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Commerzbank Rohstoff-Preise sind „übertrieben“ niedrig

Commerzbank Foto: © / alexlmx / fotoliaVerbraucher und Unternehmen freuen sich über die niedrigen Rohölpreise.

Die Rohstoffpreise an den Finanzmärkten unterschreiten die Produktionskosten teilweise um 30 Prozent. Diese unrealistisch niedrigen Preise nimmt die Commerzbank zum Anlass, ihre Rohstoff-Positionen strategisch aufzubauen.


Die Rohstoff-Baisse hält nun schon über 18 Monate an. Bei der Entwicklung der Preise schauen Analysten zu aller erst aufs Öl. Ein massives Überangebot hält die Ölpreise derzeit niedrig. Für ein Barrel der Sorte Brent bezahlt man derzeit etwa 35 US-Dollar, die Sorte WTI pendelt um ein Niveau von etwa 33 Dollar. Damit haben sich die Preise von ihrem Tiefststand Anfang Februar wieder erholt, als sogar die Marke von 30 Dollar unterboten wurde. Ist das nur eine kurze Verschnaufpause vom Ölpreisverfall oder zeichnet sich eine Bodenbildung ab? Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Während die US-Investmentbank Morgan Stanley davon ausgeht, dass die Preise bis auf ein Niveau von 20 Dollar fallen können, gibt es auch zahlreiche Faktoren, die gegen einen weiteren Preisverfall sprechen. Zum Beispiel nutzt die Commerzbank die niedrigen Preise und baut ihre Rohstoffpositionen strategisch aus.

Grund für diese Strategie ist auch die anhaltende Schwäche an den globalen Aktienmärkten. Fondsmanager suchen händeringend nach alternativen Investmentmöglichkeiten, um der hohen Volatilität an der Börse zu entfliehen. Der schlechteste Börsenstart der Geschichte macht Rohstoffe im Jahr 2016 also wieder attraktiver. Rohstoffe haben eine geringe Korrelation zu Aktien, Renten und Währungen und eignen sich daher zur Diversifikation und zur Risikoabsicherung. Am Eindrucksvollsten lässt sich das an der Entwicklung des Goldpreises ablesen, der seit Jahresbeginn um 16 Prozent gestiegen ist, während der Deutsche Leitindex vergleichbar viel verloren hat.

Doch das ist nicht der einzige Grund für einen Ausbau der Rohstoffpositionen: Für das Jahr 2016 rechnet das Fondsmanagement der Commerzbank mit steigenden Rohstoffpreisen, da die Produktion bei gegenwärtigen Preisen vielfach nicht mehr rentabel ist. Die Ölproduktion der OPEC-Staaten und der USA sind weiterhin extrem hoch. Das bedroht die Existenz zahlreicher Ölunternehmen. Doch es findet bereits ein Umdenken statt. Saudi Arabien und Russland signalisierten die Bereitschaft, ihre bereits extrem hohen Förderniveaus nicht weiter auszubauen. Das ist noch lange keine Senkung der Ölförderung, die dazu beitragen könnte, das Überangebot des schwarzen Goldes auf dem Weltmarkt abzubauen, aber immerhin ein Anfang. Jetzt müssen noch die Länder Iran, Irak und die USA dem Beispiel von Russland und Saudi Arabien folgen.


Wann kommt das Ende des Preiskampfes?
Sollte die OPEC alle großen Ölproduzenten der Welt zu einer konzertierten Aktion bewegen können, dann sind die Zeichen für steigende Ölpreise nicht schlecht. In solch einem Marktumfeld könnten auch die Preise für Industriemetalle wieder ansteigen, die stark mit den Ölpreisen korrelieren. Steigende Industriemetallpreise wiederum sind gute Nachrichten für Minenunternehmen, die ihre Produktionskosten dann wieder decken könnten. Die Commerzbank glaubt an solch ein Szenario und erhöhte deshalb die Gewichtung der beiden wichtigsten Ölsorten WTI und Brent in ihrem Rohstoff Strategie Fonds auf 13 Prozent (WKN: CDF1RS).

Denn eine weitere Eskalation der Rohstoff-Baisse wird für alle Marktteilnehmer schmerzhaft und teuer. Auch für die vermeintlich langatmige OPEC, die bislang versuchte ihre Konkurrenten mit Kampfpreisen aus dem Markt zu drängen. Mehreren Medienberichten zufolge wäre sogar das ölreiche Saudi Arabien bei diesen Kampfpreisen in binnen weniger Jahre zahlungsunfähig. Lange kann der Ölpreis also nicht mehr auf diesen historisch tiefen Ständen verharren. Investitionen in die Ölförderung haben der Commerzbank zufolge in 2015 um 20 Prozent abgenommen. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für dieses Jahr mit ähnlichen Werten. Das betrifft jedoch zunächst das Schieferöl in den USA. Seit Jahresbeginn sind die Ölbohrungen dort um mehr als 60 Prozent zurückgegangen.

Die Rohstoff-Strategen von der Commerzbank haben diese Entwicklung antizipiert und konnten bereits in den ersten Monaten des Jahres 2015 Gewinne mitnehmen. Die Cash-Quote des Rohstoff-Strategie-Fonds stieg im Juli vergangenen Jahres in der Folge auf 30 Prozent an. Den größten Abverkauf gab es bei den Industriemetallen Platin (-10 %) und Palladium (-7,5 %). Zum Ende des Jahres wurde die Rohstoffquote dann wieder auf über 90 Prozent erhöht. Der Anteil der Industriemetalle wurde von 20 auf 26 Prozent gesteigert, da die Preise teilweise 30 Prozent unter den Grenzproduktionskosten lagen.

Die Zukäufe bei den Industriemetallen werden auch dadurch begründet, dass die Commerzbank die Sorgen vor einem Konjunktur-Crash in China als übertrieben einschätzt. Vielmehr werde sich die Wachstumsdynamik in China kontrolliert abschwächen. Zahlreiche Infrastruktur-Maßnahmen, wie der geplante Ausbau des Strom-und Schienennetzes, sprächen sogar für eine anhaltend robuste Metallnachfrage, heißt es in dem Marktausblick der Commerzbank.

Das Risikomanagement des Commerzbank-Fonds Rohstoff Strategie kommt dabei nicht zu kurz. Der Fonds kann sich komplett aus dem Rohstoff-Segment zurückziehen. Das frei werdende Kapital wird dann am Geldmarkt angelegt. Ferner darf ein einzelner Rohstoff darf den Anteil von 15 Prozent des Kapitals nicht übersteigen. Das Team der Commerzbank gehört zu den renommiertesten Experten in Deutschland im Bereich Rohstoffe. Ihre Strategie gibt den Fondsmanagern recht: Der Fonds schneidet in seiner Peer-Group seit Auflage überdurchschnittlich gut ab (siehe Chartbild).


21.01.2016,

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