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Nachhaltige Ziele statt kurzem Profit Family-Business-Fonds

Nachhaltige Ziele statt kurzem Profit

Der Kapitalfonds LK Family Business investiert ausschließlich in Familienunternehmen. Wolfgang Zinn, geschäftsführender Gesellschafter der GS&P, erläutert den speziellen Investmentansatz und inwiefern die Eurokrise seine Titelauswahl beeinflusst.


Die Vermögensverwaltungssozietät GS&P Grossbötzl, Schmitz & Partner wurde vor gut 25 Jahren gegründet und gilt damit als Pionier im Bereich unabhängige Vermögensverwaltung. Auch mit dem hauseigenen Kapitalfonds LK Family Business wurde im Jahr 2003 eine innovative Investmentstrategie umgesetzt: Der Fonds investiert ausschließlich in Familienunternehmen. Wolfgang Zinn, geschäftsführender Gesellschafter der GS&P, erläutert im Interview den speziellen Investmentansatz und inwiefern die Eurokrise seine Titelauswahl beeinflusst.

FondsDISCOUNT.de: Herr Zinn, Ihr Kapitalfonds LK Family Business ist der erste Publikumsfonds, der ausschließlich in inhabergeführte, europäische Unternehmen investiert. Warum dieser spezielle Ansatz?
Wolfgang Zinn: Unserem Kapitalfonds L.K. Family Business (WKN 593125) liegt vor allem der Gedanke einer Interessenkongruenz zwischen Management und Eigentümer zugrunde. Die Überlegenheit von Familienunternehmen gegenüber klassischen Konzerngesellschaften liegt darin, dass es immer um das eigene Geld des Entrepreneurs geht. Aus persönlichem Gewinnstreben hat er für jeden nachvollziehbar ein sehr hohes Interesse am Wohl des Unternehmens, an einem erfolgreichen Börsenkurs und zuallererst daran, Fehler und Risiken in der Geschäftspolitik zu vermeiden. Deshalb bevorzugen Familienunternehmen eine nachhaltige und defensiv ausgerichtete Geschäftsstrategie, die erfolgreich und langfristig, häufig über mehrere Generationen hinweg, ausgerichtet ist. Angestellte Konzernmanager mit ihren in der Regel auf fünf Jahre begrenzten Vorstandsverträgen müssen hingegen mit aller Macht kurzfristige Quartalsziele erreichen. Dieses kurzfristige Profitdenken wird massiv mit Maßnahmen umgesetzt, die sich kontraproduktiv für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens auswirken.

Eigentümergeführte Unternehmen sind häufig Marktführer in einer sehr lukrativen Marktnische, wodurch sie in der Regel eine Technologie- und/oder Preisführerschaft innehaben. Ein weiterer Vorteil von Family Business ist, dass Mitarbeiter von Familienunternehmen in der Regel eine deutlich höher ausgeprägte Identifikation mit „ihrem Unternehmen“ haben als dies bei Publikumsgesellschaften der Fall ist und daher motivierter und effizienter agieren. Dies alles sind wichtige Gründe, warum Familienunternehmen mit transparenten Geschäftsmodellen höhere Erträge und eine höhere Rentabilität als Unternehmen mit zersplitterter Aktionärsstruktur erzielen. Erfolgreiche Börsenkurse an den Aktienmärkten und eine in der Summe höhere Wertsteigerung ergeben sich daraus zwangsläufig.

Seit seiner Auflage Ende 2003 erzielte der Fonds eine durchschnittliche jährliche Performance von 9,2 Prozent und zeigt auch nur eine geringe Volatilität. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Unternehmen in Ihrem Portfolio aus?
Unser Anlageuniversum umfasst ca. 450 europäische Familienaktien, die im Auswahlprozess in Small-/Midcap-Familienaktien mit einer Marktkapitalisierung bis zu 3 Milliarden Euro sowie Largecap Familienaktien über 3 Milliarden Euro aufgeteilt werden. Das Gesamtportfolio weist im Durchschnitt aktuell eine Marktkapitalisierung von ca. 11 Milliarden Euro pro Aktie auf. In einem streng quantitativ, valueorientierten Analyseprozess ermittelt das Fondsmanagement zunächst die jeweils 50 attraktivsten Aktientitel aus beiden Segmenten. Hierbei fließen 22 Kennziffern in die Analyse ein, damit wichtige Indikatoren wie Bilanzqualität, Ertrag des Unternehmens, Risiko und aktuelle Bewertung an der Börse beurteilt werden können. In einem zweiten Schritt werden die Aktien einer qualitativen Überprüfung unterzogen. Dabei wird unter anderem überprüft, ob eine sinnvolle Nachfolgeplanung im Familienunternehmenternehmen getroffen ist. Final besteht unser Portfolio aus 40 Aktientiteln, die mit jeweils 2,5 Prozent gleichgewichtig werden.

