FondsDISCOUNT.de: Herr Platow, Sie sind bereits seit 1975 im Bereich nachhaltige Kapitalanlagen aktiv – damals noch mit einer kleinen Vermögensberatung, die sich an Betriebe und Umweltorganisationen richtete, seit 2013 firmiert Ihr Unternehmen unter dem Namen Ökoworld AG. Wie kam es zu Ihrer Überzeugung, in diesem Bereich Pionierarbeit leisten zu wollen, sprich: Ökologie und Ökonomie zu verbinden?
Alfred Platow: Ich wollte die Wahrheit ans Licht bringen und für Transparenz sorgen. Gemeinsam mit meinem Kollegen und Mitgründer Klaus Odenthal waren und sind wir Überzeugungstäter. Wir waren von Anfang an sozial emotionalisiert, ökologisch engagiert und politisch motiviert. Und das sind wir auch bis heute geblieben. Die „Atomkraft, nein Danke-Fahne“ flatterte schon immer vor unserer Tür und in unseren Köpfen. Überlebensrisiken und deren Vermeidung waren schon damals unser Hauptmerkmal. Daher ist die Atomkraft auch eines unserer strengen Ausschlusskriterien unserer Investments. Erste Mitstreiter waren ökologisch orientierte Betriebe und Umweltorganisationen. Klaus Odenthal und ich haben in mühevoller Pionierarbeit versucht in Verhandlungen mit Versicherungsunternehmen und Banken einen Bewusstseinswandel im Geldwesen anzustoßen. Seit dem sind wir ein gutes Stück weiter gekommen.

Gab es besondere Herausforderungen in den Anfangsjahren und wie hat die konservative Finanzwelt auf Sie als „Öko-Pioniere“ reagiert?
Man hat uns natürlich anfangs nicht ernst genommen und uns prognostiziert, dass wir Schwierigkeiten haben würden auch nur 100.000 D-Mark einzusammeln. Heute sehen wir, dass der Ökovision (WKN: 974968) mit über einer halben Milliarde Euro Fondsvolumen doch einen großen Schritt weiter gekommen ist, und die ewig Gestrigen mit Ihrer Einschätzung im Unrecht waren. Und das Interesse und die Aufmerksamkeit wachsen weiter. Die Herausforderung ist und bleibt, dass viele Anleger nicht verstehen, dass ein Ökofonds kein lahmes Nischenprodukt ist, sondern insbesondere auf die Zukunft und das damit verbundenen Wachstum setzt und sehr innovative Investmentthemen bedient.

Wenn Sie zurückblicken: Hat sich der Nachhaltigkeitssektor inzwischen gewandelt?
Das Thema Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren ordentlich in Mode gekommen: So sind „grüne Geldanlagen“ schick und die konventionellen Kapitalanlagegesellschaften versuchen nun auch auf den Zug der Nachhaltigkeit aufzuspringen. Sei es in Form von „Green Bonds“ oder auch diversen Nachhaltigkeitsfonds. Doch wieviel „grün“ und soziale Verantwortung wirklich in solchen Kapitalanlagen steckt, das muss kritisch hinterfragt werden. Im Ursprung verantwortlich für die Erfindung des Ökovision Classic war das Unvermögen der damaligen Finanzvorstände deutscher Lebensversicherer. Es fehlte an der Fantasie, ökologische fondsgebundenen Anlagen konsequent umzusetzen. Nicht zuletzt deshalb haben dann Versicherer wie die Continentale, Swiss Life oder die Mannheimer Leben bis zu 50 Millionen Mark in den Ökovision investiert, weil wir die Lösung und den Ausweg gebracht haben. Neue Produkte, die dann von Seiten der konventionellen Anbieter wie Deka, DWS oder der Union Investment auf den Markt gebracht wurden, waren Versuche, unseren Ansatz zu nachzubauen und auf den grünen Marketingzug aufzuspringen. Das hat mit Glaubwürdigkeit nicht viel zu tun.

Gerne würden wir weiter auf Ihren Fonds „Ökoworld Ökovision Classic“ zu sprechen kommen, der in diesen Tagen sein 20-jähriges Jubiläum feiert und damit einer der „dienstältesten“ Ökofonds am Markt ist. Wie sieht Ihre Anlagestrategie aus – wonach wählen Sie die Unternehmen aus?
Die Schwerpunkte der Investments sind Gesundheit, Ernährung, Wasserversorgung und Bildung. Auch die erneuerbaren Energien, umweltfreundliche Mobilität, intelligente Kommunikation und nachhaltiges Bauwesen gehören dazu. Ausschlaggebender Beweggrund für Ökovision-Anleger ist, im Vorfeld immer zu überdenken: Wie alt möchte ich werden, und wie erreiche ich das Alter in einem bestmöglichen Umfeld? Denn in unserer Philosophie und Strategie werden Unternehmen ausgeschlossen, die das Menschsein behindern. Dazu gehören – um nur einige zu nennen – Atomkraft, Öl, die Chemieindustrie oder Konzerne, die z. B. Sklaverei oder Menschenhandel tolerieren. Es ist verbindlich festgelegt, wo investiert wird und wo nicht. Entscheidend ist dabei vor allem, dass der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird.

