den Genussrechte-Inhabern bislang pünktlich ihre Zinsen gezahlt. Prokon erklärte zu den Vorwürfen in einer Stellungnahme, dass eine solche Betrachtung falsch sei, würden unter dem Begriff „operativ“ nur „die reinen Erträge aus dem Stromverkauf“ verstanden. Stattdessen ist es bei Prokon Usus, dass fertiggestellte Windparks von der Prokon Energiesysteme GmbH an die Prokon Wind GmbH veräußert werden. Mit dem investierten Anlegergeld werden also Windanlagen gebaut und intern verkauft, um diese mit Wertsteigerung gegenüber den reinen Herstellungskosten bilanzieren zu können. Damit lassen sich Gewinne realisieren, bevor sich der Rotor auch nur einmal bewegt hat. Die Überschüsse des Unternehmens können durch diese Praxis um ein Vielfaches gesteigert werden. Wie die Online-Ausgabe der Financial Times Deutschland recherchierte, wurden beispielsweise für den Wind-Bereich im Jahr 2010 rund 54 Millionen Euro Überschuss ausgewiesen. Vor Einbeziehung der „außerordentlichen Posten“ waren es gerade einmal 1,8 Millionen Euro – dennoch musste dieser Geschäftsbereich 37 Millionen Euro an die Genussrechtegesellschaft bezahlen. Nachhaltige Geschäftsmodelle sehen nach Ansicht von Finanzexperten anders aus. Anleger, die sich für ein Engagement im Bereich Windkraft interessieren, sollten daher die im Haupt-Prospekt ausgewiesenen Risikohinweise genau prüfen – ein Investment auf Basis bunter Werbeversprechen ist nicht empfehlenswert.
28.06.2012,

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