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Gastbeitrag Dirk Müller über das nahende Ende der EZB-Zinspolitik

Ein Euro-Denkmal steht vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt Foto: © / JFL Photography /FotoliaWie lange kann die EZB die steigende Inflation noch ignorieren?

Die Inflation zieht an. Mario Draghi wird diese Entwicklung nicht mehr lange ignorieren können. Eine Änderung der EZB-Zinspolitik in absehbarer Zeit ist wahrscheinlich. Bis dahin können sich die Südstaaten der Eurozone weiter freuen und verschulden.


An den Märkten ist nach der Aufwärtsbewegung der letzten Wochen ein wenig Beruhigung eingekehrt. Genau die tut auch gut und ist gesund. Die Unterstützungen im DAX sind derzeit eng gestaffelt: 11.640 und 11.400 Punkte sind wichtige Marken. Unter 11.200 Punkte sollte der deutsche Leitindex nicht mehr fallen, da ansonsten deutlichere Abgaben zu erwarten wären. Danach sieht es aber momentan nicht aus. Wirtschaftsdaten und Unternehmenszahlen waren in dieser Woche überwiegend positiv und zum Teil deutlich besser als erwartet. Entsprechend zuversichtlich ist auch die Stimmung an den Märkten. Nach oben ist der Bereich zwischen 11.800 und 11.900 Punkten ein markanter Widerstand. Darüber wären 12.400 Punkte – das Allzeithoch – das mittelfristig nächste Ziel.

Alles in allem bleibt es bei der schon formulierten groben Prognose: Einer deutlichen Aufwärtsbewegung im Frühjahr und bis in den Sommer hinein könnte eine markante und länger anhaltende Abwärtsphase im Zuge eines Endes der großen Aufwärtsbewegung seit 2009 folgen. Leider sehen das derzeit viele Analysten ähnlich, was es schon wieder unwahrscheinlich werden lässt.

Inflation zieht an: Was macht die EZB?
Die Januar-Inflation zieht in der Eurozone mit 1,8 Prozent deutlich an. Mario Draghi will das alles gar nicht wirklich ernst nehmen. Ich glaube aber, dass man sich recht bald auf eine Änderung der EZB-Zinspolitik einstellen muss. Zumindest das Wording sollte zeitnah ein anderes werden. Viele fordern eine Reaktion der EZB auf die anziehende Teuerung in Form steigender Zinsen oder wenigstens eines Zurückfahrens der Anleiheaufkäufe. Es bleibt abzuwarten, wie lange sich der EZB-Rat diesen Gegebenheiten noch widersetzen kann. Solange freuen sich die Südstaaten der Eurozone. Denn dort sind die Probleme mitnichten gelöst, ganz im Gegenteil: Steigende Zinsen wären für die hoch verschuldeten Krisenländer pures Gift! Andererseits bräuchten Deutsche Banken dringend höhere Zinsen. Das ist eben das Problem mit einem Währungs- und Zinsraum, in dem man nicht auf die individuellen volkswirtschaftlichen Problemlagen reagieren kann!

Die Anleihekäufe der EZB, die ebenfalls dazu geführt haben, dass es keine notwendigen Anpassungen zwischen den einzelnen Eurostaaten gegeben hat und stattdessen das Motto „Einheitssoße“ regiert, nehmen ein immer größeres Volumen in der Notenbankbilanz ein. Dies wird auch im Segment der Unternehmensanleihen deutlich: Allein in diesem Bereich hat die EZB inzwischen über 58 Milliarden Euro an Bonds von großen (und durchaus auch großartigen) Unternehmen in ihre Bücher genommen. Diese Firmen hätten aber auch sonst keine Probleme gehabt, Geld aufzunehmen. Dieses Kapital bekommen die Unternehmen nun zu Spottpreisen. Somit hat die EZB inzwischen über zehn Prozent aller Unternehmensanleihen in der Eurozone aufgekauft. In vorderster Linie stehen hierbei übrigens Firmen aus Frankreich und dann Deutschland – so, als ob deutsche Unternehmen Probleme hätten, Geld aufzunehmen! –, gefolgt von Firmen aus Italien und Spanien.

Insgesamt beläuft sich die EZB-Bilanzsumme inzwischen auf 3,7 Billionen Euro oder gut 36 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone – herzlichen Glückwunsch! Dies bedeutet auch eine extreme Verzerrung der Märkte hin zu einem monopolistischen System, wenn nämlich die großen Unternehmen, die ohnehin schon enorme Vorteile aufgrund ihrer Größe und ihrer guten Kapitalausstattung haben und jetzt das Geld noch billiger von der EZB bekommen. Kleine oder mittelständische Unternehmen müssen unterdessen ihr Geld zu deutlich höheren Zinsen von ihrer Hausbank aufnehmen. Denn dort befindet sich ja ein Risiko, das die EZB bei den großen Unternehmen komplett ausschließt... Das macht Wirtschaften für die Kleinen noch schwieriger. Von daher werden wir eine immer stärkere Konzentration von Wirtschaftsmacht auf einige wenige Superkonzerne sehen während der Mittelstand entsprechend darunter leidet. Das scheint auch im internationalen Maßstab so gewollt zu sein.

Italiens Großbank UniCredit mit Milliardenverlust
Die italienische Großbank UniCredit erwartet einen Verlust von rund zwölf Milliarden Euro. Das nennt man dann wohl „Einmaleffekte“. Komischerweise kommen die gerade in dieser Region fast jedes Jahr vor... Die Bank braucht also richtig viel Geld. Deshalb steht auch eine große Kapitalerhöhung an. Auch von der deutschen Tochter HypoVereinsbank (HVB) will man noch Geld zusammenkratzen. Schauen wir mal, wie lange das mit Italiens Bankensystem noch gut gehen kann. Dies gilt vor allem dann, wenn wir in den nächsten ein bis zwei Jahren in die nächste Rezession kommen sollten. Italiens Banken haben jetzt schon das Wasser bis zur Kinnlade stehen. Wie sich eine Rezession – die ja vollkommen normal und üblich ist – auf die Wirtschaft und das Finanzsystem Italiens und auch anderer Krisenländer durchschlägt, gefolgt von immensen neuen Rettungsplänen seitens EZB & Co., kann sich jeder ausmalen. Wir dürfen uns schon einmal auf ein solches Szenario vorbereiten...

Donald Trump trifft sich mit US-Pharmaindustrie
Der neue US-Präsident hatte vor ein paar Tagen ein Gespräch mit Repräsentanten amerikanischer Pharmakonzerne. Das ist nicht zuletzt auch für den Dirk Müller Premium Aktien Fonds (ISIN: DE000A111ZF1) ein durchaus brisantes Thema, da dieser einige US-Pharmatitel enthält. Es bestand zuletzt die Sorge, dass die neue US-Administration sehr auf die Preisschraube nach unten drücken und die Preise für Medikamente in den USA gesetzlich festlegen würde. Nach diesem letzten Gespräch sieht es doch etwas anders aus. Preisdeckelungen waren wohl kein Thema mehr. Im Gegenteil: Die US-Pharmakonzerne dürfen sich auf Steuersenkungen und beschleunigte Zulassungen freuen. Sicherlich werden die Firmen aber auch Zugeständnisse machen müssen, auch bei den Preisen. Der große Horror, der in den vergangenen Wochen durch die Märkte schwappte und der gerade auch die Pharmawerte gedrückt hat, sollte nun vom Tisch sein. Dementsprechend kamen die Aktien der Branche auch wieder aus der Kabine.

Ihr
Dirk Müller

03.02.2017,

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