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Ankauf von Unternehmensanleihen EZB zwingt Anleger ins Risiko

Ankauf von Unternehmensanleihen Foto: © / owenmeany / FotoliaDie Europäische Zentralbank stellt Sparer vor Herausforderungen

Seit ein paar Tagen kauft die EZB nun auch Unternehmensanleihen in der Eurozone, Ziel ist die Preisstabilität zu stützen – doch diese Maßnahme verzerrt die Preisbildung an den Rentenmärkten noch mehr. Was bedeutet dies für Anleger?


Es ist paradox: Wer jetzt in zehnjährige Bundesanleihen investiert, bekommt keine Rendite mehr, sondern bezahlt sogar dafür, dass der Staat weitere Schulden machen kann – erstmals fielen die Renditen für die einst so beliebten Papiere nun in den negativen Bereich. Als eine der letzten Bastionen für eher sicherheitsorientierte Anleger galten alternativ Anleihen, die von Unternehmen ausgegeben werden. Doch auch hier macht die Europäische Zentralbank nun einen Strich durch die Rechnung: Am 8. Juni startete die EZB mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen. Schätzungen zufolge könnte sich die Summe für das sogenannte „Corporate Sector Purchase Programme“ bis März 2017 auf gigantische 100 Milliarden Euro belaufen.

Welches Ziel verfolgt die EZB mit diesem Programm?
Die Europäische Zentralbank will mit diesem Schritt die Preisstabilität in der Eurozone stützen, angestrebt wird eine Inflationsquote von zwei Prozent. Billiges Geld soll die Wirtschaft in Europa ankurbeln. Durch den Kauf von Unternehmensanleihen sollen die Zinsen der Papiere gedrückt werden. Hierdurch sollen sich die Kreditkonditionen der Unternehmen verbessern, was wiederum – so die Absicht – Investitionen anregen und die Konjunktur ankurbeln sollen.

Welche Papiere kauft die EZB?
Die Zentralbank wird Anleihen von Unternehmen mit guter Bonitätsbewertung (Investment-Grade-Anleihen) und Sitz in der Eurozone kaufen. Die Papiere müssen Restlaufzeiten von sechs Monaten bis 30 Jahren haben, die Rendite soll über dem EZB-Einlagezins von gegenwärtig minus 0,4 Prozent liegen und die Währung muss in Euro lauten. Dabei wird die EZB Titel aus verschiedensten Branchen aufkaufen, Bankanleihen sind hingegen ausgeschlossen. Ab dem 18. Juli 2016 will die Zentralbank regelmäßige Listen über den aktuellen Anleihenbestand veröffentlichen.

Was bedeutet diese Maßnahme für Anleger?
Wenn die EZB den bis dahin noch attraktiven Markt für Unternehmensanleihen leerkauft, verlieren Sparer damit eine weitere Anlagemöglichkeit – sie sind nun gezwungen, mehr ins Risiko zu gehen und sich am Aktienmarkt zu engagieren. Dieser Effekt ist von der EZB durchaus gewollt, das Zitat von EZB-Präsident Mario Draghi dürfte vielen Finanzinteressierten noch im Ohr sein: „Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten“,sagte Draghi vor Kurzem im Hinblick auf den von ihm eingeschlagenen Weg der Nullzinspolitik.

Welche Folgen für den Rentenmarkt sind zu erwarten?
Wenn die EZB nun als neuer großer Player im Rentenmarkt auftritt, dürften die Kurse und Renditen künftig kaum noch die fundamentalen Daten der Unternehmen widerspiegeln. Marktbeobachter erwarten sogar Verzerrungen bei Segmenten wie Hochzinsanleihen – auf die viele Anleger bei der Suche nach regelmäßigen Erträgen ausweichen dürften – und sogar bei Aktien. Für Unternehmen hingegen könnte das Ankaufprogramm Anlass sein, künftig vermehrt Bonds auszugeben Experten wie etwa Arthur Brunner, Anleiheexperte bei der ICF Bank (siehe Video), gehen demzufolge von einer erhöhten Emissionstätigkeit aus.

Mehr zu diesem Thema und den möglichen Folgen für Anleger und die Märkte erfahren Sie in diesem Video-Interview:

Bitte beachten Sie, dass das hier eingebundene Video vom Anbieter stammt. Die wallstreet:online capital AG hat die Richtigkeit der Angaben nicht überprüft und macht sich den Inhalt auch nicht zu Eigen. Bereitgestellt von: DER AKTIONÄR TV
15.06.2016,

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