Um alle potenziellen Investmentkandidaten zu überblicken und Entscheidungen auf einen klaren und wiederholbaren Prozess zu stützen, werten wir tausende von Unternehmenszahlenreihen computergestützt, das heißt quantitativ, aus. In dieser Analyse spielen Valuekriterien wie etwa KGV, Kurs-Cashflow, EBIT aber auch Sentimentsfaktoren
eine Rolle. Insgesamt gehen 22 Faktoren in ein Scoring Modell ein. Gute Firmen zeichnen sich zum Beispiel durch hohe und stabile Margen, attraktive Geschäftsmodelle, starke Wettbewerbspositionen, nachhaltige Ertragskraft, gesunde Bilanzen und eine nicht zu hohe Verschuldung aus. Auf Basis dieser Rahmendaten können wir
das Unternehmen bewerten und überlegen, welchen Preis wir für eine Beteiligung an den künftigen Erlösen zu zahlen bereit sind.

Unternehmerwerte gelten als verlässlich und damit auch für Anleger als attraktive Anlagevariante. Kann man diesen Grundsatz vor dem Hintergrund der gegenwärtigen (fiskal-)politischen Unsicherheiten in der Euro-Zone noch uneingeschränkt so stehen lassen?
Zunächst einmal zeigt die Historie eindrucksvoll, dass sich Familienunternehmen sehr erfolgreich – und losgelöst von temporären Krisen – behaupten können. Während z. B. das Familienunternehmen Henkel in der fünften Generation und 136 Jahre nach Unternehmensgründung in diesem Jahr die besten Geschäftsergebnisse seit Bestehen verkünden konnte, war die Währung in Deutschland im gleichen Zeitraum bereits zweimal wertlos geworden. Vor dem Hintergrund aktuell historisch niedriger Verzinsungen an den Anleihemärkten mit negativen Realrenditen bieten unseres Erachtens Investments in gut und solide geführte Familienunternehmen mit ausgereiften Geschäftsmodellen einen sehr guten Schutz vor den aktuellen Unsicherheiten in der Eurozone. Außerdem bieten sie als eine Art der Sachwertanlage einen effizienten Schutz bei eventuell möglichen Inflationsgefahren, die derzeit von Finanzexperten diskutiert werden.

Inwiefern beeinflusst die Eurokrise Ihre Investmentenscheidungen – sind Unternehmen aus Südeuropa für Sie derzeit überhaupt interessant?
Unser Investmentprozess verfolgt einen stringenten, quantitativ orientierten Bottom-up Ansatz, so dass sich jede einzelne Aktie in einem monatlich regelmäßig stattfindenden Aktienscreening qualifizieren muss. Da wir ein breites europäisches Aktienportfolio mit börsennotierten Familienunternehmen abbilden wollen, spielt die länderspezifische Herkunft der qualifizierten Aktie zunächst einmal keine Rolle. So kann sich jederzeit ein Familienunternehmen z. B. auch aus Spanien oder Italien qualifizieren – per 31.05.2012 befinden sich 3 spanische Werte und 3 italienische Werte im Portfolio –, selbst wenn die Länder für sich genommen kritisch betrachtet werden. Entscheidend ist, dass sich die untersuchten Familien-AGs, in dem von GS&P entwickelten Aktienscreeningprozess als attraktiv herausstellen müssen. Richtig ist jedoch auch: Sollte sich durch den Einfluss der Eurokrise der Aktienmarkt eines bestimmten Landes besonders stark in Mitleidenschaft gezogen werden, werden sich die entsprechenden Familienaktien aus diesem Land dem allgemeinen Trend nicht unbedingt entziehen können. In ausgesprochen kritischen Marktlagen wird das Fondsmanagement dann situationsbedingt und konsequent reagieren. Dominanter für unseren Aktienauswahlprozess ist jedoch die überzeugende Qualität der einzelnen Aktie und nicht die makroökonomische Situation eines Landes.

Stichwort Eurokrise: Sparkurs oder Wachstum – welches Konzept kann Ihrer Meinung nach den Euro eher stabilisieren?
Eine klare Antwort: Nur eine sinnvolle Kombination aus beiden Strategien kann die europäische Währung stabilisieren. Gefährdete Volkswirtschaften, die ausschließlich „auf Pump“ weit über Ihre Verhältnisse leben, müssen unbedingt effiziente Sparmaßnahmen ergreifen und umsetzen, um einer staatlichen Insolvenz entgegenzuwirken. Dies darf jedoch nicht in das Austrocknen der Arbeitsmärkte mit sozial unverträglichen Arbeitslosenraten münden, in deren Folge bedeutende Nachfragemärkte langfristig wegbrechen. Deshalb sind Wachstumsimpulse und durchdachte Investitionsanreize sinnvoll und wichtig. Allerdings können staatlich induzierte, aber temporär durchaus erfolgreiche Konjunkturprogramme immer nur Notmedizin sein, denn der Staat wird seinen Haushalt nach der Krise schnell konsolidieren müssen.

Herr Zinn, vielen Dank für das Gespräch!
18.06.2012,

Bei Fragen und Anregungen zu diesem Artikel schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an die redaktion@fondsdiscount.de oder rufen uns unter der Service-Nummer 030 2757764-00 an. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.


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