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Interview Dirk Müller: Steuerzahler werden für Bankenrettung in Italien aufkommen

Interview Foto: © / FinanzethosDirk Müller.

Banken-Krise, Brexit, Euro-Schwäche: Der bekannte Börsen-Experte Dirk Müller spricht über das aktuelle Marktgeschehen und die Entwicklung seines Aktienfonds.


FondsDISCOUNT.de: Herr Müller, Sie haben bereits im Vorfeld vermutet, dass sich die Briten für den Brexit entscheiden werden, zudem sagten Sie voraus, dass die Märkte nur kurzfristig beeinflusst werden. Beides hat sich bestätigt. Gehen Sie davon aus, dass das Thema Brexit tatsächlich durch ist? Sind die Märkte generell zu hysterisch in Bezug auf solche Ereignisse?

Dirk Müller: Das Thema Brexit wäre durch, wenn es jetzt klare Entscheidungen gibt. Die größte Belastung für die britische Wirtschaft wäre, wenn sich die Verhandlungen und Entscheidungen lange hinziehen. Eine Hängepartie stellt vor allem für Investoren ein Problem dar. So lange die Lage in Großbritannien nicht geklärt ist, können diese nicht planen und Investitionen, aber auch Innovationen, bleiben auf der Strecke.

Die Märkte sind nach dem Referendum rasch zur Tagesordnung übergegangen, was auch zeigt, dass das Thema Brexit hier überhypt wurde. Der Brexit ist im Wesentlichen durch – außer es kommt zu Nachwehen, wie einem möglichen Ausstieg Schottlands oder Nordirlands aus dem Vereinigten Königreich. Dann könnte es noch einmal Bewegung in den Märkten geben.

Was sagen Sie nach dem Brexit für das Pfund voraus?

Das Pfund hat es im Moment schwer, aber das war vorherzusehen. Die Briten wollen jetzt ein schwaches Pfund. Es kann aber durchaus in späterer Folge dazu kommen, dass das Pfund wieder zulegt. Etwa, wenn Großbritannien – wie die Schweiz – einen Sonderstatus außerhalb der EU erhält. Banken in Großbritannien könnten in einer Art Sonderzone Vorteile gegenüber Banken im EU-Raum erlangen, der Finanzplatz würde so an Attraktivität gewinnen. Langfristig ist es sehr gut möglich, dass das Pfund wieder steigt, kurzfristig eher nicht.

Sie bezeichnen den Euro seit Langem als Fehlkonstruktion. Wie wird es kurz- und mittelfristig mit der Gemeinschaftswährung weitergehen?

Bei der Diagnose bleibe ich. Europa hat so verschiedene Volkswirtschaften und dadurch so unterschiedliche Leistungsfähigkeiten, dass ein Ausgleich der Länder untereinander mit dem Euro als Gemeinschaftswährung ausgeschlossen ist. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Diskrepanzen werden durch unterschiedliche Währungen ausgeglichen oder durch Transferzahlungen, die allerdings aktuell nicht vorstellbar sind. Zahlreiche EU-Staaten haben keinen Euro. Wenn man die Länder ohne Euro, aber mit Zugang zum europäischen Binnenmarkt, mit jenen vergleicht, die den Euro eingeführt haben, schneiden die ohne Gemeinschaftswährung in der Entwicklung besser ab. Die Stärke der EU ist der Binnenmarkt, nicht der Euro.

Ein weiteres Thema, welches die Märkte dieses Jahr beschäftigt, sind die Turbulenzen bei den Banken. Zu Jahresstart haben Finanztitel deutlich verloren. Laut Boston Consulting Group soll der Brexit Europas Banken bis zu 40 Milliarden Euro kosten. Der IWF hält die Deutsche Bank für gefährlich. Und nicht zuletzt sitzen Italiens Banken auf faulen Krediten in Höhe von 360 Milliarden Euro. Wie riskant aufgestellt ist der Bankensektor? Und vermuten Sie erneut Banken-Rettungen mit Steuergeldern?

Ja, ich gehe stark davon aus, dass Steuergelder in die Bankenrettung fließen werden. In Italien kann ich es mir gar nicht anders vorstellen, zumal die Lage dort noch schlimmer ist als vor der Krise. Der Staat muss eingreifen, zudem werden es die Notenbanken schon richten. Aus den vorigen Schieflagen wurde nichts gelernt und in der Folge falsch reguliert.

Wagen wir einen Blick über den Atlantik: Die USA finanzieren alles auf Pump. Die Fed ist momentan nicht wirklich in der Lage, einzugreifen. Der Wahlkampf lähmt das Land noch bis November. Zudem drohen jetzt soziale Unruhen. Dennoch setzten Sie aktuell auf US-Aktien. Warum sind diese Titel besser als deutsche?

Dazu muss man nur in die Bilanzen der Unternehmen schauen. Der Großteil der US-Unternehmen ist den deutschen überlegen. Warum sind sie so viel besser? Es ist nicht so, dass sie in den USA klüger sind, aber sie haben das ideale Umfeld. Der Unterschied ist, dass es für US-Unternehmen maximale Rechts- und Planungssicherheit gibt: Wenn ein Vertrag in den USA geschlossen wird, weiß ich, der gilt noch in 20 Jahren. Zudem gibt es keine Korruption von staatlicher Seite. In den USA weiß ich, dass der Gesetzgeber Entscheidungen eher zugunsten der Unternehmen treffen wird. Zusätzlich brechen die USA als mächtigster Staat der Welt die Märkte für US-Unternehmen auf und greifen so die Konkurrenz an. US-Unternehmen sind daher besser zu kalkulieren.

