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Interview, Teil 2 Wie wird man Portfoliomanager bei Fidelity?

Interview, Teil 2 Foto: © / HasanEROGLU / fotoliaPrognosen, die zu weit in die Zukunft reichen, gleichen einem Blick in die Glaskugel.

Alexander Leisten, Deutschland-Chef bei Fidelity International, warnt die Fondsbranche im Interview davor, ihre Prognosefähigkeit zu überschätzen. Außerdem verriet er uns auf dem Fonds Kongress, wie man bei Fidelity Portfoliomanager werden kann.


FondsDISCOUNT.de: Wie wird man denn eigentlich Portfoliomanager bei Fidelity?

Alexander Leisten:
Wir rekrutieren in der Regel Absolventen direkt von den Hochschulen. Sie fangen bei uns als Analysten an. Wir haben viele Bewerber. Nach einem sorgfältigen Auswahlprozess durchlaufen die Analysten eine fünfjährige Ausbildung, in der sie rotieren und mehrere Branchen und Regionen kennenlernen. Wir schauen genau, wie viele Trades die Analysten vorschlagen und wie viele davon von unseren Fondsmanagern übernommen werden. Wenn die Ideen beim Fondsmanagement Anklang finden, schauen wir schließlich, wie erfolgreich sich die empfohlenen Anlagen entwickelt haben. In dieser Zeit kristallisiert sich heraus, wer das Potenzial zum Fondsmanager hat. Für eine Ausbildung zum Portfoliomanager müssen die Analysten noch einmal einen zweijährigen Weiterbildungsprozess durchlaufen.

FD: Der Fidelity Euro Balanced Fund gehört zu den besten Mischfonds 2015, gemessen an seiner Performance. Im vergangenen Jahr schenkten die Anleger Mischfonds sehr viel Vertrauen und investierten Rekordsummen. Glauben Sie, dass der Ansturm der Anleger auf Mischfonds sich fortsetzen wird?

Leisten: Ich glaube, dass die Bedeutung der Mischfonds bleiben wird. Ein Teil der Antwort ist darin begründet, dass die Volatilitäten zunehmen. Die Ausschläge nach oben erfolgen immer schneller, ebenso wie die Abfolge von Krisen. Das Risiko steigt. Der große Teil der Bevölkerung ist aber risikoavers. Früher waren diese Anleger im Rentenmarkt aktiv. Durch die anhaltende Niedrigzinsphase werden sie aber gezwungen, sich andere Assets anzusehen. Bei den Rentenfonds lag der Kern des Investments in dem Glauben an die Sicherheit. Dieses Sicherheitsbedürfnis müssen wir in Multi Asset Fonds abdecken. Für eine bestimmte Klientel werden diese Fonds also ihre Bedeutung behalten.

Auf dieses Thema werden wir in Zukunft noch stärker eingehen. Für Anleger, die risikoavers denken, bringen wir in diesem Jahr zwei Multi Asset Fonds auf den Markt, die jeweils eine konstante Risikoklassifizierung besitzen. Diese Fidelity SMART Funds – SMART steht für Systematic Multi Asset Risk Targeted – werden die in der Praxis relevantesten SRRI-Klassen* drei und vier besitzen.

Neben dem in Deutschland sehr ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis haben die Anleger im Wesentlichen noch zwei weitere Bedürfnisse, Wachstum und laufende Erträge. Für Anleger, die eher auf Wachstum schauen, bereit sind ein höheres Risiko einzugehen und ihr taktisches Bedürfnis ausleben wollen, haben wir den Fidelity Global Multi Asset Tactical Moderate Fund im Programm. Mit ihm eröffnen wir Anlegern die Chance, von unseren taktischen Marktpositionierungen zu profitieren. Als Fondsanbieter muss man da sehr dynamisch sein.

Unser Multi Asset Fonds Fidelity Zins und Dividende ist für Anleger gedacht, die sich eine regelmäßige Ausschüttung wünschen. Auch der Fidelity Global Dividend Fund wäre in diesem Zusammenhang hervorzuheben. Er ist derzeit der beste globale Dividendenfonds im Markt.

