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Interview „Die Kapitalmärkte gleichen einem Pulverfass“

Auf einem blauen Hintergrund ist eine Sprechblase im Comic-Style abgebildet, auf der „Boom“ steht Foto: © / bonezboyz / FotoliaDie Wirtschaft steht durch ein baldiges Ende der ultra-lockeren Geldpolitik vor einer Belastungsprobe.

Mischfonds erfreuen sich großer Beliebtheit – doch immer mehr Fonds müssen ins Soft Closing. Anleger finden im Kapital All Opportunites eine interessante Alternative. Fondsmanager Christian Exner erklärt, worauf es bei der richtigen Mischung ankommt.


Anleger investieren aktuell verstärkt in Mischfonds. Doch die hohen Mittelzuflüsse stellen das Fondsmanagement oft vor ein Problem – denn auch zu großer Erfolg kann den Anlagefonds gefährden. Die Lösung ist oftmals ein Soft Closing, Anleger können also bis auf Weiteres keine Fondsanteile mehr erwerben.

Da lohnt sich der Blick auf weitere erfolgreiche Mischfonds, wie etwa der Kapital All Opportunities (ISIN: LU1066479848), der es – in einem an Turbulenzen nicht armen Jahr 2016 – geschafft hat, eine beeindruckende Wertentwicklung vorzuweisen.

Der Fonds aus dem Hause Flaskamp Invest SA wird seit 1. Januar 2016 von Christian Exner gemanagt und schlägt im direkten Vergleich sogar die Mischfonds-Top-Seller der FondsDISCOUNT.de-Kunden. Seit Jahresbeginn konnte das Management eine Wertsteigerung von 14,13 Prozent vorweisen, bei nur acht Prozent Volatilität (Stand: 5. Dezember 2016, Quelle: FWW). Seine Strategie verrät Exner im Interview.



FondsDISCOUNT.de: Sie investieren gern jenseits des Mainstreams – wie genau erfolgt die Selektion?
Christian Exner: Wir investieren in erfolgreiche Unternehmen. Es spielt keine Rolle, ob es sich um einen bekannten Namen oder um ein Unternehmen aus der dritten Reihe handelt. Was zählt sind die finanzielle Stärke sowie die nachhaltigen Vorteile des Geschäftsmodells und eine attraktive Bewertung. Um den Kapitalmarkt systematisch zu durchleuchten, haben wir ein quantitatives Vorselektionsmodell entwickelt. Dieses funktioniert wie ein fundamentaler Filter, der die nach unseren Kriterien besonders attraktiven Unternehmen heraussucht. Es erlaubt uns, die analytische Arbeit ganz auf die chancenreichsten Unternehmen zu konzentrieren. Die Vorgehensweise ist objektiv und liefert einen klaren Performancevorteil.

Eine Ihrer Regeln ist, dass jede Aktie im Portfolio maximal mit fünf Prozent gewichtet ist, zudem nehmen sie höchsten 35 Aktien ins Portfolio auf. Welche weiteren Prinzipien verfolgen Sie?
Wir kaufen nur was wir verstehen und suchen nach transparenten Geschäftsmodellen mit fähigem und verlässlichem Management. Intransparente Industrien wie etwa gegenwärtig die Versorger oder Banken meiden wir rigoros. Wir sind sehr diszipliniert in der Umsetzung unserer Investmentkriterien. Wird unser Qualitäts- und Bewertungsanspruch nicht voll erfüllt, investieren wir nicht. Entgegen vielen Wettbewerbern sind wir nicht ständig zu 100 Prozent investiert, sondern bauen in teuren Marktphasen deutlich Kasse auf. So schützen wir uns vor Marktkorrekturen und entwickeln uns – wie die ersten Monate in 2016 gezeigt haben – deutlich stabiler. Gleichzeitig haben wir dann genügend Kaufkraft, die tieferen Kurse für Zukäufe zu nutzen. Wir streben nach einer möglichst marktphasen-unabhängigen Rendite.

