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Gastbeitrag Dirk Müller über den drohenden Absturz der Deutschen Bank

Gastbeitrag Foto: © / Phoenixpix / FotoliaFür die Deutsche Bank stehen die Zeichen auf Sturm.

Das Thema der Woche ist der tiefe Fall der Deutschen Bank. Zudem befindet sich der gesamte Bankensektor in einer kritischen Lage. Die Gründe für die Turbulenzen sind der steigenden Nervosität innerhalb des Finanzsektors zu suchen.


Auch nach einigen hektischen Auf- und Ab-Bewegungen bleiben die bereits bekannten Marken wichtige charttechnische Schwellen: 10.800 Punkte im DAX auf der Oberseite, darüber wären 11.400 Punkte das Ziel. Nach unten ist derzeit die wichtige Zone um 10.200 in großer Gefahr. Deutliche Anschlussverkäufe sind darunter zu befürchten. Mit den Sorgen um das „größte weltweite Systemrisiko“ Deutsche Bank und den Angstmonat Oktober vor Augen dürfte es derzeit schwer werden große Käufer zu finden, die sich gegen ein Abrutschen des Marktes stellen.

Das Wirtschaftswachstum sowohl in Deutschland als auch in Europa kühlt sich weiter ab, auch wenn der ifo-Index in dieser Woche etwas anderes signalisiert hat. Denn abgesehen von diesem womöglich nicht extrapolierbaren Indikator sehen die Einkaufsmanagerindizes (etwa jener von Markit erhobene) oder andere harte Konjunkturdaten wie die Auftragseingänge für Industrie und Dienstleistungen wenig berauschend aus.

Marktbeherrschendes Thema in dieser Woche war die kritische Lage im Bankensektor. Die Gründe für die teils heftigen europaweiten Abverkäufe waren vor allem in einer steigenden Nervosität innerhalb des Finanzsektors zu suchen. Insbesondere die Deutsche Bank stand dabei im Fokus. Um Deutschlands größtes Geldhaus wird inzwischen sogar eine Super-GAU-Diskussion geführt. Alleine die Diskussion um eine mögliche Existenzgefahr der Deutschen Bank ist ausgesprochen gefährlich – für das Geldhaus selbst, aber auch für das gesamte Finanzsystem. Denn schon eine Diskussion um eine mögliche Pleite der Deutschen Bank führt zu einer massiven Verunsicherung von Kunden, Geschäftspartnern und anderen Banken, die vor der Frage stehen, ob sie überhaupt noch Geschäfte mit den Frankfurtern eingehen oder abwickeln können. Das sind die Elemente, aus denen gemeinhin ein Bank-Run entsteht.

Der IWF bezeichnete unlängst die Deutsche Bank als das größte Systemrisiko im weltweiten Finanzsystem. Man spricht unter anderem. von Derivaten in zweistelliger Billionenhöhe und einer Bilanzsumme, die 57 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung entspricht. Auch Jim Rogers stimmte vor kurzem in den kritischen Chor ein: „Gegen eine Pleite der Deutschen Bank wäre der Untergang von Lehman wie die Pleite einer Provinzbank in Idaho.“ Jim Rogers ist bekanntlich für markige Sprüche gut, doch in diesem Fall hätte er sicherlich nicht ganz Unrecht. Eine derartige Schieflage eines so großen und eng vernetzten Geldhauses würde ganz bestimmt zu großen weltweiten Verwerfungen führen. Hinter den Kulissen soll es laut diverser Medienberichte in dieser Woche etliche Krisengespräche und Notfallpläne gegeben haben. Es wäre auch ungewöhnlich, wenn nicht.

