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„Seien wir froh, dass Bitcoin keine Währung ist“ Interview mit Fondsmanager und Buch-Autor Georg von Wallwitz

Portrait von Fondsmanager und Buchautor Gregor von Wallwitz. Foto: © / Phaidros FundsNiemand wird seine Pizza mit Bitcoin bezahlen wollen, sagt von Wallwitz.

Der Höhenflug von Bitcoin scheint nicht zu stoppen. Aber handelt es sich wirklich um eine Währung? Im Interview mit Georg von Wallwitz, Fondsmanager der Phaidros Funds und Buch-Autor, erfahren wir mehr über die Stärken und Schwächen der Blockchain.


FondsDISCOUNT.de: Herr von Wallwitz, Sie managen die Phaidros Funds und haben vor kurzem Ihr neues Buch über den deutschen Mathematiker David Hilbert vorgestellt. Wie sind Sie auf das Thema Bitcoin gekommen?

Georg von Wallwitz: Bitcoin schafft es von der Nische in den Mainstream. Das Volumen der Krypto-Währungen insgesamt liegt mittlerweile bei etwa 190 Milliarden US-Dollar. Das Thema ist hochaktuell. Jeder spricht darüber. Wenn man bei einer Taxifahrt auf Bitcoin angesprochen wird, dann wird die Luft vielleicht bald dünn.

Der Preisanstieg im laufenden Jahr stellt mit über 1.000 Prozent und einem Kurs von über 10.000 US-Dollar andere Finanzblasen in den Schatten. Glauben Sie an den langfristigen Erfolg der digitalen Währung?

Die Blockchain wird bleiben. Aber Bitcoin ist keine Währung und das wird es nie werden. Dafür ist die Abwicklung zu teuer und dauert viel zu lang. Ich möchte im Geschäft keine halbe Stunde lang warten, bis die Transaktion im Block festgeschrieben ist. Selbst die kleinste Einheit 0,0001 Bitcoin sind schon über zehn US-Dollar. Die hohen Transaktionskosten sind unpraktisch, so war das vom Entwickler Satoshi Nakamoto nicht gemeint.

Trotzdem findet ja eine gewisse Institutionalisierung rund um Bitcoin statt. Was halten Sie von dem Entschluss der CME Group, im kommenden Jahr Bitcoin Futures zu starten?

Es spricht ja schon Bände, dass es einfacher ist, Bitcoin-Produkte zu kaufen als Bitcoin selbst. Das zeigt, dass Bitcoin keine Währung sein kann. Es handelt sich um reine Spekulation. Da hilft Investoren nur noch die „Greater-Fool-Theorie“: Sie müssen jemanden finden, der ihnen die Bitcoin später abkauft.

Trotzdem fasziniert es die Menschen. Bitcoin ist 2009 entstanden aus dem Misstrauen gegen die Banken und das Finanzsystem, dem Misstrauen gegenüber den Zentralbanken. Bitcoin kann man nicht inflationieren. Das sind Themen, die vielen Leuten einleuchten.

Bitcoin braucht kein zentrales Bankensystem. Wie hoch schätzen Sie die Gefahr für Banken und Zentralbanken ein, von der Blockchain-Technologie überholt zu werden?

Die Technologie wird im Finanzbereich eine Menge Effizienzen heben. Im Backoffice werden viele Stellen wegfallen. Vieles, was in der Abwicklung passiert, wird der Blockchain zum Opfer fallen. Es bietet sich an, automatische Register einzuführen. Back-Up-Prozesse gehen mit der Blockchain viel besser. Das ist gut für die Banken, aber schlecht für die Mitarbeiter.

Die Zentralbanken wird es aber nicht überflüssig machen. Während der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren sind die Leute auf ihrem Gold sitzen geblieben. Mit Geld konnten sie aufgrund der hohen Deflation nichts mehr bezahlen, das Gold wollten sie nicht hergeben, es wurde ja ständig mehr wert. So ähnlich ist es heute mit Bitcoin auch. Wer welche hat, gibt sie nicht mehr her. Gemessen am Bitcoin liegt die Deflation bei 90 Prozent. Niemand wird seine Pizza mit Bitcoin bezahlen wollen.

Die Geldschöpfung der Zentralbanken ist deren wichtigstes Instrument, um Rezessionen und Crashs zu verhindern, das geht mit Bitcoin aber nicht. Wenn Bitcoin eine Währung wäre, wäre unsere Wirtschaft tot. Seien wir also froh, dass es keine Währung ist und freuen uns gemeinsam mit denen, die mit Bitcoin zu Millionären geworden sind.