Außerdem sind wir Marktführer in dem Bereich Target Funds. Das sind Lebenszyklusprodukte. Anfangs sind diese Fonds zu 100 Prozent in Aktien investiert. Während der Fondslaufzeit wird das Risiko kontinuierlich heruntergefahren. Zum Schluss wird ausschließlich in Renten- und Geldmarkttitel investiert. Bei Fonds kann man eigentlich wenig garantieren. Aber die Target Funds liefern schon seit vielen Jahren den Beweis, dass man Sicherheit ohne Garantien erreichen kann. Ihre Kapitalanlage orientiert sich am gewünschten Auszahlungstermin des Anlegers, beispielsweise dem Rentenbeginn. Je weiter der Renteneintritt in der Zukunft liegt, desto länger investiert der Fonds in wachstumsorientierte Investments. Etwa 20 Jahre vor dem Zielzeitpunkt beginnt der Fondsmanager sukzessive mit der Beimischung stabilerer Anlagen, um so die zuvor erzielten Erträge zu sichern. Während des dynamischen Umschichtungsprozesses hat der Fondsmanager stets den Markt im Blick und kann anders als bei statischen Modellen flexibel auf dessen Entwicklung reagieren. Auf diese Weise wird für den Anleger ein optimales Risiko-Rendite-Verhältnis bis zum gewünschten Renteneintritt erreicht.

ETFs waren im vergangenen Jahr weltweit äußerst erfolgreich darin, Geld von den Anlegern einzusammeln. Glauben Sie, dass dieser Trend in 2016 auch in Deutschland anhält?

Ich denke, es wird so bleiben. Wenn man kurzfristig aus taktischen Überlegungen in einen Markt hinein und wieder raus will, dann machen klassische Index ETFs durchaus Sinn. Gleiches gilt für Risiko Overlay Strategien, bei denen ein passives Core Investment das Cross Hedge Risiko verringert.

Aber häufig werden ETFs ein gutes Stück überschätzt. Vor allem die Vorteile ihrer niedrigen Gebühren. Das liegt daran, dass die Anleger gern sparen. Da übersieht man manchmal den Vorteil eines aktiven Managements, auch nach den Kosten eine langfristig bessere Wertentwicklung als die klassischen Index ETFs erzielen zu können. Und in fallenden Märkten oder volatilen Marktphasen nehmen Anleger mit den klassischen Index ETFs die kompletten Schwankungen der Märkte mit. Aktiv gemangte Fonds sind hingegen in der Lage, durch Umschichtungen im Portfolio in defensivere Aktien oder auch die komplette Vermeidung besonders schwankungsanfälliger Branchen, die Verluste und Schwankungen im Vergleich zum Index zu begrenzen. Und ein weiterer Aspekt ist noch erwähnenswert: Oft wird die Transparenz von ETFs besonders hervorgehoben. Das ist grundsätzlich richtig, allerdings sollte auch erwähnt werden, dass ein ETF den Index physisch, also über Aktien, nachbilden kann oder über Derivate. Zwar ist die teilweise Nachbildung eines Index über Derivate grundsätzlich kein Problem, aber nicht jeder Anleger möchte die damit verbundenen Risiken im Portfolio haben. Diese Aspekte müssten auch in der Presseberichterstattung stärker hervortreten. Ich wäre dankbar, wenn eine objektivere Berichterstattung über ETFs stattfinden würde.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Was macht Ihnen an Ihrem Job derzeit am meisten Spaß?

Mir macht grundsätzlich die Interaktion mit den Kunden am meisten Spaß. Eine weitere Freude bereitet mir, dass wir ein gutes Team geworden sind und eine Unternehmensphilosophie entwickelt haben, die Kundennähe und Serviceorientierung in den Vordergrund stellt. Wir sind offen für Veränderungen und wollen uns allen Herausforderungen stellen.

Sehr geehrter Herr Leisten, wir danken Ihnen vielmals für dieses Interview.


Fidelity-Interview Teil 1: Die Branche neigt dazu, ihre Prognosefähigkeit zu überschätzen

(Anmerkung: *SRRI=Synthetic Risk and Reward Indicator. Der Risikoindikator beruht auf der Volatilität des Fonds in den vergangenen fünf Jahren und hat einen Wert auf einer Skala zwischen eins und sieben. Je höher die Risikoklasse, desto größeren Schwankungen unterliegt der Fonds.)
12.02.2016,

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