Verwaiste Büros und ein boomender Gesundheitsmarkt


Leere Büros, geschlossene Geschäfte und Restaurants, die für immer ihre Türen schließen – die Corona-Pandemie hat viele in eine existenzielle Krise getrieben. Ausfallende Auftritte haben Kleinkünstlern zugesetzt, Kurzarbeit zieht sich durch alle Sparten, die direkt am Menschen arbeiten, und auch das verarbeitende Gewerbe litt unter den Maßnahmen gegen das Virus. Darüber hinaus schwächelten die Reise- und Luftfahrtbranche. In anderen Bereichen konnte das Berufsleben umgestaltet werden. Büros schickten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice und der Einzelhandel verlegte sein Geschäft mehr und mehr auf den Onlinehandel. Digitale Lösungen gewannen während der Pandemie schlagartig an Bedeutung. Der plötzliche digitale Aufschwung öffnet auch kleineren Firmen große Wachstumschancen. Ein Beispiel ist das Unternehmen Rooom aus Jena, die sich auf dreidimensionale virtuelle Lösungen wie virtuelle Showrooms spezialisiert haben. Wie der mdr berichtet, baut das Unternehmen nun Standorte in den USA, München und Berlin aus.


Ein weiterer großer Gewinner ist die Biotech-Branche. Die neu entwickelten Impfstoffe brachten Unternehmen wie BioNTech, Pfizer, Moderna und AstraZeneca Rekordgewinne und der Branche ein hohes Prestige ein. Mit den Gewinnen können die Unternehmen an neuen Medikamenten arbeiten, die in Zukunft weitere Gewinne bedeuten könnten. Auch Apotheken und Hersteller von Schutzkleidung im Gesundheitswesen profitierten von der Krise. Produzenten von Desinfektionsmitteln kamen mit der Produktion kaum hinterher. Die Aktien der Hersteller Reckitt Benckiser, Paul Hartmann und Clorox zogen zu Beginn der Pandemie stark an, wie der Spiegel erklärt. Auch Unternehmen, die das Leben zu Hause versüßen, gehörten zu Beginn der Pandemie zu den Gewinnern. Dazu zählen vor allem Streaming-Dienste wie Netflix. Letzterer erlebte während der Lockdowns einen wahren Höhenflug. Die Aktie stieg zuletzt im November 2021 stark an, um dann jedoch in einen Steilflug abwärtszufallen. Den letzten Tiefpunkt erreichte die Aktie zwischen April und Mai. Für den Einbruch seien verfehlte Erwartungen verantwortlich, die durch schrumpfende Abonnentenzahlen verursacht werden, wie The Motley Fool erklärt. 


Konjunktur in Kriegszeiten


Der Krieg hat mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine Europa erreicht und eine handfeste Krise ausgelöst. Über die humanitäre Katastrophe hinaus hat der Krieg Spuren hinterlassen: In Supermarktregalen fehlte nach Hamsterkäufen jede Spur von Sonnenblumenöl; auch Nudeln, Reis und Mehl gerieten ins Visier der Einkäufer. Lieferketten gerieten ins Stocken, hemmen die Produktion und verteuern die Preise. Die hohen Energiekosten sorgen dafür, dass die Bürger an anderer Stelle sparen und weniger Geld für „Luxus“ ausgeben. Eine Branche kann sich durch den Krieg durchaus als Gewinner betrachten: Die Rüstungsbranche freut sich derzeit über mehr Aufträge (die auch mit dem Sondervermögen für die Bundeswehr bezahlt werden) und über ein höheres Prestige. Investitionen in die Rüstungsindustrie waren bislang eher verpönt, jetzt wendet sich das Blatt und sogar die Grünen stimmen für Waffenlieferungen an die Ukraine.