Kryptowährungen werden scheinbar aus dem Nichts per „initial coin offering“ erschaffen. Ist das Modell Bitcoin replizierbar – oder anders gefragt – kann man es noch besser machen?

Wahrscheinlich kann man Bitcoin besser machen. Allein der Stromverbrauch beim Mining-Prozess übersteigt den Verbrauch von 159 Ländern. Das ist nicht sehr clever konstruiert. Und ökologisch auch nicht.

Mit Bitcoin Cash und Bitcoin Diamond versucht man bereits, die Transaktionsdauer und -kosten in den Griff zu bekommen.

Digitale Geschäftsmodelle basieren auf dem „The Winner takes it all“-Prinzip. Das sieht man ja auch bei Google, Facebook und Amazon. Das Monopol ist die Natur des Digitalen. Daher wird sich am Ende wohl auch nur eine digitale Währung durchsetzen.

Die Bitcoin-Rallye führt dazu, dass sogar manche Broker wie die IG Group – die größte Online Trading Plattform für Bitcoin sowie Bitcoin Derivate – an ihre Grenzen stoßen. Hacker-Angriffe auf die Plattformen stellen große Risiken dar. Würden Sie anhand dieser Risiken Anlegern empfehlen, in Bitcoin zu investieren und wenn ja, wie?

Die Blockchain selbst kann man nicht hacken, weil es ein öffentliches Register ist. Da müsste man schon über 50 Prozent der Computer, auf denen die Blockchain läuft, hacken und das wären Millionen.

Was man allerdings hacken kann, sind die Plattformen und die Fonds, die mit Bitcoin handeln. Das ist ja auch schon vielfach passiert. Als Schutz dagegen könnte man die Zahlenfolge in seinem Block ausdrucken und in einen Tresor legen. Das wäre nicht mehr zu hacken. Dafür braucht man dann natürlich wieder einen Tresor oder eine Bank. Und digital ist das Ganze dann auch nicht mehr (lacht).

Die Broker sind einer ganz anderen Gefahr ausgesetzt. Für Bitcoin-Derivate müssen Investoren eine Sicherheitsmarge hinterlegen, beim Dax-Future zum Beispiel 20 Prozent. Bei den hohen Schwankungen von Bitcoin könnte diese Marge auch bei 50 oder 60 Prozent liegen. Diese Initial Margins müssen überall hinterlegt werden, wo Investoren mit Futures handeln wollen. Bei einer so hohen Sicherheitsmarge geht der Charme von Futures verloren, bei denen man eigentlich keine hohen Cash-Bestände aufbringen muss.

Im schlimmsten Fall muss der Broker dafür gerade stehen, wenn der Kunde das Geld nicht hat. Wenn der Verlust dann groß genug ist, kann es den einen oder anderen Broker auch schon mal zerreißen. Es wird interessant sein zu sehen, wie hoch die Marge sein wird, wenn der Futures-Handel im kommenden Jahr startet. Übrigens kann man dann auch mal vernünftig Bitcoin shorten.

Würden Sie Bitcoin in Ihrem Fonds aufnehmen?

Unser Phaidros Funds Balanced ist ein ausgewogener Mischfonds (ISIN: LU0295585748, siehe Chartvergleich, oben) mit Aktien und Renten in unterschiedlichen Währungen. Investitionen, die wir für den Fonds tätigen, müssen sich aber rational begründen lassen. Ein Unternehmen hat einen Wert, gemessen an seinem Cashflow und Gewinn. Das kann ich aus quantifizierbaren Parametern bewerten. Bitcoin hat aber keinen intrinsischen Wert. Eine wichtige Funktion einer Währung ist ja die Wertaufbewahrung. Und bei Bitcoin weiß man nicht, ob man sich in einem Jahr davon einen Tesla oder eine Kugel Vanilleeis kaufen kann. Deshalb ist Bitcoin für uns weder eine Währung noch ein Asset und gehört deshalb auch nicht in einen Fonds.

Herr von Wallwitz, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Hinweis: Das aktuelle Buch von Georg von Wallwitz mit dem Titel „Meine Herren, dies ist keine Badeanstalt – Wie ein Mathematiker das 20. Jahrhundert veränderte“, ist im Berenberg Verlag erhältlich und portraitiert das Leben und Werk von David Hilbert (siehe Cover). Mehr zur Geschichte von Bitcoin lesen Sie hier.

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Neue Chancen für Anleger durch Derivate auf Kryptowährungen - Börse startet ETN-Handel auf Bitcoin 

01.12.2017,

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Phaidros Funds - Balanced A von IPConcept (Luxemburg) S.A.

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