Die wirtschaftlichen Sorgen um China – ausgelöst durch den Handelskonflikt mit den USA – setzten auch viele Aktien aus dem Rohstoffsektor unter Druck. Dabei gilt China weiterhin als der größte Rohstoffabnehmer weltweit. „Im vergangenen Jahr fiel das Wachstum der für die Rohstoffnachfrage wichtigen chinesischen Infrastruktur-investitionen mit +5,9 Prozent allerdings auf ein 20-Jahres-Tief“, fasst Stefan Breintner, stellvertretender Leiter Research & Portfoliomanagement sowie Analyst für die Sektoren Rohstoffe, Chemie und Öl & Gas bei der DJE Kapital AG, die aktuelle Entwicklung in seinem Marktkommentar zusammen. „Hierfür waren aber nicht nur der Zollstreit mit den USA und die daraus resultierende wirtschaftliche Unsicherheit maßgebend. Hinzu kam, dass die chinesische Regierung zahlreiche öffentlich-private Partnerschaften im Rahmen des staatlich angeordneten Kampfes gegen Korruption sowie auf die Einhaltung der strengen Umweltvorschriften überprüfte. Die Folge: Viele Infrastrukturprojekte wurden aufgeschoben.“


In diesem Jahr sei hingegen eine Belebung der Investitionen in Infrastrukturprojekte wahrscheinlich. Denn: Aktuell stimuliert China seine Wirtschaft massiv, zudem ist die Fiskalpolitik expansiv ausgerichtet. „Die jüngst vorgenommene starke Kreditausweitung und Steuersenkungen im Umfang von fast 300 Milliarden US-Dollar sollten im weiteren Jahresverlauf zu einer Belebung der chinesischen Konjunktur führen – was wiederum positiv für die Entwicklung der Rohstoffnachfrage wäre“, so Breintner weiter. Aus dem Angebotsblickwinkel sei eine neue investitionsgetriebene Wachstumsphase nirgendwo erkennbar. Viele Rohstoffe bzw. Metalle befänden sich aktuell weiterhin in einem sogenannten Angebotsdefizit – die jährliche Nachfrage ist hierbei größer als das Angebot aus der laufenden Minenproduktion. Die Pipeline an neuen Minenprojekten sei somit weitgehend leer. Demzufolge könnten die Preise für Bunt- und Edelmetalle oder auch Eisenerz nach Einschätzung des DJE-Rohstoffexperten länger als erwartet auf hohen Niveaus bleiben, was wiederum positiv für die Gewinn- und Aktienkursentwicklung der Produzenten wäre.


Perspektiven für Nickel und Kupfer positiv


Mittel- bis längerfristig könnten vor diesem Hintergrund vor allem die Aussichten für die Metalle Nickel und Kupfer sein. „Bereits 2018 befanden sich sowohl der weltweite Kupfer- als auch der globale Nickelmarkt in einer Defizitsituation. Aktuell gibt es bei beiden Metallen keine großen neuen „Greenfield-Projekte“ (Anm. d. Red: z.B. neue Fabriken oder Standorte, die noch nicht durch vorangegangene Produktionen an bestimmte Prämissen anknüpfen müssen, „grüne Wiese“) zur Erschließung neuer Vorkommen. Beide Metalle werden demzufolge auch 2019 in einer Defizit-Situation verharren, bei Kupfer dürfte das Missverhältnis gegenüber 2018 sogar noch größer werden. Bei Nickel könnte das Marktdefizit unter der Annahme, dass sich die bisher noch relativ kleine Nachfrage der Batterieindustrie – 2019 ca. vier Prozent der Welt-Nickelnachfrage – bis 2025 vervierfacht, auf 500.000 Tonnen ansteigt“, schreibt Breintner. Bei Kupfer sei die weltweite Angebotsseite vor allem deshalb strukturell unter Druck, da der Kupfergehalt im abgebauten Gestein bei den wichtigsten Vorkommen immer weiter sinkt. Selbst wenn die weltweite Nachfrage nach Kupfer 2019 nicht weiter wachsen sollte, sei mit einer Ausweitung des Angebotsdefizits zu rechnen. Wenn die chinesische Wirtschaft und damit die lokale Kupfernachfrage stärker als erwartet ansteigen würden, sei mit einem größeren Defizit als den heute geschätzten 300.000 Tonnen zu rechnen. „Die Kupferpreise könnten sich demzufolge 2019 besser entwickeln als erwartet, die Gewinnentwicklung der großen Produzenten könnte positiv überraschen“, prognostiziert der Analyst.  