Im Gegensatz dafür fällt die Kalkulation für deutsche Unternehmen ungleich schwerer, da mit der EU ein zweiter Gesetzgeber ins Spiel kommt. Ein Beispiel: Man sieht diese Problematik etwa an der Energiewende, wo es kein einheitliches, kalkulierbares Vorgehen gibt.

Viele Beobachter halten den US-Aktienmarkt für überbewertet. Droht den Anlegern über dem Atlantik eine Blase, die platzen könnte?

Die Bewertungen sind in der Regel höher als in Europa. Die US-Unternehmen müssen daher genau unter die Lupe genommen werden. Im manchen Branchen gibt es überbewertete Unternehmen, wie etwa in der Hochtechnologie oder im gesamten Internet-Umfeld. Doch im Großen und Ganzen sind US-Unternehmen fair bewertet. Wir orientieren uns ganz klassisch am Free-Cash-Flow, mit dem es sich recht gut analysieren lässt.

Edelmetall, Gold und Silber haben zuletzt ordentlich angezogen. Ist es aktuell sinnvoll, sich als Anleger mit diesen Assets auseinanderzusetzten oder werden die Preise bald wieder etwas nachgeben?

Ich war schon immer ein Verfechter davon, etwa 10 bis 20 Prozent seines Portfolios in Edelmetallen anzulegen. Gold ist für mich die Urwährung. Dass der Goldpreis zeitnah signifikant sinken wird, glaube ich persönlich nicht. Im Jahr 2011 war dieser mit 1900 Dollar überzogen. Anfang 2016 hatte der Preis sich fast halbiert und stand bei knapp über 1000 Dollar. Doch der Abwärtstrend der vergangenen fünf Jahren ist jetzt gebrochen.

Einen langfristigen Goldpreis von 1600 bis 1700 Dollar halte ich für fair. Wer etwas aggressiver als in physisches Gold anlegen will, der kann in Minen-Aktien investieren. Dort ist auf jeden Fall Musik drin.

Sie warnen seit Längerem vor der Krisen-Gefahr in China. Sind Sie überrascht, dass der große Crash noch nicht eingetreten ist? Ist die Gefahr weiterhin hoch?

Ich bin überhaupt nicht überrascht. Die Risiken und Gefahren müssen aber benannt werden. Wir können nie wissen, wann ein Crash passiert. Aber wir können erkennen, dass er passieren wird. Die Frage stellt sich nur nach dem Wann. Denken Sie an das Jahr 2008 und das Platzen der Immobilien-Blase in den USA. Jeder wusste, dass es dazu kommen wird, das exakte Timing konnte keiner vorhersagen.

Das Problem in China ist, dass sich dort in den vergangenen zehn Jahren so viele Gefahren angehäuft haben, dass es irgendwann schiefgehen muss. Die Investoren ziehen ihr Kapital im großen Stil aus China ab. Das Land versucht zwar dagegenzuhalten, aber Abflüsse von mehreren Billionen Dollar sind nicht zu kompensieren. Womit sich China etwas Zeit verschaffen kann, ist mit der Wiederbelebung der Seidenstraße. Wenn dies ordentlich gemacht wird, kann so ein Kraftakt dem Land tatsächlich noch einen Aufschub geben und Peking gewinnt ein paar Jahre. Doch der Crash in China wird kommen.

Die Zinspolitik der Zentralbanken macht vielen Gruppen, aber vor allem den Sparern, zu schaffen. Was raten Sie jemanden, der bislang in seinem Leben nur das Sparbuch kannte und jetzt merkt, dass sich das Modell mehr und mehr als nutzlos erweist. Wie kann oder wie soll man in die Welt der Geldanlage einsteigen?

Wenn ich eines in 25 Jahren an der Börse gelernt habe: Die sinnvollste Geldanlage ist die Beteiligung an wirtschaftlich gesunden, guten Unternehmen. Wichtig ist, dass das Unternehmen eine Wachstumsprognose und eine Perspektive hat. Ich meine damit keine großen Unternehmen, wie Nestle oder Coca-Cola, sondern solche, wie es die beiden genannten vor 20 Jahren waren. Setzten Sie auf Unternehmen, die in 10 bis 20 Jahren so groß sein werden, wie Nestle und Coca-Cola heute. Suchen Sie Unternehmen aus, die sich in den vergangenen Jahren bereits bewiesen haben. Und geben Sie sich selber einen Investitionszeitraum von 5 bis 10 Jahren. Das ist meiner Erfahrung nach die sinnvollste Geldanlage.

Ihr „Dirk Müller Premium Aktien Fonds“ (ISIN: DE000A111ZF1) hat ein sehr gutes erstes Jahr hingelegt. Was werden Sie im zweiten Jahr so belassen und wo planen Sie Strategie-Änderungen? Welche Branchen sind jetzt besonders interessant?

Das Prinzip für den Fonds bleibt dasselbe, wir nehmen nur Feinjustierungen vor. Wir haben etwa kürzlich unsere einzigen zwei Banken aus dem Depot geschmissen – über die Hintergründe habe ich gerade gesprochen, die Gefahren durch die Banken haben sich einfach zugespitzt. Außerdem haben wir uns von jenen Unternehmen getrennt, die stark in China engagiert sind.

Wir setzten daher auf zukunftsreiche Branchen: Was auf jeden Fall – unabhängig von der Marktentwicklung – groß im Kommen ist, ist Mobile Payment. Genauso wird Öl & Gas mittelfristig durch erneuerbare Energien ersetzt. Das ist sicher.

Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch!
22.07.2016,

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