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Silikon und Botox Neuer Gesundheitsfonds setzt auf Nischen

Silikon und Botox Foto: © / DragonImages / Fotolia Der Gesundheitssektor bietet zahlreiche Möglichkeiten, um zu investieren.

Der Steady HealthCare der Münchner Fondsboutique nova ist ein bisschen exotischer als die üblichen Gesundheitsfonds. Denn statt auf die „Massenmärkte“ Biotech oder Pharma zu setzten, investiert das Management lieber in untypische Subindustrien.


Während typische Gesundheitsfonds etwa zwei Drittel ihres Volumens in Biotechnologie- und Pharma-Aktien stecken, schließt das Fondsmanagement des Steady HealthCare Biotech-Titel kategorisch aus: „Wir investieren nicht in Biotech- oder klassische Pharmaunternehmen, sondern konzentrieren uns auf die Auswahl von besonders stetigen Geschäftsmodellen aus tendenziell vernachlässigten Bereichen des weltweiten Gesundheitssektors“, sagt Oliver Kämmerer, geschäftsführender Gesellschafter bei nova, einer Fondsboutique, die auf Healthcare und den Gesundheitssektor spezialisiert ist.

Nur ein kleiner Teil des Volumens ist in Pharmazie-Aktien investiert – jedoch in recht untypische Vertreter, die im Vergleich zur üblichen Pharma-Branche auch eher untypische Produkte herstellen, wie etwa Botox-Spritzen, Silikonimplantate, Generika oder Tiermedikamente.

Der Großteil des Portfolios konzentriert sich aber auf andere Bereiche: Neben den beiden Riesen, Biotechnologie und Pharmazie, gibt es im Gesundheitssektor nämlich noch acht weitere Subindustrien. Diese werden zwar manchmal vernachlässigt, bieten aber attraktiven Renditechancen bei unterproportionalem Risiko. Diese „verborgenen Schätze“ sucht das Fondsmanagement ganz gezielt für den Steady HealthCare und investiert in Geschäftsmodelle mit Wachstumsperspektive wie etwa Hersteller von Brillengläsern, Hörgeräten, Zahnimplantaten, Diagnostika, Krankenhaus- und Pflegeheimbetreiber, Krankenversicherer, Generika, Medizintechnik, aber auch Ästhetik &Lifestyle.

Einige Weitere Preistreiber mögen europäische Anleger noch etwas überraschen, in den Vereinigten Staaten sind sie schon lange Trend: Krankenhäuser für Tiere. Die Aktie des Tierhospital-Betreibers VCA Antech („Woof“ im NASDAQ) stieg in den vergangenen fünf Jahren um satte 388 Prozent. „Es gibt heutzutage viel mehr kinderlose oder Single-Haushalte und ältere, alleinstehende Menschen. Dieses führt zwangsläufig zu einer Zunahme von Haustieren. Für diese wird natürlich auch medizinisch gesorgt und somit mehr Geld ausgegeben. Es muss wirklich nicht immer Biotech sein“, so Kämmerer.

Fokus auf den USA
Es wundert nicht, dass der Anlageschwerpunkt des Fonds nach Ländern klar in den USA liegt. Doch auch deutsche Unternehmen könnten für das Fondsmanagement interessant sein – hier vor allem in der Medizintechnik und Betreiber von Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

Das Anlageuniversum für den Steady HealthCare (ISIN: DE000A1145J0) bilden rund 1.600 „untypische“ Gesundheitsaktien, doch nur zwanzig bis dreißig schaffen es ins Portfolio. „Die Grenze ist starr, sonst kommen irgendwann laufend neue Titel dazu und das Portfolio umfasst irgendwann achtzig bis hundert Titel, wie bei den gängigen Gesundheitsfonds. Wir grenzen uns hier bewusst von den Mitbewerbern ab. Außerdem schaffen es nur wenige Aktien, den hohen Qualitätsanforderungen des Fonds zu genügen“, so Kämmerer.

Die Zukunftsaussichten für den Gesundheitssektor scheint äußerst rosig: „Laut Schätzungen der OECD wachsen die Gesundheitsausgaben schneller als das Bruttoinlandsprodukt. „Auf diesen Prognosen aufbauend erwarten wir – selbst unter Annahme von Kosteneinsparungen – eine etwas mehr als eine Vervierfachung der Gesundheitsausgaben in den Jahren 2010 bis 2060, ohne den Einsparungen sogar eine Versechsfachung. Das globale BIP wächst im Vergleichszeitraum aber nur um den Faktor 2,7.“

Neu auf dem Markt
Ein weiterer Pluspunkt für Kämmerer: „Der ganze Gesundheitsbereich ist relativ konjunkturabhängig. Zudem basiert er auf konstanten Treibern.“ Dazu zählen mehrere Megatrends, die den Effekt noch verstärkten wie das Bevölkerungswachstum, die fortschreitende Alterung, medizinische Innovationen, der Aufbau der Gesundheitssysteme in den Schwellenländern und die Verwestlichung des Lebensstils. Anfang Oktober 2016 haben Forscher des Albert Einstein College of Medicine in New York einen Beitrag im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht, indem die Wissenschaftler sogar davon ausgehen, dass der Mensch sogar maximal bis zu 125 Jahre alt werden kann. Die Untersuchung ergab weiter, dass die Zahl der Hundertzehnjährigen oder noch Älteren bis in die Neunzigerjahre gestiegen ist, seitdem stagniert sie. So kann davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen weiterhin steigen wird. Diese Konjunkturunabhängigkeit macht auch das Wachstum sehr kontinuierlich.

Der Steady HealthCare wurde erst am 1. April 2015 aufgelegt und hat aktuell ein Volumen von rund 33 Millionen Euro. Daher ist es zu früh, nur auf die Performance zu schauen. Zu Jahresanfang hat der Fonds wie fast alle Aktienfonds deutlich verloren. Der Fonds schlug in den zwölf Monaten seit Auflage am seinen Vergleichsindex (MSCI World Health Care) um rund 3,6 Prozent, und dies bei einer um etwa 3 Prozent geringeren Volatilität. Das Fondskonzept richtet sich laut Emittent an Anleger, die auf risikoaverse Weise am Renditepotenzial des Aktienmarkts partizipieren wollen und mit einem Zeithorizont von mindestens drei Jahren planen.
20.10.2016,

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