Akku leer … Deutschland in der Energiekrise


Für Strom, Gas und Öl zahlen Verbraucher aktuell deutlich mehr als noch vor Ausbruch des Krieges. Die Abhängigkeit von russischem Gas wird nun in aller Deutlichkeit spürbar. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk erklärt Wirtschaftsweise Veronika Grimm, dass nur der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien die Preise wieder einfangen könne. Diese Einsicht scheint auch bei den Verbrauchern angekommen zu sein: Das Hamburger Meinungsforschungsinstitut Appino hat eine Umfrage unter Hausbesitzern durchgeführt. Die Studie ergab, dass 25 Prozent der deutschen Hausbesitzer im Jahr 2022 eine Photovoltaikanlage installieren wollen. Die Branche boomt, dabei schaffen die Photovoltaikfirmen es nicht, alle Aufträge zu erfüllen. Die starke Nachfrage gepaart mit Lieferengpässen (ausgelöst durch die Corona-Pandemie) hat die Preise für die Solarmodule steigen lassen, wie die Tagesschau berichtet. Dem Run auf Photovoltaikanlagen tut das keinen Abbruch. Der SWR berichtet von einem Ulmer Unternehmen für Solaranlagen, das eine lange Warteliste habe. Der Firmenchef nennt als Gründe dafür die hohen Energiepreise, aber auch den Wunsch nach Unabhängigkeit vom Gas. Darüber hinaus verpflichtet das Land Baden-Württemberg seit Mai 2022 alle neuen Häuslebauer zum Einbau einer Photovoltaikanlage. Allgemein hat die Krise seit Ausbruch des Krieges für ein Umdenken gesorgt: Atomkraft ist als Übergangslösung beinahe salonfähig und die erneuerbaren Energien erhalten einen Aufwind wie nie zuvor. Energieriese RWE kündigte jüngst an, den Ausbau der Erneuerbaren massiv forcieren und aus der Braunkohle bereits 2030 auszusteigen zu wollen – acht Jahre vor dem eigentlich geplanten Ausstieg.


Die Gewinner der Krisen


Zu den Gewinnern der Krisen zählen die Branchen Biotechnologie, Rüstung und Digitalisierung. Die Energiebranche erlebt viele Umwälzungen, gehört aber ebenso zu den Gewinnern. Anleger, die in die genannten Branchen investieren wollen, können sich folgende Fonds ansehen:


Der Candriam Equities L Biotechnology (ISIN: LU0108459040) ist ein thesaurierender Biotechnologiefonds, der in der ganzen Welt investiert. Der Fokus liegt auf Unternehmen, die neue Medikamente entwickeln. Dafür untersucht das Fondsmanagement klinische Daten über Produkte in der Entwicklungsphase. Der sparplan- und VL-fähige Fonds hat mehrere Euro Fund Awards gewonnen und freut sich über ein gutes Lipper Leaders Rating. Die meisten Unternehmen im Portfolio kommen aus den USA. Zu den Top-Holdings gehören Regeneron Pharmaceuticals, Gilead Sciences Inc. sowie Vertex Pharmaceuticals. Auch AstraZeneca befindet sich unter den Top-Ten des Portfolios.


Im BlackRock Global Funds - World Energy Fund (ISIN: LU0171301533) dreht sich alles um Energie. Der thesaurierende Aktienfonds investiert in der ganzen Welt in die Branchen Energie und Rohstoffe. Die Mehrheit der Unternehmen kommt aus den USA. Ziel des Fondsmanagements ist ein maximaler Gesamtertrag. Um das zu erreichen, wird das Fondsvermögen primär in Unternehmen angelegt, die sich auf die Energiegewinnung, Erschließung neuer Energiequellen und Energieversorgung spezialisiert haben. Die am stärksten gewichteten Titel im sparplan- und VL-fähigen Fonds kommen aktuell von ConocoPhillips, Shell und ExxonMobil. Der Fonds überzeugt in der Krise mit einer attraktiven Performance über dem Sektordurchschnitt.


Der Fidelity Funds - Global Technology Fund (ISIN: LU0099574567) kümmert sich um das weite Feld der Digitalisierung. Die am stärksten vertretenen Branchen des ausschüttenden Fonds sind Informationstechnologie und Telekommunikationsdienstleister. Der beliebte Fonds hat bereits drei goldene und einen silbernen Euro Fund Award gewonnen und strebt ein langfristiges Kapitalwachstum an. Dafür legt das Fondsmanagement mindestens 70 Prozent des Fondsvermögens weltweit in Technologieunternehmen oder Unternehmen, die vom technologischen Fortschritt profitieren, an. Die Top 3 im Portfolio kommen aktuell von Microsoft, Apple und Amazon. Die Performance des Fonds liegt über nahezu alle Zeiträume weit über dem Sektordurchschnitt.