FondsDISCOUNT.de: Herr Thaler, Sie managen den neu aufgelegten Aktienfonds Lloyd Fonds - European Hidden Champions (ISIN: DE000A2PB598) und sind dafür im Januar 2019 zur Lloyd Fonds AG gewechselt. Mit welchen Hoffnungen und Erwartungen sind Sie gekommen?


Maximilian Thaler: Zunächst einmal finde ich die Neuausrichtung bei Lloyd Fonds, mit dem Ziel, einen führenden Asset Manager in Deutschland zu etablieren, sehr spannend und bin von dem Team überzeugt. Der Wechsel ermöglicht mir, meine Fondsstrategie mit Fokus auf europäische Hidden Champions nach meinen Vorstellungen weiter zu entwickeln und zu optimieren. Hierbei ist neben wichtigen Strukturprozessen wie dem Screening und der Selektion auch die externe Infrastruktur ein entscheidender Faktor, um mir den bestmöglichen Zugang zum europäischen Mittelstand zu ermöglichen. Zudem spielt die aktive Komponente bei Lloyd eine tragende Rolle, die sich stark mit meiner eigenen Philosophie deckt: Ich investiere nicht nur passiv in eine Vielzahl von Unternehmen, sondern kann mich mit einem konzentrierten Portfolio aktiv beteiligen und auch gezielt von meinem Stimmrecht Gebrauch machen.


Zuvor waren Sie unter anderem viele Jahre bei der DJE Kapital AG und betreuten dort ein ähnliches Fondsprojekt. Setzen Sie beim European Hidden Champions auf die gleichen Anlageschwerpunkte?


Der Investmentansatz ist im Prinzip der gleiche, der darauf hinausläuft, marktführende mittelständische Unternehmen in attraktiven Nischen zu lokalisieren. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, den regionalen Anlageschwerpunkt nicht nur auf den deutschsprachigen Raum zu beschränken, sondern ihn auf andere europäische Länder auszuweiten. Wesentlich hierbei ist, dass sich viele dieser Hidden Champions außerhalb von Index-Listings und den einhergehenden ETF-Spektren (siehe Grafik) befinden. Hier ist vor allem der skandinavische Raum spannend, der nach dem deutschsprachigen Raum die höchste Dichte an solchen Unternehmen ausweist. Aufgrund der dortigen Aktienkultur nutzen diese den Kapitalmarkt oftmals in früherem Stadium zur Wachstumsfinanzierung und sind damit zugänglicher für Investoren. Das bietet mir eine attraktive Beteiligungschance und damit zusätzlichen Mehrwert für unsere Investoren.


Welchen Typ von Privatanleger möchten Sie mit diesem Aktienfonds ansprechen?


Ich bin davon überzeugt, dass der Fonds als Beimischung in jedes Portfolio gehört. Der Fonds spricht Anleger an, die über den Tellerrand hinausblicken und sich gerne mit neuen Technologien und Trends beschäftigen. Die Unternehmen im Fonds haben es häufig geschafft, sich dank ihrer Innovationskraft eine dominante Position innerhalb einer Nische zu erarbeiten und sind in der Regel hochprofitabel. Ich versuche, die aktuellen Themen der Gesellschaft für Investmentideen zu nutzen. Die Problematik des hohen Kunststoffverbrauchens und dessen Entsorgung ist ein momentanes Beispiel. Hier habe ich interessante Investmentideen bereits identifiziert und auch im Portfolio umgesetzt. Der Anleger sollte also Lust haben, etwas Besonderes zu kaufen – fernab von ETFs und Indexfonds.


Wo sehen Sie das Potenzial für Small und Mid Caps auf dem Kontinent?


M. Thaler: Ich sehe da vor allem drei Faktoren. Zum einen ist es die Wachstumsperspektive von mittelständischen Unternehmen. Neben dem strukturellen Wachstum der Nische können diese Unternehmen sehr stark Marktanteilsgewinne innerhalb ihrer Nische generieren. Zudem sind viele der Unternehmen gründer- oder familiengeführt, was in der Regel zu strategisch langfristigen Entscheidungen führt und wiederum von der Börse honoriert wird. Schließlich spielt die Informationsasymmetrie eine wesentliche Rolle, innerhalb derer ich konzentriert den aktiven Ansatz verfolge und einen engen Kontakt zu den Unternehmen pflege.


Wie gestaltet sich im Detail der Selektionsprozess? Auf welche Unternehmen schauen Sie besonders?


Entscheidend ist für mich das potentielle Gewinnwachstum des Unternehmens. Hierfür ist es wichtig, das Geschäftsmodell zu verstehen und die Marktpositionierung der Gesellschaft genau zu analysieren. Ich investieren gerne in Unternehmen, die aufgrund ihrer Innovationskraft immer wieder neue Wachstumspotentiale generieren. Innovation und Wachstum bedeuten in der Regel Investitionen. Um diese tätigen zu können, benötigen diese Unternehmen Investoren die bereit sind dies mit Kapital zu unterstützen. Wir sehen uns als Partner der Unternehmen, der bereit ist, diesen Weg zu begleiten.


Welche Rolle spielen geopolitische Faktoren wie Brexit, Handelskrieg oder Italiens Haushalt bei der Selektion?


Generell spielen diese Themen eher eine geringe Rolle. Ein Unternehmen bewerten wir auf der fundamentalen Ebene und schätzen ab, wie geschäftsbeeinträchtigend eine Entwicklung in verschiedenen Szenarien sein könnte. Der Fokus unseres Portfolios liegt auf strukturellen und in der Regel konjunkturunabhängigen Wachstumstreibern mit Schwerpunkt im Bereich Technologie, Industrie und Gesundheitswesen. Beispiele hierfür ist der Ausbau des Intralogistik-Infrastruktur durch die großen eCommerce Unternehmen, die Automatisierung in der Medizintechnik oder die Erneuerung der IT-Systeme innerhalb des Bankensektors. Nach meiner Einschätzung sind die marktführenden Unternehmen innerhalb dieser Endmärkte kaum von den oben genannten Faktoren betroffen.


Herr Thaler, können Sie uns zum Schluss Ihren Berufsalltag als Portfoliomanager kurz beschreiben?


Da die Unternehmen oftmals früh morgens ihre Nachrichten oder Ergebnismitteilungen publizieren, kommen wir als Team früh vor Markteröffnung zusammen, um diese News aufzuarbeiten und gegebenenfalls frühzeitig reagieren zu können.  Daneben nimmt der Kontakt zum Unternehmen den größten Stellenwert im Investmentprozess ein. Deshalb bin ich viel unterwegs, um die Unternehmen vor Ort zu besuchen oder im Zuge von Konferenzen zu treffen. Die Zeit dazwischen nutze ich für die fundamentale Aufarbeiten der Analysen und der Generierung neuer Anlageideen.


Herr Thaler, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 


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