Service-Telefon täglich von 8 bis 22 Uhr:   030 2757764-00

Suche: WKN/ISIN, Beteiligungen, Gesellschaften

Gastkommentar Dirk Müller über Portugal und die neuen Sorgen der Eurozone

Ein Farbroller malt eine portugiesische Flagge Foto: © / corund / FotoliaPortugal verpasst seinem Haushalt mit einer geschickten Umschuldung einen neuen Anstrich.

In Deutschland erleben wir einen starken Boom, in Griechenland, Spanien oder Italien läuft es hingegen grottig. Vor allem der Jubel über Portugals vorzeitige Rückzahlungen an den IWF kommt verfrüht – das Land hat sich nur geschickt umgeschuldet.


Der DAX erklomm in dieser Woche zumindest kurzzeitig die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten. Eine runde Zahl ist an der Börse immer gerne gesehen. 400 Punkte trennen uns noch vom Allzeithoch. Das ist also kein allzu weiter Weg mehr. Unterstützung bietet jetzt das, was in den letzten Tagen als Widerstand galt: 11.850 Punkte. Wir bleiben weiterhin im positiven Börsen-Modus und das ändert sich erst unterhalb von 11.400 Punkten.

Euro leidet unter wiederaufgeflammten Sorgen
Die Sorgen um die Eurozone werden wieder gespielt und drücken den Wert des Euro erneut nach unten. Genannt seien unter anderem die Griechenlandverschuldung, wo nicht klar ist, wie es mit den Anschlusskrediten ab Juni weitergeht, die Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich oder die immense Staatsverschuldung in Italien. Eigentlich alles keine neuen Erkenntnisse, die „plötzlich“ eingepreist werden müssten. Dazu kommen Diskussionen um schnellere US-Zinsanhebungen in den nächsten Monaten als Folge der Trump-Politik. Die Themen sind hinlänglich bekannt, doch sie finden nun auch ihren Widerhall in den Kursen. Wenn alles für und über fallende Eurokurse spricht, sollte man sich schon mal auf das Gegenteil einstellen.

Konjunkturprognosen und harte Zahlen: EU ok, USA nun ja...
Die Konjunkturprognosen für die Europäische Union werden immer besser, während jene für die USA eher enttäuschen. Das, was man angesichts der Ansagen von Donald Trump für die USA in den letzten Monaten erwartet hatte, sollte eigentlich zu mehr Optimismus Anlass geben. Tatsächlich gehen die Prognosen nun eher zurück, die harten Zahlen ebenfalls.

Man könnte sogar erwarten, dass man eher in der EU über eine Verschärfung der Zinspolitik nachdenken sollte. Doch das ist in Europa sehr schwierig. Denn einerseits sehen wir einen starken Boom in Deutschland, andererseits läuft es in den schwachen Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien eben nach wie vor grottig. In der Eurozone gibt es aber nun einmal nur diese eine Zentralbank und diesen einen Zinssatz, der für alle gleichermaßen gilt. Würde man also das tun, was sinnvoll wäre, etwa für Deutschland, nämlich die Zinsen anzuheben, dann hätte das katastrophale Folgen für jene Länder, die nach wie vor nicht aus dem Quark kommen – und auch künftig nicht kommen werden. Das ist eben das große Problem einer Gemeinschaftswährung, eines gemeinschaftlichen Zinssatzes und einer gemeinschaftlichen Zentralbank. Aber damit werden wir wohl noch eine ganze Weile leben müssen...

Jubel über vorzeitige Kreditrückzahlung Portugals – wie so oft, zu früh
Über Portugal gab es bei dem einen oder anderen in den letzten Tagen große Freude. Das Krisenland zahlte einen Teil seiner IWF-Kredite vorzeitig zurück. So manch einer kam ins Jubeln und sagte „Mensch, seht mal, wie gut es in Portugal vorangeht!“. Ich würde das nicht ganz so unterschreiben. Denn tatsächlich liegt die Verschuldung Portugals inzwischen wieder bei mehr als 130 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die vorzeitige Rückzahlung von Krediten an den IWF hat auch einen ganz einfachen Hintergrund: Die Zinsen, die Portugal für die IWF-Kredite zahlen muss, sind deutlich höher als das, was das Land an Zinsen zahlen muss, wenn man sich momentan an den Märkten refinanzieren muss. Am Markt kann man sich billiger mit Krediten eindecken – eine geschickte Form der Umschuldung also. Ob man daraus eine „starke wirtschaftliche Entwicklung Portugals“ ablesen kann, bleibt am Ende jedem selbst überlassen.

