FondsDISCOUNT.de: Herr Longchamp, zuerst die Frankenfreigabe, dann der EZB-Entscheid zum massenhaften Ankauf von Staatsanleihen – die Märkte sind derzeit sehr turbulent. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage?
Yves Longchamp: Der Januar war tatsächlich ziemlich turbulent. Die SNB-Entscheidung, die Minimum-Wechselkurspolitik aufzugeben, war unerwartet und führte zu einer starken Preiskorrektur der Vermögenswerte. Mit Blick auf die EZB wurde Quantitative Easing (QE) bereits seit einigen Monaten erwartet, nur die Modalitäten waren noch unbekannt. Das bereits in Angriff genommene QE ist breit gefächert und könnte einen positiven Einfluss auf die Renten- und Aktienmärkte haben.

Der Euro befindet sich im Sinkflug, der Dax feiert neue Höchststände – wird das so bleiben?
Yves Longchamp: Die Bewegungen des Dax und des Euros sind das direkte Resultat des QE-Programms der EZB. Der Wert des Euros ist geschwächt und die Zinsraten sind auf absehbare Zeit auf einem niedrigen Level, was die einheitliche Währung aus Investitionssicht allerdings nicht weniger attraktiv macht. Betrachtet man die deutschen Firmen, so sind reichlich Liquidität und ein schwacher Euro gute Zutaten, um die Profitabilität einer höchst wettbewerbsfähigen Wirtschaft zu verbessern. Daher denken wir, dass der Dax weiterhin gut abschneiden wird.

Was erwarten Sie für das Börsenjahr 2015?
Yves Longchamp: Mit der bemerkenswerten Ausnahme der Fed, von der angenommen wird, dass sie die Geldpolitik wieder normalisiert, erwarten wir von allen anderen großen Zentralbanken lediglich eine gewisse Zurückhaltung. Es wird weltweit ausreichend Liquidität geben und die Zinsen werden weiterhin auf einem historischen Tief bleiben. Zudem reduziert der dramatische Fall des Ölpreises den Inflationsdruck und stellt zwischenzeitlich ein Extra-Willkommensgeld für die Konsumenten bereit. Das sind doch, alles in allem, gute Neuigkeiten für die Finanzmärkte.

Ein Blick auf die aktuellen Marktgegebenheiten: Wie bewerten Sie die Anleiheankäufe der EZB und worauf sollten sich Anleger in diesem Jahr einstellen?
Yves Longchamp: Die Entscheidung der EZB, ein großes Aufkaufprogramm einzuleiten, ist unseres Erachtens sehr positiv zu bewerten – da dieses zu einer weiteren Konvergenz der Zinssätze in der Eurozone führen wird. Aus Anlegersicht macht das sehr niedrige Renditeumfeld Staatsanleihen insgesamt risikoreicher. Die Verbindung niedriger Zinsen mit Liquidität im Überfluss, einem schwachen Euro und sich verbessernden wirtschaftlichen Aussichten sollte sich vor allem günstig auf Aktien auswirken.

