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Verhaltens-Theorie Wie man die Kapitalanlage vor sich selbst beschützt

Schachfigur Bauer sieht einen König im Spiegel. Foto: © nikilitov / fotoliaDie Psychologie kann Anlegern einen Strich durch die Rechnung machen.

Sollte man Gewinne mitnehmen, bevor der Aktienmarkt dreht? Die Psychologie übt einen enormen Einfluss auf das Verhalten von Anlegern aus – warum das Gehirn der Investment-Entscheidung im Weg stehen will und wie man Fehler vermeidet.


Manchmal spielt einem die Psyche kleine Streiche: Sollte man nicht einfach jetzt schon die Gewinne mitnehmen, die sich in den letzten acht Monaten während der Hausse an den Aktienmärkten angesammelt haben? Wirft man einen Blick auf die performancestärksten Aktienfonds (siehe Chart), könnte man doch der nächsten Marktkorrektur zuvorkommen, welche die Aktienkurse um zehn Prozent in den Keller reißen könnte. Die Verhaltens-Forschung (Behavioral Finance) hält das für einen großen Fehler – insbesondere dann, wenn man Gewinne mitnimmt. Niemand kann die Märkte korrekt prognostizieren und das Ende der politischen Risiken könnte eine Fortsetzung des Bullenmarktes bedeuten.

Doch es gibt noch eine andere Variable in diesem Szenario: das menschliche Gehirn. „Es ist darauf programmiert, sich selbst zum schlimmsten Feind bei der Kapitalanlage zu machen“, schreibt Michael Brush für das Finanzmagazin Marketwatch. Investoren verkaufen Gewinner-Aktien zu früh und halten Verlierer zu lang. Um zu untersuchen, warum das so ist, unterzog Professor Cary Frydman von der University of Southern California Anleger einer funktionalen Magnet-Resonanz-Therapie, die es ihm erlaubte, die Prozesse im Gehirn während des Aktienhandels genauer zu untersuchen.

Logischerweise schüttet das Gehirn Glückshormone aus, wenn Anleger Aktien mit Gewinn verkaufen. Die entsprechende Region im Gehirn leuchtete während des MRT auf. Wenn die Trader allerdings die gewinnbringenden Positionen nur hielten, blieb dieser „hedonistische Kick“ aus. Das ist ein Grund dafür, warum Anleger gewinnbringende Aktien zu früh verkaufen. Frydman nennt das den „Disposition-Effect“.

Natürlich ist das kein großes Problem, weil Investoren ja Gewinne realisieren. Doch bei jedem Verkauf werden Steuern fällig, die die Rendite schmälern. Wer also die Rendite maximieren will, sollte eine „Kaufen und Halten“-Strategie (Buy and Hold) verfolgen, denn wer nur für den psychologischen Kick handelt wird seine Rendite schmälern“, so Frydman.

Ein weitaus größeres Problem ist, dass das Gehirn uns daran hindern will, klare Gewinner-Aktien erneut zu kaufen, wenn wir sie einmal verkauft haben. Wenn eine verkaufte Aktie im Kurs fällt, wird sie hingegen häufiger wieder gekauft. Wenn der Kurs steigt, geschieht das nicht. Die Gehirn-Aktivität in Frydmanns bildgebender Untersuchung der Trader lässt bei so einem Szenario deutlich nach. Der Forscher interpretiert das als Bedauern der Trader, bei steigenden Kursen nicht mehr dabei zu sein. Diesen Effekt nennt Frydman den „Repurchase-Effect“. „Dieses Bedauern beeinflusst das Verhalten und führt zu einer Entscheidungs-Paralyse“, so Frydmann.


Den eigenen Verstand besiegen
Gute Trader versuchen deshalb, die Emotionen so weit wie möglich aus der Anlageentscheidung herauszunehmen. Sie fühlen keine Enttäuschung bei missglückten Trades und auch hohe Gewinnmitnahmen lassen sie kalt. Diese emotionale Indifferenz neutralisiert die natürliche Tendenz des Gehirns, die falsche Entscheidung zu treffen.