Die Bewertung geeigneter Unternehmen erfolgt mit sehr hohem Aufwand im getrennten Investmentprozess. Das bedeutet, dass nicht die Fondsmanager die Prüfung übernehmen, ob eine Aktie zukunftsfähig oder nachhaltig ist. Das macht das hauseigene Research, und für Ökovision trifft seit 20 Jahren der unabhängige Anlageausschuss die Entscheidung, welche Aktien die Prüfung auf Ethik, Soziales und Ökologie bestehen. Die Fondsmanager unter der Leitung von Alexander Mozer wiederum sind erfahrene Kapitalmarktexperten, die als Stockpicker und Trendscouts ihr Handwerk verstehen und einen beeindruckenden Track Record vorweisen können. In den vergangenen Jahren wurde dies durch viele Preise und Auszeichnungen von unabhängiger Seite bestätigt, zuletzt im Januar 2016 mit dem „Deutschen Fondspreis“, im März mit dem Österreichischen Fonds Preis und auch von der Verbraucherzentrale Bremen. Diese hat mit Stiftung Warentest im August 2014 ethische und ökologische Kriterien von 46 Investmentfonds bewertet. Ergebnis dieses Vergleichs war: Nur ein Finanzprodukt meidet umstrittene Geschäftsfelder konsequent und erhält 100 Punkte von möglichen 100 Punkten: Unser Ökoworld Ökovision Classic.

Eine Frage, die interessierte Anleger immer wieder beschäftigt: Gehen strenge Nachhaltigkeitskriterien nicht zulasten der Rendite?
Das ist immer eine Frage des Betrachtungszeitraumes, des persönlichen Gewissens und Bewusstseins. Nehmen Sie z. B. die Aktie von Rheinmetall. Diese Aktie beschert dem Anleger eine wirklich sehr lukrative Rendite. Aber das ist eine Rüstungsfabrik. Solche Gewinne mit schlechtem Gewissen und blutigem Beigeschmack nehmen Sie als Anleger von Ökovision also nicht mit in die Rente, weil wir Militär und Rüstung zu 100 Prozent ausschließen. Das ist Gewinnmaximierung um jeden Preis. Da sind wir nicht dabei und setzen hingegen auf eine gesunde Gewinnorientierung. Ich kann doch auch nicht für meine Kinder in einen Investmentfonds investieren, der seine Gewinne mit brutaler und ausbeuterischer Kinderarbeit bestreitet. Um aber Ihre Frage zu beantworten: Die Herausforderungen unserer Fondsmanager in Luxemburg ist es, sich gegen die Verführungen, die an den Märkten lauern, zu wehren. Sie beherrschen ein hervorragendes Risikomanagement, setzen nicht auf Lieblingsaktien und prüfen in der Aktienanalyse mit höchster Expertise. Im getrennten Investmentprozess ist es ihnen so oder so nicht möglich, unsere Ausschlusskriterien zu umgehen, weil der Anlageausschuss hier als strenger Wächter fungiert und entscheidet, ob eine Aktie ökologisch, ethisch und sozial akzeptabel ist. Somit könnten unseren Fondsmanager eine Rheinmetallaktie noch nicht einmal mit der Beißzange anfassen. Und trotz der Einschränkungen, dass wir nicht jede ungesunde Rendite mitnehmen können, waren wir in den letzten 20 Jahren mit Blick auf den Track Record sehr gut dabei.

Was heißt das konkret?
Seit seiner Auflage hat der Ökovision Classic eine Performance von 5,15 Prozent p.a. erzielt. Und selbst in dem an den Märkten schwierigen Jahr 2015 haben wir 14,5 Prozent zu verzeichnen. Also eine eindeutig gute Rendite. Grundsätzlich sind die Investments auf Langfristigkeit ausgerichtet. Eine Hedgefonds-Mentalität mit möglichst hohen Gewinnen in kürzester Zeit haben wir nicht. Die Methode, die wir anwenden, liegt deutlich über dem Durchschnitt zu herkömmlichen, internationalen Fonds. Viele Emerging Fonds investieren z.B. in der Dritten Welt nur in Unternehmen, die im Export tätig sind und daraus ihren Mehrwert generieren. Wir machen genau das Gegenteil und investieren bevorzugt in Ländern, die etwas für ihr eigenes Land produzieren. Die verlängerte Billigwerkbank ist nicht unser Thema.

Wem würden Sie Ihren Fonds empfehlen?
Jedem Menschen, der Lust hat mit gutem Gewissen und guter Rendite an den globalen Aktienmärkten dabei zu sein und die Chancen der Zukunft zu nutzen. Ideal ist das Produkt natürlich für Kinder. Der lange Anlagezeitraum beflügelt durch den Zinseszinseffekt die Wertentwicklung. Also: Alle die im doppelten Sinne die Gewinner der Zukunft sein wollen, sind mit Ökovision im Gepäck auf einer guten Reise dorthin. Wir beobachten auch, dass Ökovision für eine Beglückung für den Verkauf am Bankschalter sorgt. Sparkassen und auch Volksbanken schätzen Ökovision und verkaufen ihn als nicht hauseigene Marke ohne Abhängigkeiten zu Deka oder Union. Das ist ein Kompliment an uns und bietet gegenüber dem Privatanleger Unabhängigkeit im Portfolio. Auch Stiftungen, die ihrem Stiftungsvermögen eine gute Richtung geben wollen, haben mit Ökovision die Möglichkeit, dies konsequent anzugehen.

Herr Platow, herzlichen Dank für dieses Interview!