Sie sind ein großer Kritiker von Aktien-Rückkaufprogrammen. Wieso?
Freie Mittel sollten in die operative Weiterentwicklung des Unternehmens investiert werden – dort schaffen diese in der Regel einen höheren Wertbeitrag für Aktionäre. Aktienrückkaufprogramme wie bei Apple, die deutlich mehr liquide Mittel erwirtschaften als sie reinvestieren können, sind ok. Leider werden die Programme häufig missbraucht, um Aktionäre bei der Stange zu halten, operative Probleme zu überdecken oder das Management zu bereichern. Es gibt eine Vielzahl von Beispielen, wo Unternehmen mehr Mittel für Rückkäufe einsetzen als sie erwirtschaften. Dies wird dann über Kredit finanziert und somit das gesamte Unternehmen ins Risiko gebracht. Schlaue Kapitalallokation sieht anders aus.

Welche der von Ihnen ausgesuchten Unternehmen waren in der jüngeren Vergangenheit Ihre Performancetreiber?
Unsere Performance wurde von einer breiten Zahl an Unternehmen getragen. So haben sich in Deutschland der IT-Dienstleiser Datagroup und der Schraubenlogistiker Bossard (Schweiz) hervorragend entwickelt. Auch mit britischen Unternehmen (etwa Experian und Persimmon) – die wir nach dem Brexit erworben haben – konnten wir eine sehr ansprechende Rendite erwirtschaften. Aktuell schauen wir uns Unternehmen aus dem amerikanischen Gesundheitsmarkt sehr genau an.

Wie bewerten Sie aktuell den Aktienmarkt?
Der Aktienmarkt in Europa und den USA kann zweifelsfrei als „teuer“ bezeichnet werden, insbesondere für uns als konservative Investoren. Wir fokussieren uns sehr stark auf den Cash Flow – also die tatsächliche Lebensader eines Unternehmens. Setzt man diesen in Relation zur Marktkapitalisierung der Unternehmen, berechnen sich für den Gesamtmarkt Rendite von vier Prozent oder kleiner. Beliebte Branchen wie der Konsumgüterbereich (Nestle, etc.) liegen häufig noch deutlich darunter. Da stimmt das Rendite-Risiko-Verhältnis einfach nicht mehr. Die Kapitalmarkthistorie lehrt uns, dass auf derartige Bewertungen häufig Marktkorrekturen folgen. Entsprechend kaufen wir nur noch sehr ausgewählt zu und halten strategische Kaufkraft („Kasse“), um bei Börsenverwerfungen handlungsfähig zu sein.

Welchen Stellenwert haben Anleihen für Ihr Portfolio?
Unsere Aktienquote „atmet“ mit der Anzahl an attraktiven Investmentchancen. Alternativ halten wir Kasse oder kassennahe Instrumente. Dazu zählten in 2016 auch ausgesuchte Staats- und Unternehmensanleihen. Dank der wahnsinnigen Geldschwemme der Zentralbanken konnten wir in 2016 auf unserer Anleihen-Bestände eine sehr schöne Zusatzrendite erwirtschaften. Die inzwischen aberwitzige Bewertung der Anleihenmärkte hat uns aber dazu veranlasst, im Oktober die Gewinne zu realisieren. Wir haben nahezu den gesamten Bestand veräußert. Für uns ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Anleihenmarkt kollabiert. Erste Tendenzen haben wir ja bereits im November gesehen. Es kann Investoren nur dazu geraten werden, reine Anleihen-Fonds zu meiden.

