Dass die Kommanditisten einer unternehmerischen Beteiligung über den – gegebenenfalls vorzeitigen – Verkauf von Anlagegegenständen abstimmen, ist in der Sachwertbranche nichts Außergewöhnliches, sondern gehört fest mit zum Konzept solcher Investmentangebote. Die Vorgänge beim Emissionshaus Leonidas Associates wurden jedoch von Marktbeobachtern kritisch beäugt.


Grundsätzlich sehen die Gesellschaftsverträge der Leonidas Fonds XII, XIII und XIV die Möglichkeit einer schriftlichen Beschlussfassung vor, sollte kein „dringender Absprachebedarf“ vorliegen. Genau von dieser Option machte das Emissionshaus nun Gebrauch: Den Anlegern wurde im September der Verkauf verschiedener Windparks der genannten Fonds zur Abstimmung vorgelegt. 


Gesellschafter nehmen Beschlussvorlagen mehrheitlich nicht an


Wie Leonidas abschließend in einer Ergebnismitteilung vom 7. Oktober 2020 zum Fonds XIII schreibt, entschieden sich 9.111 Gesellschafter und Treugeberkommanditisten gegen den Verkauf, nur 8.042 stimmten zu. 454 Anleger enthielten sich, 20 Stimmen waren ungültig. Damit wurde die Beschlussvorlage nicht angenommen, da die erforderliche einfache Mehrheit von 50 Prozent dagegen gestimmt hat.  Auch der Verkauf der Anlagen aus dem Fonds XIV wurde laut Schreiben vom 9. Oktober 2020 abgelehnt: Hier entfielen 4.252 Stimmen auf eine Annahme des Verkaufs, 7.137 Anleger entschieden sich gegen die Beschlussvorlage (Enthaltungen: 227 Stimmen). Und auch beim Leonidas XII entschieden sich die Gesellschafter laut Ergebnismitteilung von Leonidas vom 19. Oktober 2020 mit 1.705 Nein-Stimmen gegen die Beschlussvorlage (mit Ja stimmten 1.084 Anleger, 1.240 Gesellschafter enthielten sich). Damit schlug das Vorhaben der Leonidas-Geschäftsführung fehl.


Kritische Stimmen aus dem Markt


Der Journalist und Sachwertspezialist Stefan Loipfinger veröffentlichte am 15. September 2020 auf seiner Seite „Investmentcheck“ einen Artikel unter dem Titel „Undurchsichtige Verkaufsabsichten“. Darin fasst der langjährig erfahrene Marktkenner die Zusammenhänge folgendermaßen zusammen: „Die Mehrheit der Leonidas-Fonds läuft weit hinter Plan. Jetzt sollen Anleger der Fonds XIII und XIV sogar über einen Verkauf verschiedener Windparks abstimmen – und eventuell erhebliche Verluste von bis zu 40 Prozent realisieren. Die Leonidas-Chefin Antje Grieseler will das wegen einem fehlenden Aussprachebedarf im schriftlichen Verfahren durchziehen – und muss sich so kritischen Anlegerfragen gar nicht erst stellen. Denn warum die Parks mit Verlust verkauft werden sollen, das wird auch auf Nachfrage von Investmentcheck nicht erklärt. Ein Wertgutachten gibt es nicht. Gesetzliche Transparenzpflichten für Jahresabschlüsse werden häufig missachtet. Sogar über eine persönliche Verstrickung lässt Grieseler die Anleger im Dunkeln.“


Loipfinger zufolge fiel die Antwort Antje Grieselers zu möglichen Verflechtungen mit dem Kaufinteressenten „schwammig“ aus. Angaben zur Preisfindung, der Existenz eines unabhängigen Wertgutachtens oder der Alternative eines Bieterverfahrens seien „fragwürdig“, heißt es in dem Bericht auf Investmentcheck. Auch das Marktumfeld mit historisch niedrigen Zinsen und generell steigenden Preisen für Sachwerte wie etwa Windparks liefert für Loipfinger keine stimmige Begründung für den niedrigen Verkaufspreis: „Wie kommt es also, dass die Windparks der Beteiligungen Leonidas XIII und XIV statt mit einem satten Gewinn mit erheblichen Verlusten verkauft werden sollen? Eine Antwort lieferte Antje Grieseler nicht.“ Stefan Loipfinger kommt zu dem Schluss, dass die zur Verfügung stehenden Informationen nicht ansatzweise ausreichten, „um eine qualifizierte Verkaufsentscheidung herbeizuführen.“


Auch der Branchendienst kapital-markt intern (k-mi) setzte sich in seinem Report vom 9. Oktober 2020 kritisch mit dem Fall Leonidas auseinander. Das Fazit der Analysten: „Für die Leonidas-Investoren ist u. E. nicht transparent, wie die Kaufpreise in den aktuellen Verkaufsbeschlüssen zustande kommen und insbesondere wie die Leonidas-Geschäftsführung diese bewertet.“ Und weiter fragen die Analysten: „In den Rundschreiben wird zudem nicht hinreichend erläutert, warum die ursprünglichen Prognosen nicht mehr zu erreichen sind. Gab es also Beeinträchtigungen des Parks hinsichtlich Technik und Rechtslage etc. (Qualitätsmängel, schlechte Betriebsführung, Vertragsprobleme), über die Leonidas nicht informiert und die alle Prognosen zusammenfallen lassen?“


Leonidas Associates hat seit 2017 keine neuen Fonds aufgelegt. Das junge Emissionshaus galt zuvor als „Shooting-Star“ der Branche: Die Konzepte mit überschaubaren Laufzeiten, technisch versiertem Führungsteam und den eigentlich windreichen Standorten in Frankreich kamen bei Anlegern gut an. Alle Angebote konnten innerhalb kürzester Zeit platziert werden. Auf Langstrecke folgte dann bei vielen Investoren allerdings die Ernüchterung – die Ausschüttungen blieben überwiegend unter Plan, wie ebenfalls Stefan Loipfinger mangels aktueller Leistungsbilanz des Initiators in eigener Recherche im Juli dieses Jahres nachgewiesen hatte.

November-Update: Neuer Vorstand seit 26.10.2020


 


Wie das Branchenmagazin kapital-markt intern (k-mi) in seinem Insider-Report vom 13.11.2020 mitteilt, hat Dr. Alexander Deicke am 26. Oktober 2020 das Amt des Vorstands bei der Leonidas Associates AG übernommen. Der Druck auf den bisherigen Vorstand, Ralf Schamberger, war durch die massive Unzufriedenheit vielzähliger Anleger so groß geworden, so dass Schamberger sein Amt nierderlegte.


Dr. Deicke bringt als erfahrener Interimsmanager und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht eine umfangreiche Expertise mit, seiner Zielsetzung gerecht zu werden „die Verhältnisse der Leonidas Associates AG zu den Fondsgesellschaften zu ordnen und Licht in verschiedene Vorgänge zu bringen, die Antje Grieseler und Ralf Schamberger durchgeführt hatten, nachdem Max-Robert Hug aus dem Vorstand der Leonidas Associates AG Mitte 2017 ausgeschieden war“. Deicke wolle, so k-mi, „die Fondsinvestoren zeitnah über die aktuelle Situation der Beteiligungen und deren zukünftige Verwaltung informieren.“ Zuvor sollen offene Rechtsfragen hinsichtlich der Anlegerbetreuung und anderer Sachverhalte geklärt werden, welche durch Ralf Schamberger und andere Personen geschaffen wurden, geklärt werden, erläutert Dr. Deicke.