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Deutsche A.M.-Interview Das Ende der Globalisierungs-Dividende wird kommen

Erdball und Business-Leute und Euro-Münzen auf Papier. Foto: © Ingo Bartussek / fotoliaGlobalisierung und Freihandel haben den Unternehmen auf der ganzen Welt hohe Gewinne eingebracht.

Klaus Kaldemorgen und Henning Potstada sprechen über den politischen Richtungswechsel in den USA und das Ende der Globalisierungs-Dividende. Bei aller Skepsis gibt für 2017 es aber noch genügend Gründe, warum investieren richtig Spaß machen kann.


FondsDISCOUNT:de: Die Deutschen sind noch immer nicht sehr investierfreudig. Was würden Sie Privatanlegern raten, die auch in einem Markt wie zum Beispiel Japan investieren möchten, aber sich überhaupt noch nicht auskennen?
Klaus Kaldemorgen: Ich würde nicht gerade in japanische Einzelwerte investieren (lacht), sondern vermutlich in Fonds. Anfängern kann man raten, mit einem Sparplan regelmäßig zu investieren. Vielleicht auch mit verschiedenen Produkten. Man muss dem Anleger auch nahebringen, dass nicht jeder Aktienmarkt das gleiche Risiko hat. Rohstoffe haben ein höheres Risiko als ein Nahrungsmittelwert. Man sollte außerdem nicht nur auf die Rendite schauen, sondern auch auf die Wertschwankungen. Multi Asset will neben einer Rendite auch Wertstabilität liefern.

Was mich an Japan fasziniert ist, dass es derzeit der Markt mit der niedrigsten Bewertung ist – nicht nur absolut, sondern auch gemessen an der Historie. In einigen Segmenten gibt es dort bereits eine sehr gute Dividendenrendite. Verbesserungen sind auch im Corporate Governance Bereich zu beobachten. Es ist klar, dass Japan ein demografisches Problem hat, es lebt stärker vom Export als andere Länder.

Henning Potstada: Die Frage ist deswegen so schwierig zu beantworten, weil es ja auch nicht den typischen Anleger gibt. Wer investieren möchte, sollte sich Segmente heraussuchen, die dem Risikoprofil des Anlegers entsprechen. Wer kurzfristig orientiert ist und Spaß daran hat, der kann auch in Rohstoffe und Japan investieren. Wenn man aber nachhaltig investieren will, entwickelt man mit der Zeit einen eigenen Anlagestil. Der Kern eines Portfolios sollte aus Multi Asset Produkten oder Aktien mit einer steigenden Dividende bestehen. Dazu muss man sich natürlich zunächst einmal die Dividendenhistorie anschauen.

Halten Sie Social Impact Investing und Corporate Governance für große Themen in den kommenden Jahren?
Klaus Kaldemorgen: Ja, unser Research beschäftigt sich intensiv mit dem Thema. Neben der wissenschaftlichen Seite muss Social Impact Investing aber auch vom Fondsmanager gelebt werden. Es gibt Investitionen, die man auf keinen Fall machen sollte. Dazu gehört zum Beispiel die Streumunition – wir haben keine Hersteller von solchen Waffen im Fonds. Auch Investitionen in Tabakunternehmen können kritisch gesehen werden. Wenn man diesen Gedanken aber konsequent fortführt, kommt man schnell in Schwierigkeiten: Was ist denn dann mit Herstellern von Zucker, Schokolade und Wein? Corporate Governance offenbart sich bei der Analyse eines Unternehmens: Ein schlechtes Unternehmen braucht man nicht ins Portfolio zu nehmen. Dafür gibt es genügend andere attraktive Möglichkeiten zu investieren.

Das Thema beschäftigt nicht nur große Kapitalanlagegesellschaften, sondern auch Family Offices. Auf Investorenversammlungen gibt es immer mehr Familienmitglieder, die ihre Vermögensverwaltung dazu verpflichten wollen, nicht mehr in umstrittene Unternehmen zu investieren. Auch daran erkennt man, dass das Bewusstsein für das Thema geschärft wird.

Wann haben Sie sich das erste Mal für Investitionen begeistern können?
Wenn man jung ist, dann kann man sich leicht begeistern und geht Risiken bei Aktien ein, was manchmal nicht so gut ist (lacht). Aber ich habe immer ein gutes Händchen gehabt bei Anleihen. Kurz nach der Finanzkrise gab es mal Anleihen von Heidelberger Cement, die waren bei 36 Prozent. Damit konnte man viel Geld verdienen.

Auch an meine erste Aktien-Investition kann ich mich noch erinnern. Das war eine Goldmine Anfang der 80er Jahre. Das war damals ein Thema und relativ einfach.

Die Vermögensbildung wird von Anlegern oft als Last empfunden: Man muss sparen, sich gegen Altersarmut absichern und Geld zurücklegen. Wie kann man es Anlegern klarmachen, dass Investieren durchaus auch Spaß machen kann?
Die Fonds, für die wir stehen, haben zugegebenermaßen keinen großen Entertainment-Faktor. Aber dafür kann man ruhig schlafen. Wer darüber hinaus Spaß beim Anlegen sucht, könnte sich neben seinem Fondsinvestment zwei bis drei Unternehmen suchen, hinter denen man steht, die man kennt und weiter verfolgen möchte und dann direkt investieren. Dazu gehört Eigeninteresse und etwas Mut. Viele Finanzthemen sind für Anleger realitätsfremd. Aber jeder kennt Unternehmen und Geschäftsmodelle, die er attraktiv findet.

Gehen Sie eher mit Zuversicht oder mit Skepsis in das Jahr 2017?
Ich muss zugeben, ich kann den wirtschaftspolitischen Ideen der US-Regierung nicht viel Gutes abgewinnen und ich glaube, dass das den Ausgang des Jahres etwas trüben könnte. Wir sehen dem Ende der Globalisierungs-Dividende entgegen. Die Zinsen sind gefallen, die Produktionskosten sind gefallen und durch Arbeitsteilung wurde alles günstiger. Künftig werden die Kosten steigen und die Gewinne sinken.

Henning Potstada: Wir sind aber keine Konjunkturpessimisten. Der Konjunkturzyklus kann noch weiter voranschreiten. Aber der Kapitalmarkt schießt derzeit etwas über sein Ziel hinaus. Viele machen den Fehler, die Aktienkursentwicklungen mit der Konjunktur korreliert zu betrachten. Das muss nicht immer übereinstimmen. In den letzten 15 Jahren gingen die Margen in den USA immer nach oben, das kann natürlich mal kippen. Der Rest der Welt muss sich näher zusammenschließen. Für Europa wäre es gut, nicht zu sehr in die USA zu schielen.

Herr Kaldemorgen, Herr Potstada, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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Interview mit Klaus Kaldemorgen
„Der US-Dollar wird zum Spielball der Wirtschaftspolitik“
30.01.2017,

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