Wie begründen Sie denn das aktuell wieder ansteigende Interesse an Value-Strategien?
Wir sind davon überzeigt, dass eine ausgereifte Value-Strategie klare Vorteile mit sich bringt. Finanziell gut aufgestellte Unternehmen mit belastbaren Geschäftsmodellen offerieren gerade in unsicheren Zeiten Stabilität und rentieren einfach verlässlicher. Zudem bleibt es den Investoren weitestgehend erspart, das verrückte Auf und Ab an den Börsen eins zu eins mitzumachen. Leider wird Value in der Öffentlichkeit häufig fehlinterpretiert und mit sehr einfachen Strategien – „ich kaufe Unternehmen mit einem niedrigen KGV oder niedrigem Preis-Buchwert-Verhältnis“ – gleichgesetzt. Dabei ist richtig umgesetztes Value-Investing viel mehr. Insbesondere die tiefe, analytische Auseinandersetzung mit den betreffenden Unternehmen, gepaart mit einer rigorosen Preisdisziplin – Kauf nur mit Sicherheitsmarge –, schafft den Mehrwert für Investoren.

Wer auf der Such nach Value-Titeln ist, muss den inneren Wert der entsprechenden Unternehmer kennen. Wie gehen Sie hier vor?
Bei der Bewertung muss man Realist sein. Unternehmen unterliegen ständigen Veränderungsprozessen und werden auch durch volkswirtschaftliche Entwicklungen beeinflusst. Entsprechend sind bis auf die zweite Kommastelle ausgerechnete innere Werte mit Vorsicht zu genießen. Wir gehen hier einen anderen Weg. Mit viel Fleiß und Akribie versuchen wir die Unternehmen möglichst vollumfänglich zu verstehen und leiten daraus die nachhaltigen, belastbaren Ertragsströme/Cash Flows ab. Dabei gehen wir rein faktenbasiert vor. Offeriert ein Unternehmen nach dieser Vorgehensweise ein Kurssteigerungspotential von mindestens +30%, nehmen wir dieses in unser Portfolio auf. Auf der anderen Seite beschäftigten wir uns intensiv mit möglichen Szenarien, falls unsere Kern-Annahmen bezüglich des Unternehmens nicht eintreffen (Risikokontrolle). Bei Fehlentwicklungen wir konsequent verkauft.

Das Börsenjahr 2016 startete äußerst turbulent, was erwarten Sie für 2017?
2017 dürfte ähnlich volatil verlaufen. Die hohen Bewertungen der Unternehmen zeichnen derzeit ein sorgenfreies Bild. Dies deckt sich nicht mit der fundamentalen Realität, vielmehr gleichen die Kapitalmärkte einem Pulverfass. Die Wirtschaft steht durch ein baldiges Ende der ultra-lockeren Geldpolitik vor einer Belastungsprobe. Die meisten Länder haben es verschlafen, die durch die Zentralbanken gewonnene Zeit für Strukturreformen zu nutzen. Politischer Stillstand wie in Italien ist destruktiv. Zusätzlich ist die Bankenlandschaft weit davon entfernt „stressfrei“ zu sein. Im Kapital All Opportunities fühlen wir uns eingedenk der dargestellten Herausforderungen gut aufgestellt. Die von uns selektierten Unternehmen verfügen über belastbare Geschäftsmodelle, sind finanziell sehr solide aufgestellt und dürften selbst bei starken Kapitalmarktverwerfungen als Krisengewinner hervorgehen. Im Gegensatz zu Wettbewerbern schaffen wir temporär auch hohe Liquidität. Die meisten Mischfonds sind eher Trendfolger und in schwierigen Phasen zu stark investiert. Die letzten fünf positiven Jahre haben dies verdeckt.

Herr Exner, vielen Dank für das Gespräch!


06.12.2016,

Bei Fragen und Anregungen zu diesem Artikel schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an die redaktion@fondsdiscount.de oder rufen uns unter der Service-Nummer 030 2757764-00 an. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

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Kapital all opportunities von Flaskamp Invest S.A.

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  • Die Wertentwicklung eines Fonds wird maßgeblich von der Wertentwicklung der Anlagewerte bestimmt. Daraus ergibt sich das Risiko von finanziellen Verlusten wenn sich Marktpreise von bestimmten Werten ändern.
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