Herr Steffen – Sie verstärken erst seit kurzem das Fondsmanagement-Team von ETHENEA. Was zeichnet Ihre Arbeit aus – gibt es eine besondere Investmentphilosophie?
Peter Steffen: Ich bringe aus meinen Jahren bei der DWS eine grundsätzlich sehr konservative Investmentphilosophie mit, die gut mit den Prinzipien der Ethna Funds im Einklang steht. Drei wichtige Aspekte will ich Ihnen kurz aufzeigen:
Erstens möchte ich das Kapital der Investoren erhalten. Bei jedem Investment lautet die erste Frage, dich ich mir stelle, also nicht „Wieviel kann ich verdienen?“, sondern „Wieviel könnte man schlimmstenfalls verlieren?“ Natürlich bin ich bin ich bereit, Risiken einzugehen, aber eben nur dann, wenn das Verlustrisiko überschaubar ist und in einem angemessenen Verhältnis zur möglichen Rendite steht.
Zweitens bevorzuge ich meistens eher Unternehmen mit einfachen Geschäftsmodellen, stabilen Cash Flows und niedriger Verschuldung. Langfristig sind dies fast immer die besseren Investments, auch wenn vieles auf den ersten Blick langweilig erscheinen mag. Seltsamerweise haben viele andere Investoren ein Faible für komplizierte oder besonders verrückte Stories, was ich nicht nachvollziehen kann.
Und drittens versuche ich den Markt möglichst emotionslos zu betrachten. Das heißt, nicht nur zu versuchen, sich von den täglichen Herdentrieben zu befreien sondern auch Vorurteile gegenüber bestimmten Branchen abzulegen und alles stets mit einem frischen Blick zu sehen. So bleibt man flexibel. Geld verdienen kann man mit vielen Dingen, wenn sie nur günstig genug sind – andererseits sollte man gute Papiere verkaufen, wenn die Bewertungen zu hoch gestiegen sind. Mit dieser Philosophie wird man weder in jedem Jahr spektakuläre Renditen erzielen noch immer den populären Zeitgeist treffen, dafür aber langfristig gute und stabile Ergebnisse im Interesse der Kunden erzielen können.

Herr Steffen, Sie managen den Ethna-DYNAMISCH. Wie sieht Ihre Anlagestrategie aus?
Peter Steffen: Der Ethna-DYNAMISCH ist ein vermögensverwalteter Mischfonds, der sich an durchaus risikofreudigere Anleger richtet. Der Schwerpunkt des Fonds liegt im Aktienbereich, wo der Fonds bis zu 70 Prozent investieren kann. In der Praxis heißt das, dass sich die Aktienquote unter normalen Umständen um etwa 60 Prozent bewegen dürfte und weitere rund 30 Prozent in Anleihen investiert sind. Auf der Aktienseite werde ich auch weiterhin meinen in der Vergangenheit erfolgreich umgesetzten Value-Ansatz verfolgen, bei dem ich zwischen 30 und 40 Einzeltitel aus verschiedenen Regionen und Branchen kombiniere. Dabei suche ich vor allem nach Werten mit hohen Free Cash Flows relativ zum Unternehmenswert. Die Anleiheposition dient hingegen zur Streuung der Aktienrisiken und ist daher grundsätzlich eher konservativ aufgestellt. Sie erlaubt aber auch, aktiv Chancen im Anleihemarkt wahrzunehmen, wenn sich entsprechende Gelegenheiten bieten. Im Gegensatz zu anderen Fonds hedgen wir Währungsrisiken stärker und behalten uns auch vor, beispielsweise die Aktienquote taktisch abzusichern, um die Volatilität des Fonds möglichst gering zu halten.

Herr Stefanetti – auch Sie sind seit Kurzem Mitglied des Fondsmanagement-Teams von ETHENEA. Wie lautet nun ihre Anlagephilosophie?
Daniel Stefanetti: Ich habe in meiner 25-jährigen Berufserfahrung sowohl auf der Aktien- als auch auf der Anleiheseite gearbeitet. Dies ist gerade bei vermögensverwalteten Multi-Asset-Fonds ein Plus, da deren Gewinnchancen sich gerade durch die optimale Mischung der verschiedenen Anlageklassen erhöhen. Hierbei lege ich großen Wert auf die Grundphilosophie von ETHENEA, die auf einen Vermögensaufbau bei niedriger Volatilität abzielt. Im Investitionsprozess verfolge ich eine holistische Vorgehensweise: Gestützt auf makroökonomische Datenpunkte wird zuerst die Asset Allocation definiert, um dann bottom-up die einzelnen Werte auszuwählen. Ich greife aber auch gerne auf Futures zurück, um global eine ganze Hausse „einzufangen“ oder bestehende Positionen abzusichern. Mir wächst kein Wert ans Herz, ändert sich etwas Grundlegendes an einem Wert, muss man sich auch trennen können. Auch das Währungsrisiko wird konsequent verwaltet.