US-Handelsbilanz: Wer hat an der Zahl gedreht...?
Die US-Regierung will die Berechnung des Handelsdefizits verändern. Ich finde es immer durchaus interessant und unterhaltsam, wenn man wieder einmal an Berechnungen drehen will, die über Jahrzehnte hinweg Bestand hatten. Denn in der Regel will man diese Statistiken zum eigenen Vorteil korrigieren, verfälschen oder wie auch immer Sie das nennen wollen. Worum geht es in diesem Fall? Man möchte jetzt die Waren, die in die USA importiert werden und die danach unverändert wieder exportiert werden, aus der Berechnung des Handelsdefizits herausnehmen. Das könnte man sogar noch nachvollziehen, wenn man sowohl diese Importe als auch die entsprechenden Exporte nicht mit in diese Berechnung einbezieht – ein Nullsummenspiel auf Basis realer Zahlen. Doch tatsächlich möchte man nur die Exporte aus den USA herausrechnen. Das bedeutet, dass dann, wenn Waren in die USA importiert werden, diese voll gezählt werden. Wenn sie im Anschluss daran sofort wieder exportiert werden, soll das nun nicht mehr mitgezählt werden. Dieses Prozedere verfälscht natürlich die Daten massiv, aber in diesem Falle ganz im Sinne der Trump-Regierung, die dann behaupten kann: „Schaut mal, wie viel wir importieren und wie wenig wir im Gegenzug exportierten!“ Das wird, ganz klar, die politische Argumentation Donald Trumps vereinfachen, ist aber ein ganz übler Taschenspielertrick – und nicht mehr!

Ihr
Dirk Müller
24.02.2017,

Bei Fragen und Anregungen zu diesem Artikel schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an die redaktion@fondsdiscount.de oder rufen uns unter der Service-Nummer 030 2757764-00 an. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Produkte zu diesem Thema

Dirk Müller Premium Aktien R von WARBURG INVEST KAPITALANLAGEGESELLSCHAFT MBH

Alle Anlagen an Wertpapierbörsen sind mit Risiken verbunden:

  • Die Wertentwicklung eines Fonds wird maßgeblich von der Wertentwicklung der Anlagewerte bestimmt. Daraus ergibt sich das Risiko von finanziellen Verlusten wenn sich Marktpreise von bestimmten Werten ändern.
  • Das Risiko des Fondsmanagements besteht darin, dass der Fondsmanager Entscheidungen trifft, die eventuell nicht den Zielvorstellungen der Anleger entsprechen, oder die dazu führen, dass sich der Fonds negativ entwickelt.
  • Von den angelegten Beträgen gehen Kosten für die Fondsverwaltung usw. ab. Das kann dazu führen, dass sich Fonds im Vergleich zur direkten Anlage, z.B. in Aktien, nicht proportional entwickeln.
  • Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Erträge. Wer Ranglisten und Statistiken als Entscheidungsgrundlage für eine bestimmte Fondsanlage nutzen will, sollte auf die Voraussetzungen achten, unter denen derartige Rang- und Bestenlisten erstellt wurden.
  • Je nach Fondsart, Ausrichtung und Fondskonstruktion ergeben sich spezielle Risiken für den Anleger, z.B. Verluste durch Währungsschwankungen. Weitere Details entnehmen Sie bitte dem Verkaufsprospekt.

Ähnliche Artikel finden

» » » » Gastkommentar - Dirk Müller über Portugal und die neuen Sorgen der Eurozone


Mehr aus dem Bereich Aktienfonds

Neuer Allianz-Fonds Neuer Allianz-Fonds - Künstliche Intelligenz erobert Aktienfonds und die Börse Mit dem Global Artificial Intelligence startet AllianzGI den europaweit ersten Aktienfonds mit Fokus auf Unternehmen, die sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen. KI kommt in vielen Bereichen mehr...

Kennzahlen-Vergleich Kennzahlen-Vergleich - Wie finde ich den besten Europa-Fonds? Die Analyse der Performance, Volatilität und Sharpe Ratio hilft bei der schnellen Vorauswahl der besten Fonds in Europa. Eine Entscheidung sollte jedoch erst nach Betrachtung der Fondskosten und der mehr...

Chancen in Europa nutzen Chancen in Europa nutzen - Mandelbrot A.M legt neuen Momentum Fonds auf Die Münchner Fondsboutique Mandelbrot Asset Management geht mit einer regelbasierten Long-Only-Strategie auf europäische Aktien an den Start. Der neue Fonds setzt auf eine Trendanalyse und investiert mehr...

Unser Newsletter

... informiert Sie über aktuelle Kapitalanlagen & Marktentwicklungen
social media