Elektromobilität dürfte Rohstoffhunger weiter anheizen


Zahlreiche chinesische Unternehmen haben die im vergangenen Jahr auftretende Kursschwäche bei den Bergbauunternehmen für einen Einstieg genutzt. „Der klare strategische Fokus lag dabei auf Unternehmen bzw. Minenbetreibern, die Rohstoffe für Batterien und nachhaltige Energieerzeugung liefern. Das heißt: Firmen, die Lithium, Kobalt, Nickel oder Kupfer herstellten, standen im Fokus der chinesischen Investoren Die Sicherung von wichtigen Rohstoffen für Batterie-Akkus dürfte ein strategisches Ziel bleiben“, so Breintner. Der größte Zukauf im letzten Jahr sei der Kauf eines 24-Prozent-Anteils am chilenischen Lithiumproduzenten SQM für 4,1 Milliarden US-Dollar durch das chinesische Bergbauunternehmen Tianqi Lithium gewesen. Der Rohstoffexperte erwartet in den kommenden Monaten bzw. Jahren eine Fortsetzung der Zukäufe durch chinesische Firmen. Denn: „Die großen etablierten Bergbaukonzerne wie BHP, Rio Tinto, Anglo American etc. halten bisher nicht dagegen. Vor allem aufgrund der zahlreichen wertvernichtenden Investitionen des vergangenen Jahrzehnts sind die großen Konzerne des Sektors deutlich vorsichtiger geworden, und kostspielige Übernahmen stehen demzufolge nicht unmittelbar auf der Agenda. Zur Erfüllung von aktuell vorausgesagten Quoten von 30 Prozent Elektroautos am globalen Produktionsmix bis 2030 werden aber immense Mengen an Nickel, Kobalt und Kupfer benötigt. China könnte sich hier aufgrund seiner vorausschauenden Investitionspolitik einen klaren Vorteil verschaffen.“


Mehr Nachhaltigkeit erhöht die Kosten


Der Abbau von Rohstoffen gilt vielerorts als ökologisch und sozial bedenklich. Das steigende Bewusstsein für diese Bedingungen erhöht nach und nach die Bedeutung von Nachhaltigkeit und die Einhaltung von Umweltstandards. Breintner ist sich sicher: Die jüngsten Umweltkatastrophen in Brasilien, welche aus Dammbrüchen bei Minen des brasilianischen VALE-Konzerns resultierten, dürften weltweit zu einer Verschärfung der Umwelt- und Sicherheitsstandards bei der Rohstoffgewinnung führen. Doch mehr Nachhaltigkeit erhöht auch die Projektkosten und höhere Kosten führen zu vorsichtigeren Planungen bei den Minenkonzernen. Diese Entwicklung werde von Eisenerz – dessen Preis nach dem VALE-Unglück deutlich gestiegen ist – über Kupfer bis hin zu den Edelmetallen zu einem strukturell unter Druck stehenden Angebot führen.


