Martin Winterkorn ist am Mittwochabend als Chef des größten deutschen Konzerns zurückgetreten. Die VW-Aktie stürzte zuvor ab, weil VW in US-Dieselfahrzeugen nachweislich Emissionswerte gefälscht hat. Der Skandal kann für VW aber noch zu einer viel größeren Katastrophe werden. VW droht in den USA eine Bußgeldstrafe von bis zu 18 Milliarden Dollar. Die Aufsichtsbehörden in der EU und in Asien haben eine Überprüfung der Emissionswerte angekündigt. Verkehrsminister Alexander Dobrindt verkündete zudem am Donnerstag, dass VW auch in Europa die Emissionsdaten von Fahrzeugen mit 1.6 und 2.0 Liter Dieselmotoren gefälscht habe.

Analysten zufolge kann der VW-Emissionsskandal eine neue Automobilkrise auslösen, die auch die Mitkonkurrenten Daimler und BMW treffen könnte. Auto Bild berichtet bereits, dass giftige Stickoxide des BMW X3 xDrive 20d den Euro-6-Grenzwert laut Straßentest des ICCT um mehr als das 11-fache übersteigen.

Ein weiteres Anzeichen für einen Abwärtstrend ist die starke Abhängigkeit deutscher Autobauer von den Absatzmärkten in China und den USA sowie Überproduktion bei einer gleichzeitig sinkenden Nachfrage an neuen Fahrzeugen. Sollten die Absatzmärkte in den USA und in China einbrechen, könne das auch die Autozulieferer und damit die gesamte Wirtschaftsleistung Deutschlands beeinträchtigen, sagte Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Automobilmarkt ist das Aushängeschild für den deutschen Export. Der Emissionsskandal wirft daher neue Fragen auf: Warum hat Volkswagen es nötig, die Emissionen in den USA zu fälschen? Liegt dahinter nur der ehrgeizige Anspruch, Toyota vom Autothron zu stürzen oder ist es der Ausdruck einer Panik bei VW, ohne Betrug keine wachsenden Absatzzahlen mehr generieren zu können? Die Aussage Winterkorns, er sei sich keiner Schuld bewusst, löst an den Finanzmärkten große Skepsis aus (siehe Video am Ende des Artikels). Der Ex-VW-Chef verlässt den Konzern Medienberichten zufolge voraussichtlich mit einer Pension von 32 Millionen Euro.

Automobilfonds in Schwierigkeiten
Für Aktienfonds, deren Investitionsschwerpunkt bei den deutschen Autobauern liegt, bedeutet der VW-Skandal im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld nichts Gutes. Der Lyxor ETF Stoxx Euro 600 Automobiles & Parts hat bereits im Vorfeld der Emissionsfälschungen deutlich verloren. Lyxor investiert zu etwa elf Prozent in VW Vorzugsaktien, die in den vergangenen Tagen stark eingebrochen sind. Der Hauptteil des Kapitals steckt in Aktien der Daimler AG (31,45%) und BMW (23,92%).

Der iShares STOXX Europe 600 Automobiles & Parts von BlackRock versucht ebenfalls, den Stoxx Europe 600 Index abzubilden und konzentriert sich auf europäische Automobilhersteller- und Zulieferer. Das VW-Exposure ist bei diesem Fonds sogar noch höher (23,45%), der Anteil der Daimler Aktien beträgt 29,18 Prozent, BMW ist mit 13,19 Prozent im Portfolio vertreten. Der Emissionsskandal hat hier deutliche Spuren hinterlassen.

In den letzten fünf Jahren konnten beide Fonds von einem hohen Absatz deutscher Autobauer in China und den USA profitieren (siehe Chartbild, oben). Sollte VW jedoch auch in Europa und Asien Emissionsdaten nachweislich gefälscht haben, könnte der Skandal den Konzern noch mehr Vertrauen der Anleger kosten.

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