Die Aktienmärkte spielen verrückt. Vor allem in den USA scheinen sich die Bewertungen einiger Titel komplett unabhängig von fundamentalen Daten zu entwickeln. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Aktien von Amazon nach der Verkündung eines Quartalsgewinns von 122 Prozent um neun Prozent in den Keller rutscht? – Die Erwartungen der Investoren sind vollkommen überzogen. Eine ähnliche Entwicklung gab es nachdem Apple am Mittwoch seine Quartalszahlen bekannt gegeben hatte. Der Quartalsbeginn betrug 17 Milliarden US-Dollar, die Aktie gab um 6,6 Prozent nach.

Anhand dieser Entwicklungen muss man sich die Frage stellen, was die fundamentalen Wirtschaftsdaten noch mit der Kursentwicklung der Wertpapiere einiger Unternehmen zu tun haben? Eine mögliche Antwort auf diese Frage liegt in der Marktmeinung, die sich wohl allmählich ändert. Investoren finden es im aktuellen Marktumfeld anscheinend attraktiver, ihre Gewinne aus Aktien wie Amazon, dessen Wert sich binnen eines Jahres verdoppelt hat, einfach mitzunehmen. Denn der schlechte Börsenstart lässt vermuten, dass das volatile Umfeld an den Finanzmärkten – angetrieben durch den schwachen Ölpreis – zumindest noch eine Weile anhalten wird.

Abschwung oder nur Wachstumspause?
„Zweifellos sind in diesem Umfeld die Risiken eines globalen Abschwungs gestiegen“, schreibt Edgar Walk, Chefvolkswirt des Metzler Asset Management in seinem Kapitalmarktausblick. Er geht allerdings davon aus, dass die Konjunkturdaten mehrheitlich für das Szenario einer Wachstumspause sprechen.

Der Fokus werde sich in der kommenden Woche auf die weltweiten Einkaufsmanagerindizes der Industrie richten, vor allem aber auf die Einkaufsmanagerindizes des Dienstleistungssektors. Bisher sei der Dienstleistungssektor weltweit solide gewachsen und blieb immun gegenüber der Schwäche der Industrie, so Walk. Darüber hinaus würden die Einkaufsmanagerindizes aus China die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine erneute Verschlechterung dürfte die chinesische Regierung unter Zugzwang bringen, ein größeres Konjunkturpaket aufzulegen.

Wenn die Konsumdaten und die Autoverkäufe im Dezember weiter angestiegen sind, könne das die US-Konjunktur zusätzlich stützen. Walk hält ein Wachstum von 2,0 Prozent für möglich. Beim Arbeitsmarkt ist der Ökonom hingegen nicht so optimistisch. Die Januardaten dürften enttäuschend ausfallen. „Grund dafür ist das starke Beschäftigungswachstum in den Vormonaten aufgrund der warmen Temperaturen, das im Januar einen Rückpralleffekt erwarten lässt“, so Walk.
In der Eurozone hingegen habe sich der Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr positiv entwickelt, der Rückgang der Arbeitslosenquote habe sich im Dezember vermutlich fortgesetzt. Auch die Auftragseingänge in Deutschland dürften sich mit einem Anstieg von etwa einem Prozent gegenüber dem Vormonat im Dezember verbessert haben.

Zentralbanken versuchen Finanzmärkte zu steuern

Nachdem das Zentralbanksystem der USA in dieser Woche von weiteren Zinsschritten Abstand genommen hat und Japan am Freitag die Zinsen in den negativen Bereich gesenkt hat, dürfte sich die Bank of England Walk zufolge in diesem von großer Unsicherheit geprägten Umfeld wahrscheinlich zurückhalten und jeden Hinweis auf eine etwaige Leitzinserhöhung vermeiden.

Insgesamt sprechen die Konjunkturdaten mehrheitlich für das Szenario einer Wachstumspause, zumal die chinesische Regierung immer noch genügend Spielraum hat, die Wirtschaft zu stimulieren. Die starke Unsicherheit ist jedoch ein Indiz dafür, dass die großen Zentralbanken die Geldpolitik weiter lockern werden und dass die US-Notenbank erst einmal bis September abwarten wird, bevor sie eine weitere Leitzinserhöhung beschließt.

An den Finanzmärkten wird es also offenbar weiterhin sehr volatil zugehen. Allein in dieser Handelswoche hat der deutsche Leitindex Dax wieder einige Höhen und Tiefen durchlebt (siehe Video).
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