DJE sieht gute Perspektiven für ausgewählte Minenaktien


„Im Vergleich zur Vergangenheit ist der Sektor aktuell weiter durch eine sehr hohe Investitionsdisziplin und durch ein in vielen Bereichen strukturell rückläufiges Angebot gekennzeichnet. Aktien gut positionierter Bergbaukonzerne erscheinen daher weiter aussichtsreich – zumal Rohstoffaktien oftmals am Ende eines Konjunkturzyklus mit am besten abschneiden“, schlussfolgert Breintner. Die DJE Kapital AG befürworte dabei den stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit.  Im Fonds DJE – Gold & Ressourcen beispielweise würden ESG-Standards (Anm. d. Red. Environment, Social, Government) bereits seit längerem konsequent umgesetzt. Unternehmen, die in der Vergangenheit durch gravierende Umwelt- oder Menschenrechtsverstöße aufgefallen sind, wie VALE oder Freeport McMoran, würden aus dem Fondsportfolio ausgeschlossen. Der Fonds berücksichtige generell nur die nachhaltig ausgerichteten und zugleich aussichtsreichen Unternehmen aus dem Rohstoffsektor – und richte sich nach den Prinzipien der United Nations Principles for Responsible Investing (UNPRI).


Rohstoff-Fonds: Einstiegsmöglichkeiten für Privatanleger


Der genannte DJE – Gold & Ressourcen (ISIN: LU0159550077) liegt seit Jahresbeginn zweistellig im Plus (FWW, Stand: 03.04.2019, vgl. Chartbild am Ende des Artikels). Im Portfolio des 2003 aufgelegten Fonds finden sich vor allem Minenbetreiber aus Kanada, den USA und Australien. Mindestens 30 Prozent des Fondsvermögens sollen gemäß Anlagestrategie in Aktien von Gesellschaften aus der Gewinnung, der Verarbeitung und der Verarbeitung von Gold investiert werden. Neben dem Goldbergbau sind auch Basismetalle oder zum Beispiel Öl, Gas und Agrarrohstoffe für den Fonds grundsätzlich interessant.


Stefan Breintner managt außerdem auch den 2008 aufgelegten DJE Gold & Stabilitätsfonds (ISIN: LU0323357649). Hier werden bis zu 30 Prozent des Fondsvermögens direkt in physisch hinterlegtes Gold investiert. Die Gesamtanlage in Gold (direkt oder indirekt über Verbriefungen) ist auf maximal 49 Prozent des Fondsvermögens begrenzt. Weitere Anlageklassen sind: andere Edelmetalle, kurzfristige Bankeinlagen, Aktien aus den Sektoren Rohstoffe, Edelmetalle, Gesundheitswesen, Versorger, Immobilien, Telekommunikation und Landwirtschaft sowie Aktien Schweizer Unternehmen und Staatsanleihen von guter Bonität. Die Fondswährung lautet auf Schweizer Franken. Gesteuert wird der Fonds nach Angaben der Gesellschaft aber stets aus der Perspektive eines Euro-Anlegers, d.h. relevant sei die zugrundeliegende Wertentwicklung in Euro.


Nicht nur in Gold, sondern in weitere Rohstoffe investiert beispielsweise der 1997 aufgelegte NN – Materials (ISIN: LU0119199957). Das Portfolio setzt sich demgemäß aus aussichtsreichen Titeln aus der Grundstoffbranche zusammen. Der Metall- und Minensektor ist aktuell mit einem Anteil von 30,75 Prozent vertreten.


Interessant sein könnte auch der 2010 aufgelegte Structured Solutions - Next Generation Resources Fund (ISIN: LU0470205575): Hier kommen neben klassischen Edelmetalle bzw. Rohstoffen wie Kupfer, Silber und Gold auch zum Beispiel Lithium und Kobalt in die Auswahl, da diese Elemente aufgrund der technologischen Entwicklung eine vermehrte Nachfrage erwarten lassen.


 



Tipp: Alle genannten Fonds sind über FondsDISCOUNT.de ohne Ausgabeaufschlag erhältlich und lassen sich (bis auf den NN Materials) auch als Sparplan einrichten.