Ende Juli 2012, also vor fünf Jahren, läutete die EZB eine Wende in der Eurokrise ein: „Im Rahmen ihres Mandats ist die EZB bereit, alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein“ – mit dieser Botschaft  wendete sich EZB-Präsident Mario Draghi an die Märkte und brachte zugleich seine Entschlossenheit zum Ausdruck, der verheerenden Staatsverschuldung in Griechenland, Irland und Spanien entgegenzutreten. Andrea Iannelli von Fidelity zieht nun eine Zwischenbilanz. Was hat die EZB-Politik bislang gebracht?


Im Bereich der Staatsanleihen habe die EZB ihr Ziel erreicht: In den Peripheriestaaten sei ein tragbares Zinsniveau wieder hergestellt worden, so der Kapitalmarktexperte. Seit Juli 2012 seien die Renditen von Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie stark zurückgegangen.  Italien zum Beispiel müsse inzwischen statt wie im November 2011 7,24 Prozent Zinsen mittlerweile nur noch 2,2 Prozent Zinsen auf Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit bezahlen.


Eine weitere Maßnahme waren die Anleihekäufe der EZB. Die Zentralbank senkte ihren Leitzins auf null Prozent und erhob Strafzinsen von 0,4 Prozent auf Guthaben, welche die Banken bei der EZB hinterlegen. Hiermit sollte ein Anreiz zur vermehrten Kreditvergabe an die Wirtschaft gesetzt werden. Zugleich wurden dem Bankensystem im Euroraum im Rahmen eines langfristigen Refinanzierungsprogramms eine Billion Euro an zusätzlicher Liquidität bereitgestellt. Im Zuge des großangelegten Anleihekaufprogramms seit März 2015 wurden außerdem Staats- und Unternehmensanleihen aus dem Euroraum in Höhe von über zwei Billionen Euro angekauft.  Hierdurch sei die Bilanzsumme der EZB auf mehr als vier Billionen Euro angewachsen – dies entspreche 35 Prozent der Wirtschaftsleistung im Euroraum. Für Iannelli steht fest: Die Anleihekäufe sind somit das entscheidende geldpolitische Instrument der EZB und werden es voraussichtlich auch bleiben.


Die EZB habe auch maßgeblich zum Rückgang der Zinsaufschläge beigetragen, so seien die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen inzwischen gesunken. „Insbesondere Banken hielten damals umfangreiche Bestände an öffentlichen Anleihen aus der Euro-Peripherie in ihren Bilanzen. Die EZB reagierte darauf, indem sie dem Finanzsektor dringend benötigte Mittel im Rahmen langfristiger Programme bereitstellte. Dadurch waren die Banken im Euroraum in der Lage, sich von der EZB mehr als 1,1 Billionen Euro zu äußerst niedrigen Kosten zu leihen“, erklärt Iannelli. Aber auch die Unternehmen hätten ihren Teil geleistet, indem sie bei Bilanzrisiken vorsichtiger geworden seien und die Aufnahme neuer Schulden vermieden hätten.


Insgesamt hätten sich die Märkte für Staats- und Unternehmensanleihen inzwischen stabilisiert, die Kursschwankungen hielten sich in Grenzen und die Wirtschaft im Euroraum befinde sich in einer besseren Verfassung als noch im Jahr 2012.  Allerdings, so der Fidelity-Experte: Einige Aufgaben habe die Notenbank noch zu erledigen. So liege etwa die Inflation immer noch unter dem Zielwert der EZB – und das trotz der sehr großzügigen Geldpolitik, der günstigen Kreditkonditionen und der Abwertung des Euro.