Dass diese Entwicklung die Bankaktien in ganz Europa talwärts zieht, ist daher mehr als nachvollziehbar. Denn, wie gesagt, an der Deutschen Bank hängen Billionen an Derivaten dran, der Großteil davon jenseits der Börsenaktivitäten. Man kennt also diese Geschäftsbeziehungen und vor allem die möglicherweise daraus entstehenden Kettenreaktionen nicht. Klar, viele Derivate heben sich gegenseitig auf. Dennoch weiß niemand wirklich genau, wer mit wem wie eng verbandelt ist. In diesem Bereich ist ein sehr gefährlicher Wildwuchs entstanden.

Wird Deutschlands größtes Geldhaus sturmreif geschossen?
Noch viel wesentlicher aus meiner Sicht – bei aller Kritik, die man zurecht an der Deutschen Bank üben darf – ist jedoch ein ganz andere Aspekt: Wird Deutschlands bedeutendstes Geldhaus sturmreif geschossen, begleitet von viel Mediengetrommel, auch seitens amerikanischer Investoren und Spekulanten, die gegen die Deutsche Bank wetten? Vielleicht will man die Bank am Ende einfach nur günstig einsammeln, etwa über die Debt-to-equity-swaps.

Alle gehen davon aus, dass die Bundesregierung im Ernstfall mit einer Kapitalspritze zu Hilfe eilt. Allerdings dachte man das bei Lehman auch. Dazu kommt, dass Wolfgang Schäuble jede Glaubwürdigkeit gegenüber den italienischen Partnern verliert, wo er genau diese Staatshilfe verhindern will, solange die Kunden nicht zur Kasse gebeten wurden. Bei der derzeitigen Finanzlage der Deutschen Bank und dem Gedanken an Steuergelder sei daran erinnert, dass die Deutsche Bank seit 2009 bei mehreren Kapitalerhöhungen insgesamt etwa 13,5 Mrd Euro eingesammelt hat und im gleichen Zeitraum 19 Milliarden Euro an Boni bezahlt hat. Welche Leistungen genau sollen damit honoriert worden sein?!

Im Dirk Müller Premium Aktien Fonds haben wir bewusst keine Bankaktien mehr. Die beiden einzigen Banktitel, die wir anfangs mit im Portfolio hatten – gewissermaßen Einäugige unter den Blinden –, haben wir vor einigen Monaten herausgenommen, weil uns der Bankensektor einfach zu gefährlich erschien. In den letzten Wochen kehrte zwar etwas Ruhe ein, so dass sich die Bankaktien wieder etwas erholen konnten – was der Fonds natürlich nicht nachvollziehen konnte. Nun kommt – wie nicht anders zu erwarten – mit der Diskussion um die Deutsche Bank der nächste Schwung an Druck auf die Banken insgesamt und unser Fonds ist nicht mit dabei, worüber wir ganz froh sind.

IWF fordert Schuldenerleichterung für Griechenland
Der IWF fordert eine weitgehende Schuldenerleichterung für Griechenland. In Hellas hat sich nichts zum Besseren verändert, ganz im Gegenteil. Der IWF hält Griechenlands Schulden nicht für tragfähig (warum sind sie dann durch ihn mitfinanziert worden?). Der IWF gesteht also damit nicht weniger als eine eigene fundamentale Fehlentscheidung ein. Übrigens sollen, so der IWF weiter, auch die Spar- und Reformpläne, die dem Krisenland auferlegt wurden (an denen der IWF selbst beteiligt war), völlig unrealistisch gewesen sein. Die Ziele seien nie zu erreichen gewesen. Na, so eine Überraschung aber auch! Man wusste also bereits seit Jahren, dass diese Strategie nicht funktionieren wird. Nur wurden damals all jene, die diese Politik kritisch gesehen haben, immer wieder abgebürstet und als Spinner dargestellt. Jetzt sagt der IWF selbst, dass diese (eigene) Vorgehensweise Quatsch gewesen war und man den Griechen die Schulden erlassen solle. Nun, spätestens nach der Bundestagswahl werden wir genau darüber reden...

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein ruhiges und erholsames Wochenende!

Ihr
Dirk Müller
30.09.2016,

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