Die Corona-Krise hatte in den vergangenen Wochen deutliche Turbulenzen an den Aktienmärkten hervorgerufen. Das führte zu großen Wertverlusten in sämtlichen Segmenten. Investmentfonds mit ESG-Ausrichtung waren davon nicht ausgeschlossen. Doch könnte diese Krise eine Chance sein – eine Chance, um diesen Planeten besser zu machen. Schon während der Krise lässt sich beobachten, dass sich die Umwelt erholt: vor allem, weil der gesamte Reiseverkehr stark eingeschränkt ist, aber auch, weil viele Unternehmen ihre Produktion runtergefahren haben. Das sollte ein Denkanstoß sein und könnte „grünes Bewusstsein” schärfen: „Ich glaube, dass der gesellschaftliche Fokus nach der Corona-Krise unter anderem darauf liegen wird, solche globalen Krisen in Zukunft zu vermeiden, beziehungsweise deren potenzielle Auslöser zu bekämpfen, dazu zählt nicht zuletzt der Klimawandel“, so Paul Buchwitz, ESG-Experte bei der DWS (links im Bild) zu FondsDISCOUNT.de. Aus diesem Grund sei er fest davon überzeugt, dass Investitionen in den Klima- und Umweltschutz mittelfristig weiter zunehmen werden.


Buchwitz' Kollege Martin Berberich, Portfoliomanager des DWS Invest ESG Equity Income (links im Bild), sieht ebenfalls Chancen für eine Sensibilisierung hinsichtlich von ESG-Themen: „Wir sind der Überzeugung, dass Investments in solche Unternehmen, die gleichzeitig soziale Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kunden übernehmen und Wert auf Umweltschutz legen, sich gerade nach dem Rückschlag an den Aktienmärkten mittel- und langfristig für die Anleger auszahlen sollten.“ Dies gelte besonders in einem Umfeld historisch niedriger Zinsen, in dem Aktien mit nachhaltigen Dividendenzahlungen attraktiv erscheinen. Um eine nachhaltigere Entwicklung zu forcieren, sieht Martin Berberich auch die Politik in der Pflicht: „Die Umgestaltung der Wirtschaft und der Gesellschaft hin zu einem umweltgerechteren und nachhaltigeren Verhalten sollte durch ein langfristig angelegtes Anreizsystem unterstützt werden, das alle relevanten Politikbereiche umfasst und losgelöst von der aktuellen Krise ist.“


 


Portfoliomanager: UN-Nachhaltigkeitsziele im Blick 


Maria Municchi, Fondsmanagerin des M&G Sustainable Allocation Fund glaubt ebenso an einen Anschub für ESG-Themen, da die Gesellschaft und die Regierungen einem erhöhten Druck ausgesetzt seien. Beim Onlinemagazin Euro Fundresearch gibt sie an, dass die Entwicklungen Auswirkungen auf mehrere UN-Nachhaltigkeitsziele hätten. Die Gesundheitsversorgung sei beispielsweise verstärkt in den Fokus gerückt. Um Kapazitäten wieder aufzubauen und den aktuellen demographischen Gegebenheiten anzupassen, könnten Unternehmen aus dem Gesundheitssektor einen großen Beitrag leisten. Das UN-Ziel von menschenwürdiger Arbeit und Wirtschaftswachstum könnte durch das Bewusstsein für die Relevanz von sozialen Sicherheitsnetzen und Notfall-Liquiditätsmaßnahmen für Unternehmen schneller erreicht werden. Municchi weist darauf hin, dass der Schutz der Ökosysteme, die Entwicklung von Technologien sowie Frieden und Gerechtigkeit weitere Themen seien, die verstärkt Aufmerksamkeit bekämen. Sie resümiert, dass die aktuelle Entwicklung aus ESG-Perspektive einen Rahmen bietet würde, um zukünftige Anlagemöglichkeiten zu identifizieren und gleichzeitig unsere Gesellschaft und Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen. 


Masja Zandbergen, Leiterin des Bereichs Nachhaltigkeitsintegration bei Robeco sieht im Corona-Virus zwar keinen „verkappten Segen”. Allerdings hätten Regierungen jetzt die Gelegenheit, wirtschaftliche Anreize mit sozialen und ökologischen Faktoren zu kombinieren, so die Robeco-Spezialistin zum Onlinemagazin von Fonds professionell. Anderenfalls könne beispielsweise der sinkende Ölpreis dazu führen, dass fossile Brennstoffe wieder verstärkt zum Einsatz kämen. Das könnte sich wiederum nachteilhaft auf die künftige Entwicklung und die Nutzung umweltfreundlicher Energiequellen auswirken. Zandbergen schlägt vor, in Europa Anreize für umweltfreundliche Investitionen zur Einhaltung der beschlossenen CO2-Ziele zu setzen. Daraufhin könnten Behörden und Wirtschaft zusammenarbeiten, um in den jeweiligen Ländern das Erreichen der UN-Nachhaltigkeitsziele zu forcieren. 


Nachhaltigkeitsfonds der Fondsgesellschaften 


DWS Invest ESG Equity Income (ISIN: LU1616932940


Portfoliomanager Martin Berberich fokussiert sich auf Aktien globaler Unternehmen, die überdurchschnittlich hohe Dividenden zahlen. Das Fondsmanagement nimmt dazu 60 bis 100 verschiedene Aktien in das Portfolio, wobei der einzelne Titel einen Anteil am Fondsvermögen von höchstens vier Prozent hat. Die Daten von sieben ESG-Analysehäusern bilden die Grundlage für die ESG-Kriterien des im Jahr 2017 aufgelegten Fonds. „Als defensiv anlegender Dividendenfonds hat sich der Fonds seit Beginn der Corona-Krise deutlich besser geschlagen als der breite Aktienmarkt“, so Berberich.


Wertentwicklung (Ein-Jahres-Zeitraum)



M&G (Lux) Sustainable Allocation Fund (ISIN: LU1900799617


Der Mischfonds wurde im November 2018 aufgelegt. Portfoliomanagerin Maria Municchi investiert flexibel in Anleihen, Aktien, Barmittel und geldnahe Instrumente. Es gibt einen globalen Anlagefokus, auch Schwellenmärkte werden berücksichtigt. Municchi investiert in Vermögenswerte, die die ESG-Kriterien der Anlageverwaltungsgesellschaft erfüllen. Die Tech-Konzerne Alphabet und Apple sowie das japanische Bauunternehmen Daiwa House Industry sind aktienseitig die Schwergewichte im Portfolio. 


Wertentwicklung (Ein-Jahres-Zeitraum)



RobecoSAM Sustainable European Equities D (ISIN: LU0187077218


Das Management um Kai Fachinger investiert in europäische Aktien, vorwiegend in Deutschland und Großbritannien. Dabei setzt Fachinger den Fokus auf die Sektoren Finanzen und Industrie. Top-Holdings im Portfolio sind die Pharmakonzerne Roche und Novo Nordisk sowie das Softwareunternehmen SAP. Das Volumen des im Jahr 1991 aufgelegten Fonds beträgt rund 863 Millionen Euro. 


Wertentwicklung (Fünf-Jahres-Zeitraum)



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