Der Großteil der Medienberichte konzentriert sich auf die negativen Auswirkungen des Brexit. Klar: Die Bedrohungen für die Wirtschaft in Europa sind nicht von der Hand zu weisen. Doch für Value-Investoren ergeben solche Ausnahmesituation an den Finanzmärkten gute Gelegenheiten für Nachkäufe. Doch wie funktioniert Value-Investing? Und woher weiß man, wie man mit der Unsicherheit an den Märkten umgehen soll? Sollte man sich in solchen Marktphasen nicht lieber zurückhalten? Wir haben Value-Investoren dazu befragt.

Die Umsetzung des Brexit werde sich über einen langen Zeitraum hinziehen, glaubt Johannes Ries, Value-Investor von Apus Capital und Fondsmanager des Apus Revalue Fonds (ISIN: DE000A1H44E3) auf Nachfrage von FondsDISCOUNT.de. „Man wird an den Börsen bald realisieren, dass auch bei diesem Thema vieles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird.“

Der Börsensturz infolge des Brexit versetzte viele Anleger zunächst in Schockstarre. Zu groß waren die Unsicherheiten. Der politische Umbruch in Großbritannien nach der Rücktrittsankündigung David Camerons ließ zunächst Zweifel aufkommen, ob Großbritannien die EU tatsächlich verlassen werde. Stimmen wurden laut, die ein zweites Referendum einforderten oder eine parlamentarische Abstimmung, die den Volksentscheid aushebeln könnte. Doch dazu wird es scheinbar nicht kommen. Theresa May, die Hauptanwärterin der Conservatives für eine Nachfolge von Cameron, sagte der Times, „Brexit bedeutet Brexit“. Großbritannien müsse sich eine neue Rolle innerhalb Europas schmieden.

Value: In schwachen Marktphasen nachkaufen
Fondsgesellschaften sehen das mehrheitlich gelassen. Der Brexit habe längst nicht so eine verheerende Wirkung auf die Finanzwirtschaft wie die Lehmann-Pleite aus dem Jahr 2008, so Ries. Da müsse die Krise der italienischen Banken schon deutlich ernster genommen werden.

Um solch eine Aussage treffen zu können, muss man natürlich eine ruhige Hand bewahren. Value-Investoren haben keine Zeit, in Panik zu verfallen – und auch keinen Grund. Die Investment-Entscheidung wird meist nach einer fundamentalen Analyse der Unternehmen getroffen. Externe Schocks kann und sollte man in dieser Phase nicht berücksichtigen.

Für langfristig orientierte Investoren von Apus Capital eröffne der aktuelle Rücksetzer nach dem Brexit gute Kaufgelegenheiten, sagt Ries. An der Story der Investments habe sich kaum etwas geändert. „Wir haben daher schon den ersten Tag nach der Abstimmung in UK für Zukäufe genutzt und sind auch aktuell als Käufer aktiv“, so der Fondsmanager das Apus Capital Revalue Fonds, der in den Depots der FondsDISCOUNT.de-Kunden immer noch als Geheimtipp gilt (siehe Video).
Bitte beachten Sie, dass das hier eingebundene Video vom Anbieter stammt. Die wallstreet:online capital AG hat die Richtigkeit der Angaben nicht überprüft und macht sich den Inhalt auch nicht zu Eigen. Bereitgestellt von: FondsDISCOUNT.de

In starken Phasen profitieren
Sehr performancestark zeigt sich ein anderer Value-Fonds: Der Quantex Global Value (ISIN: LI0042267281). „Der Brexit bietet gute Chancen für aktive Value-Investoren wie uns, da Aktien und ETF wieder einmal panikartig verkauft wurden und die Korrelationen zwischen den einzelnen Aktien stark anstiegen“, sagt Peter Frech von der Schweizer Fondsboutique Quantex. „Der Markt unterscheidet weniger nach Qualität und effektiven Fundamentaldaten bei den einzelnen Unternehmen, das ist für uns als Stockpicker immer positiv“, so der Fondsmanager. Gemessen an der Performance des Fonds, vor allem in Krisenzeiten, muss sich der Quantex-Fonds auch hinter den großen Namen nicht verstecken (siehe Chart).

Der Grund: Die Fondsgesellschaften konnten sich lange genug auf den Brexit vorbereiten und ihre Liquidität erhöhen. Das gibt ihnen die Gelegenheit, auch in Phasen eines panikartigen Massenverkaufs antizyklisch zuzuschlagen. Obwohl auch aktive Fonds nach der Briten-Abstimmung durchaus Federn lassen mussten, steigt das Potenzial für zukünftige Outperformance durch die großen Value-Differenzen innerhalb des Marktes. Denn Qualitätsaktien erholen sich vergleichsweise schnell von externen Schocks. Wer also günstig nachkauft, kann nach der Krise am stärksten von steigenden Kursen profitieren.