Aber wie wird man emotional indifferent? Zuerst einmal muss man seine Emotionen erkennen und ihre Rolle für die Anlageentscheidung akzeptieren. Danach verraten die Forscher sechs Tipps für eine emotionslose und auf Logik basierende Anlageentscheidung:

1. Die Märkte ignorieren
Wer jede Kurs-Bewegung seiner Aktie oder seiner Fonds nachverfolgt, macht sich nur selbst verrückt. Denn gemäß der Behavioral Finance-Theorie löst jede Kursbewegung eine Emotion aus. Wer sich emotional so stark auflädt, erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Fehler. Ähnlich verhält es sich mit Markt-Nachrichten. „Investoren sollten analytisch bleiben“, sagt Richard Peterson, Autor mehrerer Publikationen zum Thema Investor-Psychologie. Man solle sich nicht von jeder Marktbewegung zu vorschnellen Entscheidungen bewegen lassen.

2. Nicht zu oft auf den Ankaufspreis schauen
Wer sich in seinem Depot-Account einloggt, sieht alle Gewinne, Verluste und Ankaufspreis auf einen Blick. Die Untersuchungen von Frydmann ergeben, verstärkt sich der „Disposition-Effekt“, je häufiger Anleger den Ankaufspreis ihrer Assets zu sehen bekommen, mit der bekannten Folge: Sie verkaufen meist zu früh.

3. Negative Nachrichten meiden
Wenn der Markt dreht und die Kurse fallen werden Anleger emotional in den Sog mit hineingezogen und riskieren, ihre Assets zu einem Verlust zu verkaufen. Peterson rät Anlegern, ihre Emotionen ernst zu nehmen, aber sich wenige Tage später einen Termin zu setzen, um erneut über die Lage nachzudenken und die Märkte bis dahin zu ignorieren.

Unglücklicherweise machen die meisten genau das Gegenteil. Sie suchen nach neuen Informationen zu einem Zeitpunkt, an dem sie „unnütze Informationen meiden“ sollten. Das Ziel dieser Methode ist es, mithilfe des Kalenders Muster des eigenen emotionalen Handelns zu erkennen. Auf diese Weise gewinnt man Abstand zu seinen Emotionen und ermöglicht einer logischen Entscheidungsfindung neuen Raum: So können Anleger in einer ruhigen Minute besser einschätzen, ob sie damals emotional aufgeladen richtig gehandelt haben.

4. Investieren ist komplex
„Die lukrativsten Trades sind die emotional schwierigsten“, sagt Peterson. Investoren, die aus einer konträren oder antizyklischen Perspektive traden, wissen, was damit gemeint ist. Der Markt ist negativ gestimmt und das zehrt emotional an der Substanz. Genau das macht einen Trade aber aus psychologischer Perspektive zu einem potenziell erfolgreichen. „Investieren und handeln sind nun mal nicht leicht“, schlussfolgert Peterson.

5. Verkäufe sind Transfers
Investoren halten Verlierer-Aktien oft zu lang. Was als eine analytische Entscheidung angefangen hat, entwickelt sich zu einem Wunsch und der Hoffnung, die Verluste wieder rein zu holen. Um seinen eigenen Verstand zu besiegen, helfe es, solche Verluste als einen Transfer zu bezeichnen und das Kapital in eine Position mit mehr Potenzial umzuschichten, so Frydman.

6. Den Blick für die Perspektive behalten
Anleger, die ihre Investments breit diversifizieren, setzen mit einem Trade nicht ihre Karriere, ihren Lifestyle und die langfristigen Ziele aufs Spiel. Wer sich daran erinnert, gewinnt Abstand zu seinen Emotionen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, eine Anlageentscheidung auf der Basis einer logischen Strategie zu treffen.

14.07.2017,

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