Herr Stefanetti, als Manager des Ethna-DEFENSIV investieren Sie hauptsächlich in Rentenpapiere. Lassen sich damit derzeit überhaupt attraktive Renditen erzielen?
Daniel Stefanetti: Es ist klar, dass wir im europäischen Raum im Core-Bereich am Ende eines säkularen Trends angelangt sind. 1981 gab es für zehnjährige US Treasuries knapp 16 Prozent und 1990 für zweijährige Schatzanweisungen immerhin noch neun Prozent Heute stehen auf diesen kurzen deutschen Anleihen negative Renditen. Man muss sich also als Renteninvestor breit aufstellen. Ich glaube aber, dass es noch viele Möglichkeiten gibt, attraktive Renditen zu erreichen, zum Beispiel in Unternehmensanleihen, die aber nicht unbedingt in Euro emittiert sein müssen. So haben wir heute zum Beispiel einen Spread von über 150 Basispunkten zwischen Euro- und USD-Anleihen im zehnjährigen Bereich. Natürlich gilt es dort, das Währungsexposure zu managen, doch seit geraumer Zeit hat man gerade bei Unternehmensanleihen wieder höhere Credit Spreads als im Euro-Raum.
Bei der letzten Zinshausse der Fed unter Greenspan, mit 17 sukzessiven Schritten, hat sich das lange Ende der USD-Kurve als sehr elastisch bewiesen. Auch im Euro-Raum ergeben sich immer noch Opportunitäten. Wir glauben, dass das gerade von der EZB angekündigte QE die Peripherie substanziell unterstützen wird und zu einer Verstärkung der Konvergenz hin zum Core führen dürfte. Natürlich werden die Kursschwankungen zunehmen. Allerdings sehen wir sogar Chancen mit den neuen Bankenregularien unter Basel III oder dem TLAC.
Durch die Entwicklung des Zinsniveaus in Europa werden zudem viele ältere, länger ausstehende Anleihen teuer für die Emittenten, da diese noch die alten Zinszahlungen leisten müssen. Entsprechend werden die Emittenten versuchen, diese zu tendern, das heißt den Haltern der Anleihe ein Umtauschangebot gegen eine neue Anleihe mit niedrigerem Zins- und Kuponaufwand zu unterbreiten. Es wird ganz sicher ein überaus spannendes Jahr.

Wir haben über den Ethna-DYNAMISCH und den Ethna-DEFENSIV gesprochen, als Flaggschiff der Ethna Funds ist auch der Ethna-AKTIV Anlegern ein Begriff. An welche Anlegertypen richtet sich dieser Mischfonds?
Daniel Stefanetti: Als ausgewogener Vermögensverwaltungsfonds spricht der Ethna-AKTIV vor allem Anleger an, die auf Stabilität, Kapitalerhalt und Liquidität des Fondsvermögens setzen und einen angemessenen Wertzuwachs erreichen möchten. Wie bei allen Ethna Funds sind auch hier die obersten Ziele des Fondsmanagements, unnötige Risiken zu vermeiden und eine geringe Volatilität zu erzielen. Die stabile Wertentwicklung des Fonds über die letzten 13 Jahre zeigt, dass sich diese Anlagestrategie gut bewährt hat.

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch!

Zu den Interviewpartnern:
Yves Longchamp, Head of Research bei ETHENEA Independent Investors (Schweiz) AG
Peter Steffen, Portfolio Manager der Ethna Funds
Daniel Stefanetti, Portfolio Manager der Ethna Funds

Ausführliche Hinweise zu Chancen und Risiken entnehmen Sie bitte dem letztgültigen Verkaufsprospekt. Maßgeblich sind die Angaben im Verkaufsprospekt sowie der aktuelle Halbjahres- und Jahresbericht. Die Wesentlichen Anlegerinformationen, den Verkaufsprospekt sowie die Berichte in deutscher Sprache erhalten Sie kostenlos bei der Verwaltungsgesellschaft ETHENEA Independent Investors S.A., 9a, rue Gabriel Lippmann, L-5365 Munsbach oder bei der DZ BANK AG, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Platz der Republik, D-60265 Frankfurt am Main.